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Iris Berben im ZDF:Die Diva hat noch lange nicht ausgespielt

Diese Frau hat ein Geheimnis, das keines ist. Schließlich erzählt sie es allen frei heraus, auch wenn ihr niemand glaubt. Sie stammt vom dritten Planeten des Systems Alpha Centauri. Gekommen ist sie, um die Erdlinge vor einer Invasion zu warnen. Die aber, doof und lüstern, begnügen sich damit, die überirdisch Schöne anzugaffen. Wer im Jahr 1971 mitten im damals wilden München so in die deutsche Film- und Fernsehwelt eingeschwebt ist, musste wohl einfach zum Superstar werden und damit gewissermaßen suborbital zu den Sternen zurückkehren. Es war das größte Geschenk, das Iris Berben uns Erdlingen machen konnte: nicht plötzlich wieder zu verschwinden wie jenes Astromädchen aus Rudolf Thomes köstlichem Quatschfilm „Supergirl. Das Mädchen von den Sternen“, sondern zu bleiben, fünf Jahrzehnte bereits, und dabei immer besser zu werden.

Iris Berben ist neben Senta Berger die letzte echte Diva aus der goldenen (und ja, auch sexistischen) deutschen Bildschirmära, in der Naivität und Selbstvertrauen aus jugendlichem Überschwang miteinander rauften – was gegen alle Wahrscheinlichkeit zu Filmen von enormer Wucht führte. Dass die Berben in zwei Tagen siebzig Jahre alt wird, ist dagegen irrelevant, weil man auf Alpha Centauri nicht altert. Dennoch wollte das ZDF, wo die Himmlische vom „Erbe der Guldenburgs“ bis zur „Protokollantin“ über Jahrzehnte so hinreißend Hof gehalten hat, ihr zum Geburtstag etwas Besonderes schenken – und da kam man auf einen Stalker.

Man kann sich nun gar nicht genug darüber wundern, dass in „Nicht tot zu kriegen“ endlich einmal (halbwegs) funktioniert, was in Großbritannien seit je das Fundament der Fernsehunterhaltung ist: ungezwungene, spielfreudige Selbstironie, die mit Klischees jongliert und bei aller Nostalgie sogar Raum für wahre und kluge Momente lässt. Zum Meisterwerk reicht es nicht: Schon der Titel wirkt gewollt schnodderig; die Szenen ohne Iris Berben fallen deutlich ab, und beim Finale – die Protagonistin will ein Comeback als Sängerin versuchen – gibt es wieder diese Publikumsekstase zum Fremdschämen: So sehen und rasten nur Statisten aus.

Atmosphärisch aber ist die „Sunday Morning“-Version, bei der die Protagonistin gemeinsam mit den Musikerinnen der Indie-Band Gurr den Nico-Part singt. Gelungen auch die kokette Verschleifung mit Iris Berbens Leben und Karriere. Viele biographische Versatzstücke sind erkennbar, und doch geht die Frechheit vor. So hat die Heldin, die alternde Filmdiva Simone Mankus, einen Sohn (Barnaby Metschurat), der sich wie der Sohn der Darstellerin (Oliver Berben hat den Film produziert) im Regie- und Produktionsfach versucht. Der Film-Filius ist jedoch ein Loser, der es nie aus dem Schatten der Mutter geschafft hat.

Und dann sind da all die Ausschnitte alter Berben-Klassiker wie „Supergirl“ oder „Stehaufmädchen“, die sich die Mankus selbst, aber auch der Stalker ansehen. Dieser letzte wahre Fan nämlich nimmt der leicht derangierten Diva übel, alt geworden zu sein – und damit den Showbusiness-Kontrakt gebrochen, das Leben (vita brevis) über die Kunst (ars longa) gehoben zu haben, was in der Umsetzung so hübsch trashig geraten ist – schwarzhaarige „Barbie“-Puppen (also eher „Berbie-Puppen“) werden malträtiert –, dass man nicht weiß, was daran Horror-Hommage, was Exkurs über den Ruhm und was tatsächlich Handlung sein soll.

Iris Berlin in dem Film „Detektive“ von Rudolf Thome im Jahr 1969

Es war jedenfalls klar, dass für diese Jubilarin kein platter Krimi und kein Biopic in Frage kam, es musste deutlich überdrehter sein. So entstand eine schön naive Halbparabel über das Künstlerleben, die sich vor den Münchner Bohème-Jahren verneigt: „Bodyguard“ trifft „Sunset Boulevard“ trifft „Harold und Maude“ trifft „Zur Sache, Schätzchen“, und das Ganze nach einer derb-poetischen, bereits vor Filmanspielungen berstenden Romanvorlage („Ein Schlag ins Gesicht“) von Franz Dobler, der so etwas ist wie der bewaffnete (Krimi-)Arm der bayerischen Subkultur. Behutsam umgearbeitet hat die Vorlage die mit Dobler und Berben befreundete Regisseurin Nina Grosse höchstselbst.

Mit einer angenehmen Mischung aus Verstocktheit, köchelnder Wut und wachsender Bewunderung spielt Murathan Muslu den attraktiven Personenschützer Robert Fallner. Dieser Antiheld, nach einem tragischen tödlichen Schuss aus dem Polizeidienst ausgeschieden, seiner halbverflossenen Freundin nachtrauernd und selbstredend amateurpsychologisch bewandert („weil Sie eine Rampensau sind“), ist eine mutwillig stereotype Figur.

Natürlich verguckt er sich nach anfänglichen Reibereien in die so prominente wie promiske Kundin („Meine Gäste schlafen immer im Bett“), und spätestens dann darf man die meschugge Stalker-Handlung einfach vergessen. Das eigentliche Geschenk ist die Bühne selbst, auf der Iris Berben noch einmal alle Register ziehen darf. Schließlich macht auch noch Katty Salié ihre Aufwartung, der das Stehauf-Sternen-Supergirl im „aspekte“-Studio ins Mikrofon säuseln darf: „Erfolg ist eine Währung. Wenn du Erfolg hast, dann darfst du weiter mitspielen, und das ist alles, was zählt.“

Nicht tot zu kriegen läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

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