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Die vielen Probleme des DFB: Ist es schon zu spät?

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

hätten Sie es gewusst? Und vor allem: Haben Sie es gesehen? Ein Wort hat ausgereicht, um für Verunsicherung zu sorgen – wenn auch ungewollt.

Mein Kollege Noah Platschko – virtuell zugeschaltet zur Pressekonferenz, auf der Nagelsmann als Nachfolger von Hansi Flick vorgestellt wurde – hatte zuvor gefragt, ob dieser denn auch mal zum Training der Nationalmannschaft mit dem Longboard kommen würde, wie er es einst beim FC Bayern tat – und damit den Sportdirektor überrumpelt.

Heute vor einer Woche trug sich diese Szene zu. Seit einer Woche also ist zumindest die Frage nach dem Verantwortlichen für die zuletzt arg strauchelnde deutsche Elf beantwortet.

Durchschnaufen sollte auf dem schicken neuen DFB-Campus in Frankfurt am Main aber niemand – denn die letzten Wochen machten weitere Probleme deutlich, die der Deutsche Fußball-Bund lösen muss. Es geht schließlich auch um seine eigene Zukunft. Sonst ist es irgendwann zu spät – wenn es das nicht sogar schon ist.

TV-Moderator Frank Buschmann spaltet die Sport-Fangemeinde. Die einen lieben den langjährigen Fußball- und Basketballkommentator, weil er stets mit derselben ihm eigenen überschäumenden Leidenschaft kommentiert, ob es nun um Olympia-Gold oder einen Mittelfeldplatz in der Regionalliga geht. Andere wiederum, nun ja, mögen ihn nicht ganz so sehr, weil er stets mit derselben ihm eigenen überschäumenden Leidenschaft kommentiert, ob es nun um Olympia-Gold oder einen Mittelfeldplatz in der Regionalliga geht.

Seiner Schelte für den DFB müssen aber beide Lager in ungeahnter Einigkeit zustimmen. "Nichts beschreibt den erbärmlichen Zustand des DFB rund um die A-Nationalmannschaft besser als der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Entlassung von Bundestrainer Hansi Flick", entfuhr es dem 58-Jährigen vor wenigen Wochen.

Zur Erinnerung: Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hatte gerade in einer mitreißenden Partie das WM-Finale gegen Serbien gewonnen. Ein denkwürdiger Triumph. Und der Deutsche Fußball-Bund kabelte wenige Minuten später sein ganz eigenes Glückwunschtelegramm: "Wir haben übrigens gerade den Bundestrainer rausgeschmissen."

Schon war der Fokus der Öffentlichkeit wieder beim Platzhirsch Fußball. Es gehört nicht viel Gehässigkeit zur Überlegung, was man an der Kennedyallee in Frankfurt wohl bereits für weitere schurkische Störsignale planen könnte. Demnächst nämlich beginnt die Wintersportsaison, im Januar 2024 dann die Handball-EM im eigenen Land.

DFB-Mediendirektor Steffen Simon, seit Mai letzten Jahres im Amt, bleibt zu wünschen, künftig häufiger über den Fußball-Tellerrand hinauszuschauen.

Über den Tellerrand hinaus schauen will indes die deutsche Nationalmannschaft – und deshalb trifft sich am 8. Oktober der neue Bundestrainer Nagelsmann mit seinem Kader, um dann am kommenden Morgen eine zehntägige Reise in die USA anzutreten. Dort stehen Länderspiele gegen den Gastgeber in Hartford (14.10.) und gegen Mexiko in Philadelphia (17.10.) an.

Die Begeisterung bei den Nationalspielern ist eher übersichtlich. "Es ist nicht ganz so gut gewählt, meiner Meinung nach“, erklärte Abwehrspieler Niklas Süle im September. Sein Mitspieler Jonas Hofmann befand: "Wenn du Jetlag hast, das ist dann schon eine Umstellung."

Denn noch am 8. Oktober finden Spiele in Deutschland und allen europäischen Topligen statt, nach der Rückkehr aus Übersee bleiben den Spielern maximal zwei Tage zur Erholung, dann geht es im Tagesgeschäft weiter.

Und wofür das alles, fragen Sie?

Man wolle sich ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen. Schließlich findet die WM 2026 in Kanada, den USA und Mexiko statt. Der Nationalmannschaftstross will aber auch missionieren. "Für eine größere Wahrnehmung und Präsenz des deutschen Fußballs" sei es wichtig, "dass sich die besten Spieler Deutschlands auch international zeigen", gab sich Völler bereits alle Mühe, einen sinnstiftenden Unterbau in das fragile Gebäude USA-Reise einzuziehen.

Wie werden er und die findigen PR-Strategen der DFB-Elf wohl reagieren, wenn sie vor Ort feststellen, dass ihnen ein kleiner, hochbegabter Argentinier längst zuvorgekommen ist und wohl im Alleingang mehr Publikum anzieht als der viermalige Weltmeister aus good old Germany in seiner aktuellen Verfassung?

Ironie des Schicksals übrigens, dass Reise-Urheber Flick gar nicht mehr dabei ist.

Sie erlauben mir dazu eine private Anekdote: Meine Mutter, die mir nicht nur die Liebe zum Film weitergegeben hat, zitierte zum Thema direkt aus "Ein seltsames Paar", eine wunderbare Komödie um einen peniblen Neurotiker, der nach dem Zusammenbruch seiner Ehe vorübergehend bei seinem besten (und schlamperten) Freund unterkommt. An einer Stelle spricht er über den ursprünglich geplanten Urlaub und realisiert mit fatalistischem Lachen: "Wir wollten ohne die Kinder fahren. Jetzt fahren sie ohne mich."

Der DFB muss sich die Frage gefallen lassen, wie ernst es ihm wirklich mit seinem Engagement für den Sport ist – denn das Schweigen des Verbands im "Fall Rubiales" war ohrenbetäubend.

Unsere Kolumnistin Tabea Kemme hat es in ihrem neuesten Beitrag wortgewaltig formuliert: "Von deutscher Seite habe ich nichts gehört. Der DFB hat keine klare Haltung – bis zum heutigen Tag nicht. Man reibt sich fassungslos die Augen."