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Heimat ist ein Grundrecht

Am Mittwoch, dem 5. August, veranstaltete der Kreisverband Main-Taunus des Bundes der Vertriebenen (BdV) vormittags in Flörsheim und am Nachmittag auf dem Alten Friedhof eine kleine Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Verkündung der Charta der Heimatvertriebenen. Foto: Jürgen Kunert

Am Mittwoch, dem 5. August, veranstaltete der Kreisverband Main-Taunus des Bundes der Vertriebenen (BdV) vormittags in Flörsheim und am Nachmittag auf dem Alten Friedhof eine kleine Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Verkündung der Charta der Heimatvertriebenen. (Foto: Jürgen Kunert)

HOCHHEIM - Am Kreuz der Heimatvertriebenen auf dem Alten Friedhof versammelten sich am Mittwoch in Hochheim Mitglieder des Bundes der Vertriebenen (BdV) Main-Taunus, um im Rahmen einer Feierstunde der Unterzeichnung der Charta der Heimatvertriebenen vor 70 Jahren zu gedenken. Neben BdV-Mitgliedern nahmen für den Kreis der Kreistagsvorsitzende Wolfgang Männer und für die Stadt Hochheim, Bürger- und Vereinsreferent Klaus-Dieter Jung teil.

BdV-Kreisvorsitzende Wenzel Woller begrüßte die Anwesenden und freute sich, dass trotz der Corona-Einschränkungen diese Veranstaltung stattfinden könne. Anders als der Tag der Heimat und andere Termine im sonst üblichen Veranstaltungskalender des BdV Main-Taunus.

Woller erinnerte in seiner kurzen Ansprache an das leidvolle Schicksal der zwölf Millionen deutschsprachigen Vertriebenen, von denen zwei Millionen auf der Flucht verstarben. In Deutschland angekommen kamen viele zunächst in Lagern unter in recht beengten Verhältnissen. Nicht wenige hegten die Hoffnung, nach gewisser Zeit in die Heimat zurückkehren zu können.

70 JAHRE CHARTA DER HEIMATVERTRIEBENEN
Auszüge aus der Charta der Heimatvertriebenen, die am 5. August 1950 in Stuttgart feierlich verkündet wurde.

1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluss ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat.

2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.

3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas.

Wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten.

Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen, zu verlangen, dass das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird. (...)

Wir rufen Völker und Menschen auf, die guten Willens sind, Hand anzulegen ans Werk, damit aus Schuld, Unglück, Leid, Armut und Elend für uns alle der Weg in eine bessere Zukunft gefunden wird.

Günther Chwalek, 2. Vorsitzender des BdV-Kreisverbands erinnerte an die gewaltsame Vertreibung und Enteignung aus der Heimat. Es traf vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen, da die Männer als Soldaten nicht bei ihren Familien waren. Die gewaltsame Vertreibung war „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Vor diesem Hintergrund sei die nur fünf Jahre nach dem Ende des Krieges beschlossene Charta der Heimatvertriebenen ein kollektives „Handausstrecken zur Versöhnung“, ein Verzicht auf Rache und Vergeltung, die Forderung auf ein Recht auf Heimat und der Gedanke an ein geeintes Europa, in denen alle Menschen in Frieden zusammenleben können. Das war sehr vorausschauend, wie Klaus-Dieter Jung in seinem Grußwort betonte. Der Bürger- und Vereinsreferent erinnerte an die tatkräftige und produktive Mitwirkung der Heimatvertriebenen am Aufbau der Bundesrepublik. Schließlich hätten sich diese Menschen hier eine neue Heimat aufgebaut und sich integriert.

Um so wichtiger ist dieser Gedenktag. Als Zeugnisse einer langsam zu verblassen drohenden Vergangenheit gehöre die Geschichte der Vertreibung sowie die Charta der Heimatvertriebenen aufgenommen in alle Schulbücher und zum Unterrichtsgegenstand erhoben, forderte Günther Chwalek.

Dass es auch in Zeiten der Europäischen Union im Rahmen der Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung noch offene Fragen zu klären sind, machten die Grußworte von Hagen Novotny vom BdV-Landesverband Hessen und des Kreistagsvorsitzenden Wolfgang Männer deutlich. Die Beneŝ-Dekrete gelten als Startschuss für die Vertreibung und Enteignung der damals auf dem Gebiet des heutigen Tschechien lebenden deutschen und ungarischen Bevölkerung. Sie sind nach wie vor Teil der tschechischen Rechtsordnung. Bis heute trübt dies die guten deutsch-tschechischen Beziehungen. In Zeiten eines demokratischen Europas im Rahmen der Europäischen Union dürfte es für solche Erlasse keinen Platz mehr geben.

In den letzten Jahren hat sich auf dem Gebiet der Versöhnung und des Aufarbeitens der eigenen tschechischen Geschichte gerade in der nach dem Krieg geborenen Generation einiges bewegt; insbesondere auf kommunaler Ebene.

Abschließend sei als positives Beispiel das Kulturfestival „Meeting Brno“ (Brünn, Südmähren) genannt, dessen wichtiger Bestandteil der „Versöhnungsmarsch“ ist. In der Ankündigung heißt es: „Schon zum vierzehnten Mal machen wir uns auf den Weg der mehr als 20.000 Brünner, die vor 75 Jahren zur österreichischen Grenze getrieben wurden. Während arbeitsfähige Männer Zwangsarbeit leisten mussten, wurden Frauen, Kinder und Alte in einem langen Fußmarsch vertrieben. Mindestens 1700 von ihnen erlagen den Qualen des Marsches. Seit 2015 drehen wir diesen historischen Marsch symbolisch um, wir gehen von dem Massengrab in Pohrlitz in den Augustinergarten in Alt-Brünn zurück. Vor vier Jahren verabschiedete der Brünner Stadtrat anlässlich des Versöhnungsmarsches eine Deklaration zur Versöhnung und gemeinsamen Zukunft, die ein historischer Meilenstein im Prozess der Auseinandersetzung der tschechischen Gesellschaft mit diesem Kapitel ihrer Geschichte wurde. Auch der diesjährige Versöhnungsmarsch wird ein besonderes Erlebnis sowie eine Möglichkeit zu unwiederholbaren Begegnungen sein. An dieser Veranstaltung beteiligen sich Dutzende Zeitzeugen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der Tschechischen Republik, aus Österreich und Deutschland. Die auf dem Gebiet der deutsch-tschechischen und österreichisch-tschechischen Beziehungen arbeitenden Organisationen präsentieren sich mit Ständen und bieten ein Begleitprogramm an“ (www.meetingbrno.cz).

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