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Germany

Erfreut der Lloyd?: Zeitreise im Lloyd LP 400

Die Marke Lloyd dürfte bei jüngeren Menschen weithin unbekannt sein. Bereits 1961 ist sie mit dem Konkurs der Borgward-Gruppe untergegangen. Dabei lagen die kleinen, günstigen Vehikel im Nachkriegsdeutschland in der Zulassungsstatistik ganz vorn.

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Für die Menschen in den 1950er-Jahren war der Lloyd LP 400 ein Aufstieg in der Mobilitätskette.

(Foto: Patrick Broich)

Es gibt diverse Sprüche zur Automarke Lloyd, wie "ein Lloyd erfreut" oder auch bösere Lyrik: "Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd". Eines kann man jedenfalls als gesichert betrachten: Wer Anfang oder Mitte der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts in den Genuss eines fabrikneuen Lloyd kam, war in der Regel Auf- oder Umsteiger. Ein Aufsteiger entweder überhaupt in die motorisierte Mobilität oder Umsteiger vom Zweirad auf das Auto, um unterwegs ein Dach über dem Kopf zu haben.

Kleinstwagen  für Aufsteiger

Der 1953 auf dem Markt gebrachte Lloyd LP 400 war das zweite Modell der nach dem Krieg neu gegründeten Lloyd Maschinenfabrik G.m.b.H. (später Lloyd Motoren Werke). Der etwas an den Sachsenring Trabant erinnernde Kleinstwagen – 3,45 Meter Außenlänge – besteht aus einem Zentralrohrrahmen sowie einer Karosserie aus kunststoffüberzogenen Sperrholzelementen. Im Laufe seines Lebenszyklus erhielt der Vierhunderter allerdings sukzessive Stahlblech – zunächst spendierten ihm die Techniker lediglich Seitenteile, später wurden auch die restlichen Karosseriebereiche metallen. Was den LP 400 allerdings während seiner gesamten Bauphase auszeichnete, sind sein unsynchronisiertes Dreigang-Schaltgetriebe sowie der 13 PS starke und 386 Kubikzentimeter große Zweitakt-Zweizylinder. So konnte der Lloyd nicht nur mit Benzin, sondern auch mit Öl betankt werden.

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Das Cockpit des Lloyd LP 400 ist in Wagenfarbe lackiert und lediglich mit einem Tacho versehen.

(Foto: Patrick Broich)

Das hört sich komisch an, deshalb stellt sich die Frage: Wie kommt man mit einem solchen Gefährt wohl voran? Also, rasch die "Selbstmördertüren", die an der B-Säule angeschlagen sind, öffnen und rein in den schaukligen, weich gefederten Winzling. Man sitzt hier schon recht kuschlig zusammen, sofern ein Beifahrer platzgenommen hat. Ist aber egal, denn die Insassen sind immerhin vor dem Wetter geschützt. Der Blick nach vorn erwischt die Fahrbahn durch die steil stehende Windschutzscheibe, aber gleichzeitig auch die spartanische Armaturentafel, die sehr nah an der Brust der Passagiere liegt. Sie wurde stilsicher in Wagenfarbe lackiert und wird damit zum interessantesten innenarchitektonischen Objekt. Viel abzulesen oder zu bedienen gibt es nicht außer der Geschwindigkeit oder dem Choke – ungemein wichtig beim Kaltstart.

13 Pferde und Zwischengas

Rängdängdängdäng, so ertönt es, wenn der Anlasser das Maschinchen zum Leben erweckt. Nur zur Erinnerung: 13 Pferdestärken setzt der Öl verbrennende Zweizylinder frei und muss 500 Kilogramm Leergewicht plus menschlicher Fracht schleppen. Das Kupplungspedal ist zwar leichtgängig, aber ragt recht flach aus dem Bodenblech, so dass man konzentriert drücken muss. Der erste Gang ist mit der sogenannten Krückstockschaltung, wie man sie später auch im Trabant findet, leicht eingelegt. Viel Schleifpunkt existiert nicht, und schon rollt der betagte Kleinstwagen an, dessen minimalistischer Motor gar nicht mal so schnell abwürgt.

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Das Motörchen des Lloyd LP 400 leistet 13 PS.

(Foto: Patrick Broich)

Dann – Achtung! – bitte kuppeln, Gang schnell herausnehmen, auskuppeln und wieder einkuppeln, in den Zweiten schalten, auskuppeln. Jawohl, klappt halbwegs geräuscharm, aber nie ganz tonlos. Das Herunterschalten gestaltet sich noch schwieriger. Nur wenn Getriebe- und Motordrehzahl in dem Moment, wenn die Zahnräder gegeneinander verschoben werden, exakt passen, geht es wirklich geschmeidig. Doppeltes Kuppeln hilft hier ebenso, wie ein bisschen Übung.

Bloß nicht stressen lassen

Im Notfall hält man einfach mal an, denn: Der nachfolgende Verkehr muss sich ohnehin auf den kleinen Lloyd einstellen. Mehr als 80 km/h sind kaum drin, und Steigungen drücken ungemein aufs Tempo. Sobald der Anstieg zu sehen ist und abgeschätzt wurde, wie viel Zugkraft notwendig ist um ihn zu überwinden, geht es eben in den ersten Gang zurück. An überholende Verkehrsteilnehmer muss man sich hier einfach gewöhnen. Bloß nicht stressen lassen. Denn am Ende macht der LP 400 einen Riesenspaß, denn es geht hier mal so gar nicht um Performance sondern schlicht um die Fortbewegung im Stil der 50er. Am Ende bleibt festzustellen, dass man auch mit 13 PS proper vom Fleck kommt.

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Ein Logo im Zeichen der Zeit.

(Foto: Patrick Broich)

Der olle Bremer Winzling entschleunigt also ungemein. Das Fahren ist pur und durchaus anspruchsvoll, mit dem Getriebe sollte man eine Weile trainieren, um damit virtuos umgehen zu können. Es ist ein schönes Gefühl, ein Stück bundesrepublikanische Automobilgeschichte zu fahren, und der Lloyd erntet mehr nach oben gerichtete Daumen und grinsende Gesichter als manch teurer Supersportler. Wer selbst ein bisschen schrauben kann, ist natürlich im Vorteil. Es fahren noch zwischen 300 und 400 Lloyd auf deutschen Straßen. Nach einer kleinen Tour mit dem Zweitakter, der preislich je nach Zustand noch im vierstelligen Bereich liegt, steht ganz klar fest: Der Lloyd LP 400 erfreut auch heute noch.

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