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Ermittlungen zu Anschlag auf Oktoberfest eingestellt

Franz Platzer im September 2000 vor dem Mahnmal zum Attentat am Haupteingang zum Münchner Oktoberfest. Am 26. September 1980 war der damals 14-jährige Platzer bei dem Bombenanschlag schwer verletzt worden. Zwei seiner Schwestern kamen bei dem

Franz Platzer im September 2000 vor dem Mahnmal zum Attentat am Haupteingang zum Münchner Oktoberfest. Am 26. September 1980 war der damals 14-jährige Platzer bei dem Bombenanschlag schwer verletzt worden. Zwei seiner Schwestern kamen bei dem Attentat ums Leben. Jetzt sind neuerliche Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat eingestellt worden. (Leonhardt/DPA)

Der verheerendste rechtsextreme Terrorangriff in der Geschichte der Bundesrepublik ist offenbar in Teilen nicht aufzuklären. Die Bundesanwaltschaft unter Leitung von Generalbundesanwalt Peter Frank hat am Montag die 2014 wieder aufgenommenen Ermittlungen zum Bombenanschlag vom 26. September 1980 auf das Münchener Oktoberfest eingestellt. Der Verdacht, der Attentäter Gundolf Köhler habe nicht alleine gehandelt, sondern sei von einem oder mehreren Komplizen unterstützt worden, ließ sich nicht erhärten.

Es hätten sich „keine zureichenden Anhaltspunkte für eine Betätigung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen“ von Köhler ergeben, hieß es am Dienstag in Karlsruhe. Die Möglichkeit, dass weitere Personen beteiligt waren, lasse sich dennoch nicht ausschließen. Die einst spektakulär klingenden Aussagen von zwei Zeuginnen zu möglichen Mittätern waren für die Bundesanwaltschaft nicht zu verifizieren, auch weitere Spuren blieben unergiebig.

Eine Frau hatte 2014 angegeben, am Tag nach dem Anschlag in einem Aussiedlerheim in München im Spind eines mutmaßlichen Rechtsextremisten Flugblätter gesehen zu haben, in denen Köhler als „Märtyrer der Bewegung" glorifiziert worden sein soll. Köhlers Name war zu dem Zeitpunkt der Öffentlichkeit noch nicht bekannt. Außerdem behauptete eine Krankenschwester, sie habe nach dem Attentat in Hannover im Oststadtkrankenhaus einen Patienten mit zerfetztem Unterarm versorgt, der von einer Sprengstoffexplosion sprach und von mutmaßlichen Rechtsextremisten besucht wurde. Polizei-Ermittler hatte am Tatort in München das Fragment einer Hand gefunden und Köhler zugeordnet.

13 Tote und mehr als 200 Verletzte

Köhler ein 21 Jahre alter Geologie-Student, hatte am späten Abend des 26. September 1980 am Haupteingang zur Wiesn eine Bombe gezündet. Bei der Explosion starben 13 Menschen, darunter Köhler. Weitere 213 Besucherinnen und Besucher erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Anschlag schockte die Bundesrepublik, kein anderer rechtsterroristischer Angriff hat seit 1945 in Deutschland mehr Opfer gefordert.

Der Verdacht, Köhler sei von Neonazis unterstützt worden oder habe zumindest mit deren Wissen den Anschlag verübt, hält sich bis heute. Köhler war Ende der 1970er-Jahre bei der „Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG)“ aktiv, die sich mit Nazigegnern prügelte und in bayerischen Wäldern paramilitärische Übungen abhielt. Die Uniformen ähnelten denen der Waffen-SS. Acht Monate vor dem Anschlag auf das Oktoberfest hatte der damalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) die WSG verboten.

Bei den Ermittlungen zu dem Attentat gingen die Bundesanwaltschaft und die Soko „Theresienwiese“ des bayerischen Landeskriminalamts auch 1980 schon Hinweisen nach, Köhler sei nicht alleine zum Tatort gekommen. Doch es reichte nicht. Im November 1982 stellte der damalige Generalbundesanwalt Kurt Rebmann das Verfahren ein, Köhler galt als mutmaßlicher Einzeltäter. Hartnäckige Recherchen des Anwalts Werner Dietrich, der Opfer des Anschlags vertritt, und des Journalisten Ulrich Chaussy vom Bayerischen Rundfunk hielten jedoch die Zweifel an der Einzeltäterthese wach.

Als Dietrich im Herbst 2014 der Bundesanwaltschaft die Zeugin präsentierte, die am Tag nach dem Attentat das Flugblatt zum angeblichen „Märtyrer“ Gundolf Köhler gesehen haben wollte, entschloss sich Ende des Jahres der damalige Generalbundesanwalt Harald Range, das Verfahren wieder aufzurollen. Mit den Ermittlungen wurde wieder das bayerische LKA beauftragt, es bildete die Soko „26. September“. Im Februar 2015 kam die Aussage der Krankenschwester aus Hannover hinzu und schien den Verdacht auf Hintermänner des Attentats zu bestärken.

Die Ermittlungen waren enorm aufwändig. Bundesanwaltschaft und Soko führten mehr als 1000 Vernehmungen und untersuchten 770 Spuren mit 1081 „Unterspuren“. Landeskriminalämter, Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und weitere Behörden lieferten Akten im Umfang von mehr als 300 000 Seiten. Die Bundesanwaltschaft betont, keine Behörde habe „gemauert“. Die Bundesregierung hatte im Februar 2015 eine Anfrage der Linksfraktion zu V-Leuten und der Vernichtung von Akten im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Oktoberfest nur teilweise beantwortete – zum Schutz von „geheimhaltungsbedürftigen Informationen“. Würden sie bekannt, könnten das Wohl des Bundes oder eines Landes gefährdet sein. Das von Linken und Grünen angerufene Bundesverfassungsgericht hielt das Frage- und Informationsrecht der Abgeordneten für punktuell verletzt. 

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