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Kanzlerkandidat Laschet: Bergmann-Sohn, „Würfel-Armin“, Grünen-Kenner und Stehauf-Männchen - CDU-Chef im Porträt

Armin Laschet festigt seinen Ruf als Stehaufmännchen der Union. Der Bergmanns-Sohn aus Aachen hat eine ungewöhnliche Vita - vom Integrations-Experten bis zum unsicheren Corona-Kantonisten.

Berlin - Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union: Der kurze, aber heftige Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder ist am 20. April zu Ende gegangen. Anhänger des 60-Jährigen Stehaufpolitikers dürften sich bestätigt fühlen - denn Laschet scheint der Großmeister der abgewendeten Fast-Niederlagen zu sein.

Bis zur Kanzlerkür das prominenteste Beispiel: Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 sah es lange so aus, als würde Hannelore Kraft mit der SPD erneut stärkste Kraft, doch Laschet konnte auf den letzten Metern die Sozialdemokraten noch einholen und gewann mit 33 Prozent der Stimmen die Wahl.

Es war freilich nicht das einzige Mal das Laschet abgeschrieben schien: 2010 verlor er die Wahl zum Chef der NRW-CDU knapp gegen Norbert Röttgen und konnte sich doch knapp zwei Jahre später das Amt holen - die Partei hatte zwischenzeitlich unter Röttgen die Landtagswahlen verloren. Und schon 1998 verlor der damals erst 38-jährige Armin Laschet sein Bundestagsmandat. Nur, um im Folgejahr den Sprung ins Europaparlament zu schaffen.

Armin Laschet: CDU-Stehaufmännchen als Kanzlerkandidat - Sieg gegen Söder auf den letzten Metern

2021 folgte also auch noch die Wende im Kampf um die Kanzlerkandidatur. Insbesondere bei einer turbulenten und für Laschet nicht direkt schmeichelhaften Unions-Fraktionssitzung schien der CDU-Chef auf dem absteigen Ast - Beobachter wollten einen „um Fassung ringenden“ Armin Laschet beobachtet haben. Parteifreunde warnten gar bereits vor dem Aus als Parteivorsitzender, sollte Markus Söder das Rennen machen. Doch Laschet bog im CDU-Vorstand die Angelegenheit wieder einmal um.

Gleichwohl blühte dem Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2021 ein äußerst heikler Wahlkampf. Eine gespaltene CDU, seit Monaten schwache persönliche Umfragewerte und kurz nach der Kandidatenkür auch ein Tiefschlag der Demoskopen für die gesamte Union. Nicht nur in Markus Söders Lager warnte man vor einer folgenreichen Wahlniederlage für die Union. Käme es so: Laschet könnte doch wieder Schwierigkeiten bekommen, seinen Posten an der CDU-Spitze zu verteidigen.

Laschet: Start als Integrationsminister - Posten wirkte prägend

Helfen könnte Laschet seine politische Erfahrung. Ein Neuling in der Spitzenpolitik ist er schließlich nicht: Bereits seit 2008 sitzt er im Bundesvorstand der CDU, 2012 wurde er Parteivize, 2021 im „Triell“ mit Norbert Röttgen und Friedrich Merz Parteivorsitzender. Auch Regierungserfahrung sammelte der Nordrhein-Westfale schon vor langen Jahren. Von 2005 bis 2010 war er Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration seines Heimatlandes, ab 2010 dann Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien. 

Als prägend erwies sich unter anderem der Posten als Integrationsminister: Laschet wirbt gerne und überzeugt für ein „buntes und vielfältiges Deutschland“. Auch in der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 stand er fest an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel.

Kanzler Laschet? Versierter „Zusammenführer“ - und Kenner der Grünen noch aus Zeiten der „Pizza Connection“

Laschet hat überdies den Ruf als versierter „Zusammenführer“ - Anhänger betonen gerne seine diesbezüglichen Leistungen als NRW-Landeschef. Weitgehend geräuschlos leitet Laschet in Düsseldorf eine schwarz-gelbe Koalition. Mit einer hauchdünnen Mehrheit und einem äußerst diversen Kabinett: Vom zumindest öffentlich als konservativen Hardliner positionierten Innenminister Herbert Reul bis zum Arbeitsminister Karl-Josef Laumann aus dem CDU-Arbeitnehmerflügel.

Nach dem langanhaltenden Machtkampf mit Markus Söder um den Posten als Kanzlerkandidat der Union, wird er diese Fähigkeit sicherlich benötigen. Eine andere Erfahrung mit möglichem Regierungsnutzen: Laschet zählte in den 90er-Jahren zum Kreis der „Pizza Connection“, einer Runde aus jungen Unions- und Grünen-Politikern, die sich zum regelmäßigen Austausch trafen. Eine Koalition mit den Grünen scheint keine ganz abwegige Konstellation für die Zeit nach der Bundestagswahl. Etwaige Verhandlungspartner wie Cem Özdemir könnte Laschet aus gemeinsamen Zeiten aus dem Effeff kennen.

Kanzlerkandidat der Union: Bergmanns-Sohn Armin Laschet studierte Jura und hat drei erwachsene Kinder

Studiert hat Laschet in München und Bonn Staats- und Rechtswissenschaften, gebürtig stammt er jedoch aus Aachen. 1987 legte er das erste juristische Staatsexamen ab, das Referendariat sowie das zweite Staatsexamen machte er nicht mehr. Heute lebt er mit seiner Frau Susanne Laschet in Aachen-Burtscheid, wo er aufgewachsen ist, das Paar hat drei erwachsene Kinder. Sohn Joe brachte es bei einem mittelgroßen Masken-Eklat 2020 auch zu politischer Bekanntheit - freilich auf für Laschet eher unliebsame Weise.

Aufgewachsen ist Laschet selbst als Sohn eines früheren Bergmannes in einer katholisch-geprägten Familie und als ältester von vier Brüdern. Eine Herkunft, auf die Laschet dann und wann gerne selbst verweist: Bei der entscheidenden Rede vor der Wahl zum CDU-Parteichef hielt er eine Blechmarke in die Kameras, die sein Vater als Bergmann bekommen hatte und ihm nun mitgegeben habe. „Sag‘ den Leuten, sie können dir vertrauen“, zitierte Laschet seinen Vater. Die CDU-Mitglieder schienen überzeugt.

Kanzlerkandidat Laschet: „Würfel-Armin“, Europa-Verfechter - und unsicherer Corona-Kantonist

Eine wenig bekannte andere Anekdote: Laschet war zeitweilig als externer Dozent an einer Hochschule in Aachen tätig. Diesen Posten musste er allerdings aufgeben. Er hatte Berichten zufolge „auf dem Postweg“ verschwundene Klausuren kreativ nachbenotet. Dies berichtete die taz, die mit dem „Allgemeinen Studierendenausschuss“ gesprochen hatte. Laschet habe auf der Grundlage von Notizen die Noten seiner Studenten rekonstruiert, war zu lesen. Dabei haben aber auch Seminarteilnehmer:innen eine Note bekommen, die die Klausur nicht geschrieben haben. Deren Noten sollen teilweise sogar besser bewertet wurden, als von denen die wirklich mitgeschrieben hatten. Haften blieb eine zeitlang der Spitzname „Würfel-Armin“.

Den Eindruck eines besonders organisierten und akribischen Arbeiters macht diese alte Geschichte nicht - ein möglicher Angriffspunkt für die Grünen um Annalena Baerbock, der ein ganz anderer Ruf vorauseilt. Doch Laschet-Freunde sehen ohnehin ganz andere Pluspunkte des Unions-Kanzlerkandidaten: In den Debatten um die Frage Söder oder Laschet wurde neben der Integrationsfähigkeit immer wieder auch Laschets Charakter direkt oder indirekt gelobt. Tatsächlich gilt der NRW-Ministerpräsident als glaubwürdiger Verfechter der europäischen Idee und als Anhänger gelebter Demokratie. Letzteres betonte zumindest Laschet selbst nach den turbulenten CDU-Sitzungen des April: Es sei gut, wenn „alles auf den Tisch“ komme.

Laschet als Überzeugungstäter und Söder als Wendehals darzustellen könnte freilich auch zu kurz greifen: Nicht zuletzt in der Corona-Krise legte auch Laschet einige unerwartete Wendungen hin. Auch das tat den Umfragewerten wohl nicht gut. Nun muss es einmal mehr die Magie des „Stehauf-Laschet“ richten. (fn/dp)

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