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Fußball: Landespokal – Top-Ding oder Unsinn?

„Pokal ist total für’n Arsch.“ Heinz Dahms, Trainer vom Fußball-Landesligisten TSV Friedland 1814, wählt deutliche Worte, wenn das Gespräch auf dieses Thema kommt. Der Siedenbollentiner Coach Mathias Weylo urteilt weniger drastisch, kann beim Landescup-Wettbewerb freilich auch „nicht den Riesenreiz“ erkennen: „Für uns steht klar die Landesliga im Fokus.“ Daniel Nawotke, Verbandsliga-Kicker und Koordinator für Großfeld-Teams beim 1. FC Neubrandenburg 04, gewinnt derweil der Pokal-Sache Positives ab: „Da haben wir Bock darauf. Es gibt interessante Spiele, mit ein bisschen Losglück kann man schnell weit kommen. Und Prämien steigern die Attraktivität.“

Spötter äußern gern, unter den sprichwörtlich „eigenen Gesetzen“, die man jedem Pokal-Wettbewerb nachsage, habe Mecklenburg-Vorpommern ein spezielles: Am Ende gewinnt immer der FC Hansa Rostock. Was nicht völlig falsch ist – in den vergangenen sechs MV-Cup-Auflagen jedenfalls holten die Drittliga-Herren von der Küste, die einzigen Berufsfußballer im Bundesland also, jeweils den „Pott“ und zogen auf diese Weise ins gewinnbringende nationale DFB-Pokal-Business ein.

„Landesklasse sollte eigenen Pokal haben“

„Der Sieger steht vorher fest. Schon deshalb ist der Wettbewerb ein Witz, ein schlechter“, äußert Marko Pielsch, Trainer der (fünf Spielklassen tieferen) Elf vom SV Nordbräu 78 Neubrandenburg. Der 43-Jährige kann nichts Erbauliches am derzeit praktizierten Pokal-Szenario finden: „Für die Kleinen ist das nichts. Gut wäre, wenn wir Landesklasse-Mannschaften einen eigenen Pokal hätten.“ Den gab’s schon mal, sogar in zwei Gruppen – und der SV Nordbräu war im Mai 2017 der letzte Gewinner im MV-Osten.

„Großer Aufwand, viele Ausgaben – für nix“

Friedland-Mann Dahms: „Der Landespokal-Wettbewerb in seiner jetzigen Form ist Blödsinn. Braucht keine Mannschaft, zumindest in den unteren Spielklassen. Wer Pech hat wie wir in dieser Saison, muss auch noch auswärts ran und verliert gleich. Großer Aufwand, ein Haufen Ausgaben – für nix.“ Im vorigen Spieljahr hatten die TSVler schlichtweg vergessen, sich dafür anzumelden. „Darüber konnten wir uns im Nachhinein gar nicht böse sein.“

Die Teilnahme ist in der Tat freiwillig. Für die laufende Konkurrenz hatten 102 Mannschaften ihre Startzusage gegeben. Ergo: Rund 20 ließen das lieber sein. „Das werden in den nächsten Jahren noch mehr“, sieht Heinz Dahms voraus.

Schon im Achtelfinale mit Hansa Rostock zu tun

Daniel Nawotke hat einen anderen Blick auf die Dinge – naturgemäß, weil Verbandsligisten wie die Neubrandenburger für gewöhnlich mehr K.-o.-Runden überstehen. Und: „Ich denke, es ist doch auch für die Kleinen spannend, gegen Mannschaften aus höheren Ligen anzutreten.“ Dass es die FCN-Truppe im aktuellen Pokal-Kampf nun schon im Achtelfinale mit FC Hansa zu tun bekomme, sei allerdings Schicksal, um nicht zu sagen, „echt Scheiße. Da muss man schon auf einen miesen Tag von Hansa hoffen“. Der 2. April 2014 war so einer – seinerzeit gelang den Vier-Tore-Städtern im Ostseestadion ein sensationeller 2:1-Halbfinalsieg. Vier Wochen darauf holten sie sich den „Pott“.

Weg zu den Geldtöpfen für andere MV-Kicker blockiert

Seither macht freilich der FC Hansa das MV-Cup-Rennen, ausnahmslos. Die Crux: Als Drittligist muss man unter die besten vier in der Punkte-Runde kommen, ansonsten ist die Qualifikation für das lukrative DFB-Pokal-Geschäft nur über den Cup-Erfolg im eigenen Bundesland möglich. Heißt: Weil sich die Rostocker in den letzten Jahren in ihrer Spielklasse eher durchwachsen platzierten, blockierten sie quasi für andere MV-Kicker den Weg zu den Geldtöpfen. Andernfalls hätte es etwa bei der TSG Neustrelitz (2015) und beim Torgelower FC Greif (2019, 2020) allein für ihren Final-Einzug ordentliche „Zahltage“ gegeben.

Auch im Landescup-Wettbewerb gibt es bereits Prämien. Der Sieger kriegt 75 Prozent einer Summe, die weiteren 25 Prozent werden auf den Finalisten sowie die Halb-, Viertel- und Achtelfinalisten je nach Abschneiden aufgeteilt. Rückwirkend für 2018/2019 wurde ein Gesamtbetrag von rund 175500 Euro ausgeschüttet. Corona-bedingt war die Summe für die vergangene MV-Cup-Saison geringer – 137000 Euro. Laut Landesfußballverband erhielten beispielsweise der Penzliner SV und der 1. FC Neubrandenburg 04, die das Viertelfinale erreicht hatten, je 1712,50 Euro.

Drittligist forderte seine Hälfte ein

Die Zuschauer-Einnahmen bei Landespokal-Partien werden zwischen den Kontrahenten geteilt, halbe-halbe. So lautet die Regel. Bei David/Goliath-Konstellationen ist es gute Sitte, dass der favorisierte Gast dem unterklassigen Hausherrn seine Geldsumme überlässt. Jürgen Fistler, seit Langem Vereinschef des Faulenroster SV, berichtet: „Unsere Landesklasse-Mannschaft hat hier im September gegen den FCN gespielt. Mit dessen Präsident Torsten Hanke habe ich mich am Rande gut unterhalten, und er sagte: Okay, es wird nicht geteilt, wir schenken euch das.“ Ähnlich sei es zuvor mit Verbandsligist Güstrower SC gelaufen. „Natürlich haben wir ihnen auch was zu essen und zu trinken hingestellt.“

Erstaunliches erfährt, wer sich dazu unter den Vereinen im Fußball-Land umhört. Dem Vernehmen nach scherte einer von den Großen in der Vergangenheit aus. Es soll vorgekommen sein, das der seine Einnahmen-Hälfte auf Heller und Pfennig eingefordert hat. Um welchen Verein es sich handelt? – Um den FC Hansa Rostock.

Spannende Kombinationen

Das Achtelfinale im Landespokal-Wettbewerb 2020/2021 hält neben dem Kick des 1. FCN 04 gegen Hansa weitere Partien mit Teams aus unserer Region bereit: Die beiden hiesigen Oberligisten TSG Neustrelitz und Torgelower FC Greif treffen aufeinander. Der Malchower SV 90 muss beim Verbandsliga-Kollegen FC Schönberg ran.

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