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Diese kritischen Hongkonger hat Peking im Visier

Einerseits verkörpert Jimmy Lai wie kaum ein anderer Hongkong. Lai ist ein Emporkömmling, er hat es vom einfachen Textilarbeiter zum Milliardär gebracht. Im Alter von zwölf Jahren floh er als blinder Passagier auf einem Boot vom chinesischen Festland nach Hongkong. Sein erster Job war der eines Arbeiters in einer Textilfabrik.

Mit einer Mischung aus Fleiß, Ehrgeiz und Geschäftssinn arbeitete sich Lai nach oben. In den 80er-Jahren gründete er den Textilkonzern Giordano, der ihn reich machte. Später verkaufte er das Unternehmen und steckte das Geld in den Aufbau seines Medienimperiums Next Media.

Auf der anderen Seite verhält sich Lai für einen Hongkonger Tycoon ausgesprochen untypisch. Die Reichen und Mächtigen der Sonderverwaltungszone pflegen gewöhnlich eine stille Allianz mit den Machthabern in Peking.

Die chinesische Parteipresse brandmarkt Jimmy Lai regelmäßig als „Verräter“

Die chinesische Parteipresse brandmarkt Jimmy Lai regelmäßig als „Verräter“

Quelle: REUTERS

Anders Lai: Der 71-Jährige ist einer der vehementesten Kritiker des chinesischen Regimes. „Apple Daily“, die Boulevardzeitung seines Verlags, ist die wohl letzte Bastion der einst freien Presse Hongkongs. Die chinesische Parteipresse brandmarkt ihn deswegen regelmäßig als „Verräter“.

Lai ist schon mehrfach festgenommen worden und immer wieder auf Kaution freigekommen, zuletzt im April. Diesmal wird es wohl anders sein. Die Behörden beschuldigen ihn der „geheimen Absprache mit ausländischen Mächten“. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm drei bis zehn Jahre Haft – sollte sein Fall als „schwerwiegend“ eingestuft werden, sogar eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Lai scheint mit der Verhaftung gerechnet zu haben. Zuletzt betonte er in Interviews immer wieder, dass er bereit sei, ins Gefängnis zu gehen. Die Festnahme des Medienmoguls ist der massivste Angriff auf die Presse Hongkongs, seit im Juli das „Sicherheitsgesetz“ in Kraft getreten ist.

Der Anwalt Martin Lee wird in Hongkong oft ehrfürchtig als „Vater der Demokratie“ bezeichnet. Der heute 82-Jährige ist einer der Gründer der Demokratischen Partei Hongkongs, der ältesten demokratischen Partei der Stadt, deren Vorsitzender er von 1994 bis 2002 war. In den 80er-Jahren machte Peking Lee zu einem der Vertreter Hongkongs, die das Grundgesetz der Stadt ausarbeiteten. Doch nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 trat Lee von diesem Amt zurück.

Der Rechtsanwalt Martin Lee fordert Demokratie in Hongkong

Der Rechtsanwalt Martin Lee fordert Demokratie in Hongkong

Quelle: AFP

Lee nahm in den vergangenen Jahren selten an Straßenprotesten teil. Stattdessen leistete er im Hintergrund Überzeugungsarbeit. 2019 traf er in Washington Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses. Auch schrieb er für internationale Medien. Zuletzt veröffentlichte er im April einen Artikel in der „Washington Post“, in dem er erklärte, warum er kurz zuvor vorübergehend festgenommen worden war.

Obwohl Lee innerhalb des politischen Spektrums Hongkongs zum moderaten Lager gehört, das Gewalt und die Unabhängigkeit der Stadt ablehnt, dämonisieren ihn die chinesischen Parteimedien als „Rassenverräter“ und „imperialistischen Lakai“. Auch sehen sie ihn als Teil einer neuen „Viererbande“.

Dieser Begriff bezeichnete ursprünglich eine Gruppe um Mao Zedongs letzte Frau Jiang Qing, die man für die Gewaltexzesse während der chinesischen Kulturrevolution (1966 bis 1976) verantwortlich machte. Heute meinen die chinesischen Propagandamedien damit drei betagte Herren und eine ältere Dame, die zur Hongkonger Demokratiebewegung zählen.

Der Name Leung Kwok-Hung sagt wahrscheinlich den wenigsten Menschen etwas. Denn Leung ist eher unter seinem Spitznamen bekannt. Wegen seiner langen Haare, die an einen Heavy-Metal-Rocker erinnern, nennen ihn viele Vertraute einfach nur „Long Hair“.

Veteran der Bewegung: Leung Kwok-hung, bekannt als „Long Hair“

Veteran der Bewegung: Leung Kwok-hung, bekannt als „Long Hair“

Quelle: AFP

„Long Hair“ ist ein Veteran der Hongkonger Demokratiebewegung. Von 2004 bis 2017 saß er im Legislativrat, dem Parlament der Sonderverwaltungszone. 2017 wurde er aus dem Legislativrat geworfen, nachdem sein Amtseid für ungültig erklärt worden war. In dem Eid müssen die Abgeordneten Hongkongs der Volksrepublik die Loyalität erklären. „Long Hair“ hatte den Amtseid seit 2004 als Mittel des Protests genutzt.

„Long Hair“ gehört der Partei Liga der Sozialdemokraten an. Diese steht – im Vergleich zur Demokratischen Partei – für einen radikalen und konfrontativen Ansatz gegenüber Peking.

In ihrer Branche, der Musik- und Filmindustrie, kämpft Denise Ho einen einsamen Kampf. Die Stars und Sternchen der Sonderverwaltungszone halten sich gewöhnlich aus Politik heraus. Zu groß ist die Gefahr, zur Persona non grata zu werden – und den Zugang zum chinesischen Markt zu verlieren.

Sängerin und Aktivistin: Denise Ho kritisiert das Regime in Peking

Sängerin und Aktivistin: Denise Ho kritisiert das Regime in Peking

Quelle: AFP

Aber die Cantopop-Sängerin und Schauspielerin hat sich entschieden: Sie hat sich auf die Seite der Demokratiebewegung gestellt. Dafür nimmt sie in Kauf, nicht mehr auf dem chinesischen Festland auftreten zu dürfen.

Ho weiß, wie es sich anfühlt, Entscheidungen zu treffen, die die eigene Karriere beeinträchtigen können. IM Jahr 2012 gab die damals 35-Jährige bei einer LGBT-Parade in Hongkong bekannt, lesbisch zu sein. Ihr Coming-out hatte Signalwirkung, Ho war die erste Mainstream-Sängerin Hongkongs, die dies öffentlich erklärte.

Seit der „Regenschirm-Revolution“ 2014 ist Ho Unterstützerin der Demokratiebewegung. Ihrer Musik- und Filmkarriere sind damit enge Grenzen gesetzt. 2015 lief ihr Plattenvertrag aus. Seitdem arbeitet sie als unabhängige Künstlerin.

In jüngster Zeit trat Ho oft als Aktivistin auf. Im vergangenen Jahr nahm sie an einer Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf teil, wo sie über Pekings Durchgreifen in Hongkong sprach. Während ihrer Rede wurde sie wiederholt von einem chinesischen Vertreter unterbrochen.

Benny Tai wurde der Öffentlichkeit erstmals 2014 bekannt. Der Jurist hatte die Hongkonger unter dem Motto „Occupy Central“ zu zivilem Ungehorsam und zu Sitzblockaden in der Innenstadt aufgerufen, um für ein demokratischeres Wahlrecht zu kämpfen.

Der Jurist Benny Tai gilt als Initiator der „Regenschirmrevolution“

Der Jurist Benny Tai gilt als Initiator der „Regenschirmrevolution“

Quelle: REUTERS

Daraus entwickelte sich die „Regenschirmrevolution“, die monatelang die Innenstadt lahmlegte. Tai ist ein Intellektueller. Dennoch war es sich nie zu fein, um mit verschwitztem Hemd auf der Straße zu stehen und seine politischen Anliegen zu erklären.

Bis vor Kurzem war Tai Professor an der University of Hongkong, einer der angesehensten Hochschulen der Stadt. Doch Ende Juli beschloss das zuständige Leitungsgremium der Hochschule, den Juristen zu entlassen. Zwei Wochen vorher hatte er inoffizielle Vorwahlen für die Wahl zum Legislativrat im September organisiert. Die wurde inzwischen verschoben – offiziell wegen Corona-Bedenken.

Damit ist Tai das erste prominente akademische Opfer, seit im Juli das „Sicherheitsgesetz“ in Kraft getreten ist. Auf Facebook nannte Tai seine Entlassung „das Ende der akademischen Freiheit in Hongkong“.

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