Berlin – Dank Whatsapp und sozialer Netzwerke verbreiten sich Nachrichten, Bilder und Videos so schnell und so weit wie nie zuvor. Doch leider wird auch viel zu viel Schund geteilt...

Derzeit kursiert ein seltsames Video durch die Weiten des Netzes, das schon tausendfach geteilt wurde. Darauf zu sehen: Eine offenbar aufgegebene Flüchtlingsunterkunft, die abgefilmt wird. Dazu kommentiert der Filmende sinngemäß: „Ich bin hier im ,Asylantenheim‘, guckt mal wie hier Steuergelder rausgeschmissen werden“

Nach wenigen Einstellungen ist schnell klar: Hier handelt es sich um ein rechtes Hetz-Video! Denn die aufgestellten Behauptungen sind ausnahmslos falsch.

BILD weiß: Gedreht wurde es in der ehemaligen Flüchtlings-Unterkunft am Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Es kommt offenbar von jemandem, der der rechten Szene nahe steht und seine Zuschauer mehrfach mit „Jungs“ anredet.

Man sieht viele neue Waschmaschinen. Die Stimme sagt, sie würden wahrscheinlich entsorgt. Hier würde man sehen, wo die Steuergelder hingehen.

► Die 48 Waschmaschinen und Trockner wurden im November 2017 angeschafft, wurden von 900 bis 1024 Bewohnern genutzt. Die Industrie-Maschinen kosteten je Stück 1100 Euro, die Trockner 800. Sie gingen schon Mittwoch in andere Einrichtungen, u.a. zum „Christlichen Jugenddorf (CJD)“.

► Ebenso wird mit Kühlschänken und den 200 Herden (Preis je 160 Euro) verfahren, nur einige wenige defekte Geräte werden entsorgt.

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Einige der 200 Herde waren nicht mehr einsatzfähig

Foto: Privat

Die Stimme redet von Catering-Service, den es gegeben habe, damit es den Leuten gut geht.

► Fakt ist: „Keiner der Bewohner hat dort Catering bekommen“, sagt Sascha Langenbrink, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten. Die Stimme verweist auf Holzfußboden, angeblich „vom Feinsten“.

► Fakt ist: Die Bodenplatten in Tempelhof sind denkmalgeschützt, zu ihrem Schutz wurden Holzbohlen verlegt – auch sie werden nach dem Rückbau möglichst noch an anderen Standorten verwendet.

Die Stimme sagt, ein Spielplatz würde „auch weggekloppt“.

► Fakt ist: Es gab mehrere Spielplätze. Die Geräte wurden schon abmontiert und Bezirken angeboten. Sie gehen nach Marzahn-Hellersdorf.

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Die Holzdielen schützten die historischen Platten, werden weiter verwendet wie die Spielgeräte

Foto: Privat

Langenbach: „Unser Experten-Team prüft vor einer Beräumung in jedem Einzelfall sorgfältig, in welcher Form Ausstattungs-Gegenstände weiter verwendet werden können. Sei es in unseren eigenen Einrichtungen oder bei externen Trägern.“