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Kindergartenleiterin hat Angst vor erneutem Lockdown: „Wir sind alle müde“

Auch wenn die Kleinen die Corona-Einschränkungen im Kindergarten Kleine Wölfe in Wolfersdorf gut wegstecken: Das Team der Einrichtung und die Eltern haben Angst vor einem erneuten Lockdown. Ein Interview mit der Leiterin:

Wolfersdorf – Nadja Treptow, Leiterin des Kindergartens Kleine Wölfe in Wolfersdorf, versucht zusammen mit ihrem Team, ihren Schützlingen einen Kindergartenalltag zu bieten, der so normal ist, wie es unter Corona-Bedingungen nur möglich ist. Und das gelingt ihr ganz wunderbar. Wovor sie, ihr Team und vor allem die Eltern sich momentan am meisten fürchten, ist ein zweiter Lockdown. Im FT-Gespräch erklärt sie, warum.

Frau Treptow, wie hat sich der Kindergartenalltag durch Corona verändert – aus der Sicht der Kinder?

Das Grundlegende in unserer Einrichtung ist: Wir haben bisher nach dem halboffenen Konzept gearbeitet. Das heißt, zu bestimmten Zeiten am Tag haben sich die Gruppen vermischt. Das gibt es seit Corona nicht mehr, die Kinder bleiben innerhalb ihrer jeweiligen Gruppen. Eine weitere große Veränderung für die Kleinen: Sie werden von den Eltern nicht mehr in den Kindergarten gebracht, sondern nur noch bis an die Terrassentür. Die Kinder kommen alleine rein, schreiben ihren Namen eigenständig auf die Tafel, um so ihr Ankommen zu signalisieren. Außerdem wird in den Gruppenräumen mit den Kindern nicht mehr gesungen, das Sommerfest ist ausgefallen – all das macht Corona.

Und was sind die größten Hürden für die Betreuerinnen?

Wir sehen uns einer Flut von Informationen gegenüber, die nur schwer zu filtern ist. Und die Tatsache, dass Eltern sich mit der gesamten Situation überfordert fühlen, nimmt auch bei uns viel Raum ein, nicht zuletzt deshalb, weil wir ein sehr gutes Verhältnis zu den Eltern pflegen und in vielen Dingen erster Ansprechpartner sind. Wir begleiten sie, bestärken und beruhigen sie auch, wenn sie mit Ängsten an uns herantreten, ihr Kind könnte sich im Kindergarten anstecken. Alles in allem ist es ein ständiges Abwägen: Wo ist das Risiko zu groß, wo kann man an Dingen festhalten? Die Eltern bewegt es auch, dass sie die Kleinen nicht mehr ins Haus begleiten dürfen, wollen wissen, ob die Kinder das gut wegstecken und machen sich natürlich auch Gedanken, wie sie die Kinderbetreuung stemmen würden, sollte ein zweiter Lockdown kommen. Denn auch, wenn Wolfersdorf sehr ländlich gelegen ist, ist auch hier ein Großteil der Eltern berufstätig. Über die Kindergärten laufen gerade sehr viele Infos, zu viele.

Zum Beispiel?

Wir sollen Eltern nicht nur über Coronamaßnahmen in Kenntnis setzen, sondern, so ist der Wunsch des Landratsamts, auch noch über die Masernschutzimpfung oder die Afrikanische Schweinepest informieren. Da muss man dann als Verantwortliche den gesunden Menschenverstand befragen und filtern: Was ist im Moment wichtig und was ist einfach zu viel?

Wird es denn heuer einen St. Martinsumzug geben?

Ja, aber anders als sonst. Auch hier war es ein Abwägen: Was ist den Kindern wichtig? Bei diesem Fest geht es um das Erleben des Feuers, um den Lichterzug mit der selbst gebastelten Laterne. Und genau das möchten wir für die Kinder aufrechterhalten. Anders ist, dass die Gruppen sich bei dem Umzug nicht durchmischen, sondern mit einem gewissen Abstand durch die Straßen laufen. Anders ist zudem, dass wir nicht in die Kirche gehen. Und anders ist darüber hinaus, dass die Eltern nicht mitgehen. Als Trost haben wir aber eine Überraschung geplant, wie die Kinder mit ihren Eltern das Martinsfest zu Hause noch weiterfeiern können.

Wie schlimm ist es für die Kinder, dass plötzlich so vieles anders ist als sonst?

Die Kinder nehmen das gut an, sind auch alle erstaunlich gut informiert. Kinder sind flexibel, oft sind es die Erwachsenen, die sich viel mehr einen Kopf darüber machen, wie schlimm es denn für die Kleinen ist. Alles in allem leben wir hier aber auch einen relativ normalen Kindergartenalltag.

Ohne Masken?

Die Tradition des Martinsfests lässt man sich in Wolfersdorf von Corona nicht nehmen. Änderungen im Ablauf sind jedoch unumgänglich. Birgit Dasch bastelt mit den Kleinen Laternen.

Ja, ohne Masken – solange wir unter uns sind. Wenn Fremde im Haus sind, tragen wir Maske, etwa wenn ein Elternteil mal in den Kindergarten kommt. Ansonsten, im Umgang mit den Kindern, momentan nicht.

Gibt es auch positive Impulse oder Veränderungen, die die Kinder aus dieser Zeit mitnehmen?

Die Kinder werden selbstständiger. Sie müssen sich ja selber aus- und anziehen, wenn sie kommen und gehen. Das funktioniert wunderbar. Sogar wenn sie abgeholt werden, die Kinder müde sind, ist das kein Problem. Auch das Thema Händewaschen hat sich dadurch verfestigt. Das gehört dazu, die Kinder wissen, wie es funktioniert, das haben wir spielerisch zusammen geübt, und sie machen das wie selbstverständlich, wenn sie in der Früh in den Kindergarten kommen. Die Kinder werden auch sehr kreativ: Wenn nicht gesungen werden darf, dann wird eben getrommelt. Da werden Masken für Puppen gebastelt, und alles wird gut akzeptiert und im Kindergartenalltag integriert.

Wenn Sie auf den Lockdown zurückblicken: Wie haben Sie das empfunden?

Sehr zwiespältig. Es war zum einen sehr absurd, das Haus war so still und verwaist, das Lachen und die Stimmen der Kinder haben gefehlt. Sie glauben gar nicht, wie ich mich gefreut habe, als ich zum ersten mal nach dem Lockdown wieder Kinderstimmen von meinem Büro aus hören konnte. Den Lockdown würde ich als unwirklich beschreiben.

Waren Sie, auch wenn die Kinder nicht da waren,
Ansprechpartnerin für
die Eltern?

Ja, sehr oft. Es gab viele Fragen, etwa, welche Berufe systemrelevant sind. Da herrschte schon eine gewisse Not, eine Unsicherheit. Aber zu keiner Zeit Unverständnis.

Stichwort systemrelevant: Wie viele Kinder waren während des Lockdowns in der Einrichtung?

Die Eltern haben wirklich versucht, die Betreuung anders zu regeln, sodass es an manchen Tagen wirklich nur ein Kind war. Und für das eine Kind war es dann natürlich schwierig, so ganz ohne Gleichaltrige.

Was hatten Sie und Ihr Team in dieser Zeit zu tun?

Wir haben viele Dinge erledigt, die im Kindergartenalltag liegen geblieben sind. Wir haben uns fortgebildet, Fachliteratur gelesen und auch die Zeit danach vorbereitet, so gut es ging. Es galt, ein Hygienekonzept zu erstellen und es immer und immer wieder anzupassen. Und in der Zeit ist unsere neue Homepage entstanden. Die Arbeit mit den Kindern war weg und hat uns allen sehr gefehlt.

Sprechen Sie offen mit den Kindern über die Pandemie oder versuchen Sie, wenigstens im Kindergarten Normalität walten zu lassen?

Es ist kein Tabuthema, das sicher nicht. Wenn ein Kind kommt und uns erzählt, es darf nicht zum Fußball, weil das wegen Corona ausfällt, dann sprechen wir natürlich darüber. Die Thematik ist da, ja. Aber nicht ständig.

Haben Sie Angst vor einem zweiten Lockdown?

Ja! Wir sind alle – Eltern und das Team – müde. Wir würden gerne endlich wieder zur Normalität zurückkehren.

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