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"Effektivität nicht so hoch": Wie ungerecht ist die E-Auto-Solarförderung der KFW?

"Effektivität nicht so hoch" Wie ungerecht ist die E-Auto-Solarförderung der KFW?

Bereits in der ersten Nacht nach Start stoppt die KFW-Bank das neue Förderprogramm für E-Autos und Stromspeicher für Eigenheime wieder. Die Fördermittel für 2023 sind bereits ausgeschöpft. Energieökonom Andreas Löschel sieht Parallelen zu anderen Förderungen in den vergangenen Monaten. Es handele sich tendenziell um eine Verteilung von unten nach oben.

Wenn ein Fördertopf sofort aufgebraucht ist, spricht das dafür, dass er besonders gut oder besonders schlecht konstruiert wurde?

Andreas Löschel: Erst mal spricht das dafür, dass man genau hinschauen sollte. Es ist doch sehr ungewöhnlich, dass das Geld so schnell aufgebraucht war. Bei der Gebäudesanierung haben wir ähnliches gesehen. Damals dürfte es große Mitnahmeeffekte gegeben haben - die Förderungen wurden also sehr schnell abgerufen, aber hatten keine so große Effektivität.

Das heißt dann, dass niemand wegen des Programms in eine Photovoltaik-Anlage, Ladestationen und Solarstromspeicher investiert?

Ja, genau. Die Frage ist: Stoßen die Programme etwas an, das sonst nicht passiert wäre? Daran habe ich meine Zweifel. Es ist natürlich schwer, die Vergleichssituation zu konstruieren. Ähnliche Analysen zur Förderung etwa der energetischen Sanierung zeigen aber, dass die Effektivität der Förderungen nicht so hoch war. Das liegt einfach daran, dass die Menschen, an die sich solche Programme richten, oft sowieso investieren würden. Sie tun das meist, weil sie wollen und sich das leisten können. Das Kalkül wird sich durch die Förderung nicht substantiell ändern.

Hätten Sie vorher vermutet, dass es bei dem Programm so große Mitnahmeeffekte geben würde?

Das ist vorher schwer zu sagen. Aber hier wird etwas gefördert, das sowieso schon attraktiv ist. Wenn sie eine PV-Anlage haben, dann ist ein Elektroauto attraktiv, weil sie den Strom nicht vom Netz beziehen müssen, sondern Ihren Strom vom Dach nutzen können. Und dazu brauchen sie dann eben die Ladestation. Die Förderung dürfte wenige Menschen in ihrer Entscheidung beeinflusst haben, aber natürlich gibt es viele, die sie mitnehmen wollen. Nur brauchen diese Haushalte eigentlich oft keine gesonderte Entlastung.

Weil sie sich sowieso schon ein Eigenheim und ein Elektroauto leisten können?

Andreas Löschel ist Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik und an der Ruhruniversität in Bochum.
Andreas Löschel ist Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik und an der Ruhruniversität in Bochum.

Andreas Löschel ist Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik und an der Ruhruniversität in Bochum.

(Foto: picture alliance/dpa/RUB)

Ja, das sehen wir leider häufig in der Umsetzung der Energiewende. Wir fördern Elektromobilität, Sanierung, Photovoltaik, und das kommt überwiegend Menschen zugute, denen es eigentlich gut geht. Durch diese Programme verteilen wir tendenziell von unten nach oben. Das sollte man im Blick haben.

Es ist ja ein Dilemma: Wohlhabende Menschen haben im Schnitt eben auch einen größeren CO2-Fußabdruck und somit mehr Potenzial, CO2 einzusparen.

Aber sie haben auch bedeutend mehr Möglichkeiten, auf höhere Kosten zu reagieren. Wenn die Strompreise steigen, dann sind es die Menschen mit hohem Einkommen, die sich einen effizienteren Kühlschrank oder eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher für die Eigenversorgung leisten können. Deshalb reagieren Haushalte mit hohem Einkommen bedeutend stärker auf Preisanstiege als arme Haushalte. Diese können ihren Stromverbrauch nicht so einfach reduzieren und bleiben auf höheren Kosten sitzen. Das Geld wäre besser investiert, wenn man damit die Härten der Transformation für Menschen abfedert, die auf steigende Preise nicht reagieren können.

Nun wird mit dem Programm ja gefördert, dass einzelne Haushalte bei sich Strom vorrätig halten, statt ihn ins Netz zu speisen. Ist das überhaupt der richtige Ansatz?

Menschen möchten sich gerne autonomer im Energieverbrauch machen. Deshalb kaufen die meisten Hausbesitzer zur PV-Anlage gleich den Speicher mit. Das ist aus systemischer Sicht oft nicht sinnvoll. Besser wäre es meist, wenn der Speicher auf einer aggregierten Ebene stehen würde, also zum Beispiel in Quartieren, um Fluktuationen aufzufangen. Investitionen auf Haushaltsebene sind natürlich eine private Entscheidung, der Staat müsste es aber nicht noch zusätzlich fördern.

Es ist also keine perfekte Lösung, aber vielleicht die einzige, die Menschen überhaupt motiviert, den Verbrenner abzuschaffen und auf Erneuerbare Energien umzusteigen?

Das kann sein. Besser wäre es aber, den Umstieg durch die richtigen Anreize anzustoßen. Also fossile Energieträger teurer machen und grünen Strom möglichst günstig. Dann müsste man auch keine Diskussion um einzelne Subventionen führen. Das würde aber auch bedeuten, dass die Haushalte sehr schnell und in der Breite durch ein Klimageld entlastet werden sollten. Leider wird diese Diskussion nicht entschieden genug geführt.

Mit Andreas Löschel sprach von Nele Spandick

Dieses Interview erschien zuerst auf capital.de