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Ist die Maskenpflicht im Unterricht nötig – oder ein Problem?

Momentan hat Heinz-Peter Meidinger Sommerferien. Doch mit den Gedanken ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes schon bei der Ausgestaltung des neuen Schuljahres. „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ heißt das Motto, unter dem der Schulbetrieb nach den Ferien organisiert werden soll. Und das bedeutet in immer mehr Bundesländern auch: Maskenpflicht.

Für Flure, Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume haben die meisten Länder das Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung schon verpflichtend gemacht – auch solche, die anfangs noch darauf verzichten wollten wie Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. In Nordrhein-Westfalen gilt die Maskenpflicht an den weiterführenden Schulen sogar im Unterricht.

Ein notwendiges Übel, wie Meidinger findet: „Natürlich bedeutet die Maskenpflicht eine Beeinträchtigung des lebendigen Unterrichtsgeschehens“, sagt er WELT. Aber wenn die Länder entschlossen seien, in den vollen Unterrichtsbetrieb zu starten und Abstandsregeln außer Kraft zu setzen, müsse man sich eben ein alternatives Hygienekonzept überlegen. „Da ist die Maskenpflicht im Unterricht das wirksamste Mittel.“

In der Güterabwägung zwischen Gesundheitsschutz und Erfüllung des Bildungsauftrags sei die Maske das Mittel der Wahl – jedenfalls was die älteren Schüler angeht, die eine höhere Infektiösität hätten, so Meidinger. „Deshalb halte ich den Weg, den NRW geht, für richtig. Alles andere ist Augenwischerei.“ Er rechnet schon jetzt damit, dass auch andere Bundesländer die Maskenpflicht im Unterricht beschließen werden – „vor allem, wenn die Infektionszahlen weiter steigen.“

Mit dieser Haltung steht Meidinger nicht alleine da. Die Debatte über die Maskenpflicht im Klassenzimmer reißt nicht ab. Am Mittwoch empfahl die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in ihrer fünften Ad-hoc-Stellungnahme zur Corona-Krise auch im Unterricht das Bedecken von Mund und Nase: „Wenn der notwendige Abstand nicht eingehalten werden kann, sollten Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse einen Mund-Nase-Schutz auch innerhalb des epidemiologischen Gruppenverbandes tragen“, heißt in dem Papier, an dem auch der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, mitgearbeitet haben. Für Jüngere sei es ausreichend, die Maske nur außerhalb des Klassenverbandes zu tragen.

„Schule mit Maske ist besser als gar keine Schule“

Auch Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, legt sich fest: „Grundsätzlich gilt: Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, ist eine Maskenpflicht notwendig“, sagt sie WELT. „Schule mit Maske ist besser als gar keine Schule“, sagt auch Christine Aschenberg-Dugnus, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. „Das Zusammentreffen von Personen in einem nicht gut gelüfteten Raum birgt immer die große Gefahr eines aufkommenden Infektionsgeschehens.“ Diese müsse durch eine Maske verhindert werden – vor allem in engen Unterrichtsräumen und dort, wo viele Schüler unterschiedlicher Klassen aufeinandertreffen. „An der frischen Luft oder einem Klassenraum mit ausreichend Abstand und Lüftung kann die Maske abgenommen werden.“

Wieland Kiess, Direktor der Leipziger Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, hält den von NRW eingeschlagenen Weg auch für andere Bundesländer für gangbar, wenn die Infektionszahlen wieder ansteigen. „Bevor ich eine flächendeckende Schulschließung mit fatalen Konsequenzen für das Wohlbefinden und die Bildung der Kinder riskiere, würde ich eine Maskenpflicht in den Schulen ab der fünften Klasse einführen“, sagte Kiess, der Autor der am Montag vorgestellten sächsischen Corona-Schulstudie ist. „Die Maskenpflicht kann Schulschließungen ersetzen“, sagt Kiess. Bei älteren Schulkindern sehe er das auch völlig unproblematisch: „Schließlich stehen auch Krankenschwestern über Stunden im OP damit.“

In Mecklenburg-Vorpommern geht der Unterricht wieder los

Während manche Bundesländer gerade erst in die Ferien gestartet sind, geht in Mecklenburg-Vorpommern die Schule wieder los. Eine Maskenpflicht gibt es nicht. Die Lehrergewerkschaft blickt mit Sorge auf den Schulstart.

Quelle: WELT/ Achim Unser

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht hingegen gravierende Probleme: „Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske im Unterricht ist nicht sinnvoll. Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der Funke-Mediengruppe. Hinzu komme, dass die Kommunikation gestört sei, wenn es zwischen Schülern und Lehrern keinen richtigen Blickkontakt gebe.

In einer gemeinsamen Stellungnahme, an der unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sowie die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene beteiligt waren, empfehlen die Mediziner für Kinder über zehn Jahren zwar das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule, bei stärkerem Infektionsgeschehen auch für Kinder ab sechs Jahren. Im Unterricht am Platz muss die Maske den Empfehlungen zufolge allerdings nicht getragen werden.

Für Thomas Langer, Chef des sächsischen Philologenverbandes, ist die Maske im Klassenzimmer nur die „Ultima Ratio“: „Wenn Schüler mit Gesichtsmasken im Unterricht sitzen, geht ein wesentlicher Teil der Kommunikation mit der Lehrkraft verloren. Ein Großteil der Kommunikation im Klassenzimmer ist nonverbal. Wenn ich den Schülern nicht mehr ansehen kann, wie es ihnen geht und ob es Probleme gibt, kann ich auch gleich zur Videokonferenz zurückkehren, bei der alle das Bild abschalten“, sagt Langer im Gespräch mit WELT. Er kann sich schon eher den Einsatz von durchsichtigen Visieren vorstellen.

Auch die Bundesschülerkonferenz ist genervt. „Aus Gründen des Infektionsschutzes sind Masken sicher sinnvoll“, sagt Sprecher Torben Krauß. „Aber bei sommerlichen Temperaturen ist das Maskentragen eine Zumutung. Wenn die Temperaturen im Winter wieder sinken, kann man noch einmal darüber nachdenken.“

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflegepolitik der Grünen-Fraktion, rät dazu, sich an den Empfehlungen der Wissenschaft zu orientieren. „Wir befinden uns inmitten der Pandemie und müssen uns im Alltag mit dem Coronavirus arrangieren. Dazu gehört auch, dass Kinder und Jugendliche ihr Recht auf Bildung nicht verlieren dürfen.“ Jetzt komme es darauf an, kluge Maßnahmen zu entwickeln, um den Schulbetrieb gewährleisten zu können und gleichzeitig mögliche Infektionswege in Schulen schnell nachvollziehen und unterbrechen zu können.

Für Karl Lauterbach, Arzt und Gesundheitsexperte der SPD, ist das Maskentragen im Unterricht eine „Notlösung zulasten der Kinder“ – aber dennoch unvermeidbar, wenn Konzepte wie Abstandhalten oder live gestreamter Unterricht nicht zur Verfügung stünden. „Ich finde es schade, dass wir in Nordrhein-Westfalen wieder so hohe Infektionszahlen haben, dass ausgerechnet die Kinder sich wieder zuerst einschränken müssen und sogar mit Maske unterrichtet werden müssen“, sagt er WELT. „Hätten wir im Sommer etwas besser aufgepasst und weniger gefeiert, wäre diese Lage vermeidbar gewesen.“

45 Prozent der Lehrer befürchten eine Infektion

In Mecklenburg-Vorpommern hat der Regelschulbetrieb wieder begonnen. Der Unterricht auf Distanz ist eine große Herausforderung für Schüler und Lehrer. Auch die Angst vor einer Ansteckung spielt dabei eine Rolle.

Quelle: WELT/ Achim Unser

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