Zweiter Prozesstag um das „Horror-Haus von Spandau“. Auf der Anklagebank sitzt Abdulkadir O. (37), genannt „Tyson-Ali“. Er soll Nachbarn drangsaliert und mit Eiern geworfen haben. Angeklagt sind Nachstellung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und Nötigung.

Hildegard J. (60) bringt als Zeugin prominenten Rechtsbeistand mit: Dr. Gregor Gysi (72). Die Sekretärin ist aufgeregt. Blättert hektisch in Papieren. Gysi sitzt für die Linke im Bundestag. Jetzt sitzt er neben der Spandauerin und beruhigt sie lächelnd. 

Der Angeklagte sieht aus wie ein braver Biedermann: kleinkariertes Hemd, grauer Strickpollunder. Dass er auch anders kann, sollen Videoaufnahmen beweisen.

Remmo-Freund Abdulkadir O. (37) soll Mieter im Haus systematisch drangsaliert haben (Foto: Olaf Wagner)
Remmo-Freund Abdulkadir O. (37), hier beim Prozessauftakt, soll Mieter im Haus systematisch drangsaliert haben (Foto: Olaf Wagner)

Sie zeigen einen schwarz maskierten Kapuzenmann beim Eier-Weitwurf vom Erdgeschoss-Balkon. Eier seien regelmäßig auf ihrem Balkon im 1. Stock und an ihren Fenstern zerborsten, sagt die Sekretärin. Es gab auch Gläser mit Marmelade und Ketschup. Alles fotografiert. „Ich habe über 100 Seiten Vorfälle aufgelistet“, sagt sie. Kratzer am Auto. Zerstochene Reifen. Stinkender Müll im Hausflur. Essen-Lieferungen, die von ihr nie bestellt wurden.

Und immer wieder Eier: „Von November 2018 bis April 2019 landeten 27 Mal Eier auf meinem Balkon“, sagt sie. Der Schaden gehe in die Tausende. Einmal habe sie einen Quarkbecher zurück geworfen: „Prompt wurde ich im Internet als Rassist beschimpft.“ Das weist sie weit von sich: „Wir haben acht Nationalitäten im Haus, alle total nett.“ Bis auf den Angeklagten.

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Der äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Geboren in Bochum. Staatsbürgerschaft ungeklärt. Lebt angeblich von Sozialhilfe. Fährt angeblich Mercedes. Die Wohnung soll eine Strohfrau 2014 für den berüchtigten Remmo-Clan gekauft haben (Goldmünzen-Diebstahl, Juwelenraub im Grünen Gewölbe). Eine von 77 Immobilien, die 2017 beschlagnahmt wurden, weil das Geld aus Straftaten stammen und so gewaschen worden sein soll.

„Laut Grundbuchamt erfolgte die Beschlagnahme der Wohnung am 12. Juni 2017“, sagt die Sekretärin. „2018 ging der Vandalismus richtig los“, sagt ihr Sohn Janis (32, Student): „Ich wusste nicht, wo ich da reingeraten war, als wir einzogen. Er breitete sich auf unserem Parkplatz aus. Er wirkte, als würde er Besitzansprüche auch gewaltsam durchsetzen. Ich hatte Angst um die Ente.“

Weiter 2. Dezember. Urteil (geplant) 9. Dezember.