logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Germany

Europa-Dialog im ZDF - Wut-Duell um AfD-Chef Meuthen

Endspurt der Kontinentalwahlkämpfer: In „Wie geht’s, Europa?“ (ZDF) stoßen die Spitzenkandidaten auf eine kritische Masse von 150 Wahlberechtigten.

Das Zoff-O-Meter ist scharf gestellt!

Die Kandidaten

Die Moderatoren

Größter Fehler

Der ZDF-Plan ist: Erst eine Stunde Breyer-Report, dann Fragen an die Kandidaten, angeschärft durch drei spezielle Rededuelle, und das alles mit Zeitlimit für jeden einzelnen.

Manfred Weber (CSU), Spitzenkandidat der EVP für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Vor Beginn der Sendung  
Manfred Weber (CSU), Spitzenkandidat der EVP für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, vor Beginn der Sendung in Berlin

 Foto: Gregor Fischer / dpa

Das geht prompt in die Hose: Niemand hält sich an die Vorgaben, und statt der erhofften Streitgespräche gibt es Monologe bis zum Abwinken, getreu dem Motto: Wer sich an die Regeln hält, ist selber schuld.

Menetekel des Abends

Eine Rentnerin sieht wegen der Nullzinspolitik die Ersparnisse schwinden und die Altersarmut nahen. Weber will sie beruhigen: „Die Zinswende muss in den nächsten Jahren kommen!“

 Das reicht aber nicht gegen einen Haudrauf wie Meuthen: „Herrn Webers Märchenstunde!“ schimpft der AfD-Boss. „Wir stehen am Vorabend einer riesigen Wirtschaftskrise, die Europa in den nächsten 18 Monaten erreichen wird! Die Südeuropäer werden gnadenlos in die Rezession rauschen!“

Mutigste Antwort

Die ersten Zuschauerreihen sind von „Fridays for Future“-Aktivisten besetzt. Sie machen ordentlich Druck und wollen sofort alle Kohlekraftwerke abschalten.

Weber lobt ihr Engagement, hält aber knallhart dagegen: „Wir brauchen Innovation! Wir brauchen neue Projekte“, sagt er stattdessen. Soll heißen: Mit dem Holzhammer geht es nicht.

Handzeichen des Abends

Barley steht neben Weber und nutzt die Chance zu einem kleinen Tritt vors Schienbein: Die SPD hätte ja die richtigen Lösungen, aber der böse Koalitionspartner …

 Dann teilt sie auch nach der anderen Seite aus:

Lauteste Buhrufe

Die Moderatorin bittet Grün und Blau zum Direkt-Duell. Giegold spricht den jungen Friday-Futuristen aus der Seele: „Es wird Zeit, ins Handeln zu kommen. Deutschland liegt beim Klimaschutz ganz hinten! Es wäre besser, wenn auch die AfD mitmachen würde!“ Dafür gibt‘s den ersten Applaus.

Auch Meuthen spricht die jungen Leute direkt an: „Ihnen klaut niemand die Zukunft!“ ruft er. Dafür gibt’s Hohngelächter und Gejohle.

Wut-Duell des Abends

„Bedienen Sie sich Ihres Verstandes!“ ruft Meuthen den Lachern erbost zu. „Wir brauchen ökologischen Realismus und keine Klimahysterie! Man erzählt Ihnen, wenn wir in zwölf Jahren nicht aus der Kohle aussteigen, haben Sie keine Zukunft. Das ist reine Narretei!“

Giegold eilt seinen Sympathisanten zu Hilfe: „Gut, dass die Zukunft des Kontinents nicht in Ihren Händen liegt!“ sagt er zu dem AfD-Mann und bekommt prompt noch mal Beifall.

Härteste Attacke

Meuthen drückt die Knie durch: „Wir können nicht von Deutschland aus mit zwei Prozent des Energieverbrauchs irgendetwas lösen“, sagt er. „Währenddessen haben nämlich die Chinesen und die Inder 3700 Kohlekraftwerke in Betrieb!“

Der Grüne kontert mit einem Überraschungscoup: „Sie haben, und das will ich Ihnen auch persönlich sagen, bei den verdeckten Parteispenden genauso viel Dreck am Stecken wie die FPÖ!“

Irrer Zettelkrieg

„Ach hören Sie doch mit dem Mist auf!“ ruft Meuthen empört.

„Das ist wahr!“ beharrt Giegold und hebt ein Blatt Papier in die Höhe. „Schauen Sie! Das haben Sie selbst unterschrieben! Sie sollten zurücktreten, wenn Ihre Partei verdeckte Wahlkampffinanzierung macht!“

Katarina Barley (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz und Spitzenkandidatin für die Europawahl, vor der Sendung in Berlin
Katarina Barley (SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz und Spitzenkandidatin für die Europawahl, vor der Sendung in BerlinFoto: Gregor Fischer / dpa

„Hat mit dem Thema nichts zu tun!“ blafft ihn Meuthen an und sucht nach Argumenten. „Ich habe fünf Kinder!“ fällt ihm schließlich ein. „Wie viele Kinder haben Sie? Sie machen sich völlig lächerlich! Haben wir das Thema Klima oder haben wir das Thema Giegolds Show?“

Fetzigster Wortwechsel

Das Zoff-O-Meter dreht auf Hochtouren, und die jungen Leute im Publikum grinsen: Diese Politiker! Das geht ja gut ab!

„Ich habe auch noch was Schönes“ sagt Meuthen, zieht seinerseits ein Papier aus der Jackentasche und hält es dem Grünen unter die Nase. Die Zuschauer fangen wieder an zu lachen.

„Das ist die Antifa-Flagge“, erklärt der AfD-Mann streng. „Das ist eine Terrororganisation!“

Giegold beugt sich suchend vor: „Da bin ich nicht drauf!“

„Da sind Sie nicht drauf, aber Ska Keller, Ihre Kollegin, ist da drauf!“ wütet Meuthen. „Das ist eine Terrororganisation, die Sie im Europäischen Parlament unterstützen!“

Notbremse des Abends

Moderatorin Schausten hat den Streit schon viel zu lange laufen lassen: „So, dann sagen wir mal hier: Jeder packt seine Zettel wieder ein“, befiehlt sie mit ihrem ganzen Dompteusenmut und leitet die Diskussion in ruhigere Gewässer: „Jetzt haben wir ein bisschen Stimmung in der Bude gehabt …“

Co-Moderator Breyer kratzt sich bei der Kollegin schnell ein bisschen ein: „Das war doch jetzt ein richtiges Duell“, freut sich der gelernte Sportreporter. „Ich würde sagen: klarer Punktsieg für die Ringrichterin, nämlich Bettina Schausten!“

Dramatischster Appell

Endlich kommen auch die anderen wieder zu Wort. Zur Flüchtlingskrise sagt Barley: „Wer hier Straftaten begeht, muss unser Land verlassen.“ Weber macht einmal mehr klar: „Der Staat entscheidet, wer nach Europa kommt, und nicht die Schlepperbanden!“

Ein Medizinstudent und Seenotretter schildert das grausame Sterben auf dem Mittelmeer, fordert Hilfe und klagt die Politik an: „Wer garantiert mir, dass ich beim nächsten Einsatz nicht wieder von der libyschen Küstenwache beschossen werde?“

Interessantester Vorschlag

Weber will die Seenotrettung verbessern, es dürfe aber „keinen Freifahrtschein nach Europa“ geben.

 FDP-Beer fordert ein Einwanderungsgesetz mit einem Punktesystem. Barley schlägt vor, die Verteilung der Flüchtlinge in Europa nicht über die Regierungen, sondern regional über Städte und Gemeinden zu organisieren: Die Kommunen in Polen und anderswo sollen dafür von der EU Geld bekommen, „damit sie auch was davon haben.“

Zitat des Abends

„Europa muss endlich erwachsen werden, in der Außenpolitik und in der Verteidigungspolitik!“ (Weber)

Fazit

Harmonie wird überbewertet!

Grün und Blau haben sich’s mal wieder so richtig gegeben. Übergriffiger Talk-Hooliganismus mit schweren Wutstörungen. Das war ein Polit-Gipfel der Kategorie „Stakkato-Chaos“.

All rights and copyright belongs to author:
Themes
ICO