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Bundesvorsitzender kündigt „Pain“ an: Wann wird die Inflation unterdrückt?

Die Eurozone leidet unter hoher Inflation. EZB-Chefin Christine Lagarde rechnet selten damit, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Die Europäische Zentralbank könnte im Juli die Zinsen erhöhen.

Die Ära niedriger Zinsen und niedriger Inflation nähert sich ihrem Ende und wird voraussichtlich nicht auf unbestimmte Zeit zurückkehren. Zwei Personen sind sich einig, dass die Bewertung dieses Themas nicht ganz wichtig ist. Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, und Jerome Powell, Chef der US-Notenbank.

Der Corona-Ausbruch in der Ukraine und der Angriffskrieg in Russland haben die Welt für immer verändert, hieß es auf dem geldpolitischen Symposium der EZB im portugiesischen Sintra. „Ich glaube nicht, dass wir wieder in ein Umfeld niedriger Inflation zurückkehren werden“, sagte Lagarde.

Lange klang es anders. Die EZB erwartet aus naheliegenden Gründen mittelfristig wieder einen deutlichen Rückgang der Inflation. Während der Pandemie störte die Blockade von Corona die internationale Lieferkette, was zu Lieferengpässen und damit zu höheren Preisen führte. Die Annahme war, dass die Lieferkette wieder gerade sein würde. Zudem werden die Energiepreise zum Ende der Heizsaison wieder sinken.

Aber nichts geschah. Die Null-COVID-Politik der chinesischen Führung mit einer strikten Blockade stört weiterhin die Lieferkette. Dazu beigetragen haben auch Streiks, die die Abfertigung von Container- und Frachtschiffen in großen Häfen der Nordsee vorübergehend lahmlegen. Zudem hat der Angriff auf die Ukraine Öl und Gas deutlich teurer gemacht.

EZB erhöht Zinsen

Vor diesem Hintergrund hat sich die Inflation eigentlich eingependelt. In den USA erreichte sie im Mai mit 8,6 % den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren. In der Eurozone stiegen die Preise um 8,1 %. An diesem Punkt sieht es so aus, als ob etwas Schwung verloren gegangen ist. Allerdings wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Inflation bei rund 2 % wieder in den grünen Bereich zurückkehrt.

Und das wird auch weitere Zinserhöhungen erfordern. Die EZB sieht sich nach langem Zögern gezwungen, die Zinsen anzuheben. Es gilt als natürliche Schlussfolgerung, im Juli die Nulllinie zu verlassen. Im September – so der aktuelle Plan – wird eine zweite Zinserhöhung fortgesetzt. Die Federal Reserve geht bereits einen Schritt weiter: In den USA liegen die Zinsen zwischen 1,5 und 1,75 Prozent.

Lagardes Warnung vor einer Überschätzung des unerwarteten Inflationsrückgangs in Deutschland im Juni zeigt, wie sehr sich die Bewertung der EZB geändert hat. Unterdessen hat Fed-Chef Powell versprochen, die Zinsen so oft und schnell wie nötig anzuheben, um die Inflation einzudämmen. Es wird sogar eine Rezession verursachen, um dieses Ziel zu erreichen. „Dieser Prozess wird wahrscheinlich einige Schmerzen verursachen, aber wenn wir (…) eine hohe Inflation etablieren, wird es am schmerzhaftesten sein“, sagte Powell.

Allerdings hat sich das Umfeld der Zentralbanken langfristig verändert. Beispielsweise zeigen Pandemien und russische Angriffe, wie anfällig die Lieferkette ist. Angesichts von Exportverboten, Blockaden und Sanktionen versuchen viele Unternehmen, ihre Just-in-Time-Lieferketten zu verkürzen, sicherer zu machen und ihre Lagerbestände zu erhöhen. Das verteuert die Produktion zusätzlich.

"Ändere deine Meinung"

Lagarde und Powell gingen noch einen Schritt weiter und warnten davor, dass die globalisierte Welt in konkurrierende Handelsblöcke spalten könnte. Ergebnis: Unterbrechung der Lieferkette, erhöhte Kosten, verringerte Produktivität. Laut Lagarde müssen Unternehmen künftig andere Faktoren in ihre Berechnungen einbeziehen. Bei der Wahl von Lieferant und Werksstandort kommt es auch darauf an, wo dieser steht, also „Freund oder Feind“.

"Wir müssen uns jetzt mit neuen Situationen auseinandersetzen und anders über die Geldpolitik nachdenken", sagte Powell. Künftig wird es noch schwieriger abzuschätzen, wie sich die Inflation entwickeln wird. „Wir verstehen jetzt besser, dass wir sehr wenig über Inflation wissen.“