logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Germany

Ich hänge an der Nadel

Vinyl ist zwar nur ein Nischenmarkt innerhalb der Musikbranche. Aber ein boomender. Schallplatten-Verkäufe generieren inzwischen mehr Umsatz als diejenigen von CDs, das war zuletzt 1986 so.

Mit anderen Worten: Kein physischer Tonträger ist derzeit profitabler. Doch bald könnte es zur Vinyl-Verknappung kommen: Vergangene Woche fiel im kalifornischen Banning die Produktions- und Lagerstätte der Firma Apollo Masters den Flammen zum Opfer. Apollo Masters stellt (beziehungsweise stellte) den Großteil des Lacks und der Schneidstichel her, die Presswerke weltweit zum Erzeugen von Schallplatten-Mastern benötigen. Nun droht ein Engpass, denn das einzige andere Lack-Werk in Japan gilt bereits als überlastet.

Schon heute muss man öfters monatelang auf die zweirillige Ausgabe eines Albums warten, das über Nacht zum Streamen bereitstand. Nun könnte die lacklose Zeit einige Vinyl-Presswerke zum Schließen zwingen.

Das mögen Sie entweder für ein Luxusproblem halten oder achselzuckend „OK Boomer“ seufzen, doch für mich gehört der tägliche Griff zur Schallplatte, das Abstauben der Oberfläche, das Senken des Tonarms, zu den Dingen, die das Leben erst lebenswert machen. Ich hänge an der Nadel. Ist es nicht viel aufregender, eine brandneue oder auch lange nicht mehr gehörte Platte knacksend zum Sprechen zu bringen, als auf dem Smartphone irgendjemandes Spotify-Playlist ablaufen zu lassen?

KULTURSCHOCK DER WOCHE

Themes
ICO