Germany

Freud, Laumann und die SPD

Freud hätte der SPD wohl eine narzisstische Kränkung attestiert. Immer wieder wird der Partei in NRW vorgeführt, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung in ihrem Fall schmerzhaft divergieren. Dazu muss sie nur in einen Spiegel namens Karl-Josef Laumann schauen. Der Arbeitsminister reflektiert der SPD, wie eigentlich doch sie als klassische Partei der Arbeiter auftreten müsste. Und nicht er, der Christdemokrat.

Der gelernte Schlosser ist einer der wenigen Nichtakademiker in einem Regierungsamt. Er imponiert mit kernigem Einfache-Leute-Deutsch. Und besetzt sozialkämpferische Positionen. Insbesondere seit Sommer empfiehlt er sich als wahrer Streiter fürs Arbeiterrecht. Da legte er sich mit dem Fleischproduzenten Tönnies an. Und attackierte dessen System aus Leiharbeit und Werkverträgen. Herzerweichend beschrieb Laumann die Not der Leiharbeiter. Auch schwor er, von Lobbyisten der Fleischindustrie werde er sich „nicht mehr auf dem Kopf rumtanzen lassen“. Arme SPD. Einen Schlosser, der mit saftigem Lutherdeutsch bezaubert – den hat sie nicht mehr. Schlimmer noch, Laumann erinnert die NRW-SPD daran, was sie in ihrer Regierungszeit unterließ: sich die Verhältnisse in der Fleischindustrie ernsthaft vorzuknöpfen.

Es kam daher einer Erlösung hiesiger Sozialdemokraten gleich, als die CDU-Bundestagsfraktion Laumann jüngst in den Rücken fiel. Sie weigerte sich, wie es die SPD und bis dahin auch Laumann gefordert hatten, Leiharbeit und Werkverträge restlos abzuschaffen. Plötzlich stand Laumann als nicht mehr ganz so strahlender Held der Werktätigen da. Denn er stellte sich hinter den Vorstoß seiner Partei im Bund. Aus Parteiloyalität. Diesen Augenblick zelebrierte die SPD-Fraktion sogleich. Am Mittwoch schimpfte sie, Laumann knicke vor der Fleischlobby ein. Er lasse sich von Lobbyisten eben doch auf dem Kopf herumtanzen.

Am Freitag jedoch fielen Bundespolitiker erneut ihrem NRW-Kollegen in den Rücken. Diesmal waren es die Sozis im Bund, die ihre Parteifreunde in NRW quälten. Die Koalition in Berlin einigte sich, die Leiharbeit, wie von der CDU-Bundestagsfraktion gefordert, nur weitgehend, nicht restlos abzuschaffen. Die Genossen im Bund lobten diesen Kompromiss dennoch: Der „Widerstand der Lobbyisten“ sei „gebrochen“. Auf dem Arbeitsmarkt würden nun „Recht und Ordnung geschaffen“. Laumann ist damit als Stachel im Fleisch der NRW-Genossen rehabilitiert. Wenn selbst die SPD im Bund seine Position so lobt, kann sie ja kaum einen Verrat an der Arbeiterklasse bedeuten. Vielleicht sollten Sozis aus Berlin vorerst aber Parteifreunde aus NRW meiden. Narzisstisch gestörte Menschen neigen laut Freud zum Brudermord.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

Quelle: Welt am Sonntag

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