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Germany

Große Jesus-Show in Witzenhausen

„Herzliche Grüße nach Kroatien – schön, dass ihr mit dabei seid.“ Die Worte Steffen Kerns, Moderator von Pro Christ Live, dringen aus den Lautsprechern in der Witzenhäuser Christuskirche. Dort sitzen die Mitglieder der Baptistengemeinde, auf Sofas und Stühlen – wie in einem Jugendzentrum. Auf dem Boden beiger Teppich, auf den Tischen Karaffen mit Wasser und kleine Blumengestecke.

An eine Kirche erinnern das große Kreuz an der Wand, ein weiteres, das vor den Kirchenfenstern steht, die Plakate mit Bibelversen und die Stille. Regungslos verfolgen sie hier die Veranstaltung, die aus der Leipziger Kongresshalle nach Witzenhausen sowie andere Gemeinden in Deutschland und wohl auch in Kroatien übertragen wird. Eine Woche lang, jeden Abend.

Welten des Glaubens

Pro Christ Live bedeutet, dass in einem Einspieler das Glaubensbekenntnis aufgesagt wird, von Streichern unterlegt. Es bedeutet, dass der Liedermacher Andi Weiss euphorisch davon singt, dass alles wieder gut wird und dass ein Ex-Islamist namens Yassir Eric, der aus dem Nordsudan stammt, davon spricht, wie er zum Christentum gefunden hat. Hinter ihm, auf einer großen Leinwand, eine Wüstenlandschaft – wahrscheinlich, weil es im Nordsudan so aussieht. Pro Christ Live – das bedeutet Klischee und Pathos.

In Witzenhausen aber bleibt es still, auch nach der Übertragung. Nur die christliche Pop-Musik vom Band ist zu hören und das Murmeln derer, die nacheinander gemeinsam mit Karsten Ludolph und Anna Hoogendam beten. Zu dritt stehen sie da, einander zugewandt, die Köpfe gesenkt und die Augen geschlossen.

Karsten Ludolph wählt seine Worte besonnen. Wenn er spricht, hält er seine Hände vor dem Bauch, die Fingerspitzen aneinander. Mit der Teilnahme an der Themenwoche wolle er „den Menschen den Glauben näherbringen“. An dem Kreuz, das aus Ästen zusammengesetzt vor den Fenstern steht, befestigen vereinzelt Mitglieder der Gemeinde rote Bändchen. „So lässt sich symbolisch die Beziehung mit Jesus neu festmachen“, sagt der 50-Jährige, der einer der Gemeindeleiter ist.

Vor einem Fenster sind ein paar Backsteine gestapelt. In diese sogenannte Klagemauer können die Menschen ihre auf Zettel geschriebenen Sorgen stecken, sie „an Jesus abgeben“, wie Ludolph sagt.

Anna Hoogendam spricht von Jesus wie von einem Menschen. „Wenn ich viel Zeit mit ihm verbringe, wird auch die Beziehung enger“, sagt sie. Dank dieser sei sie weniger abhängig von der Liebe anderer, sie bewirke, „dass man seinen Liebestank nicht an anderen füllen muss“.

Wenn die 23-Jährige so spricht, freundlich lächelnd, etwas schüchtern, dann wirkt das, was derzeit in Leipzig passiert, diese große Jesus-Show, noch weiter weg, als sie sowieso schon ist. Eine solche Veranstaltung sei vielleicht die falsche Form, um Menschen für das alles zu begeistern, sagt sie. Von den 18, die an diesem Abend da waren, seien zwei nicht aus der Gemeinde gewesen.

Pro Christ Live, bis Samstag, 17. März, Christuskirche. Beginn jeweils um 19.30 Uhr.

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