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Klinsmanns Geheim-Tagebuch enthüllt totale Abrechnung mit Hertha: „Zerstritten, inkompetent, ...“

Jürgen Klinsmann rechnet schonungslos mit seinem Ex-Klub Hertha BSC ab. Besonders Michael Preetz bekommt dabei sein Fett weg, während man auf 22 Seiten eigene Fehleingeständnisse vergeblich sucht.

Berlin - Das Kapitel Jürgen Klinsmann und Hertha BSC lässt sich getrost als gescheitertes Experiment bezeichnen. Der 55-Jährige war insgesamt nur 76 Tage Cheftrainer der Berliner, ehe er am 11. Februar hinschmiss

Unter seiner Regie konnte sich die Hertha nicht nachhaltig aus dem Abstiegskampf befreien, Klinsmann selbst sprach da allerdings schon vom „Big City Club“ und dem Traum von Europa oder gar einem Titelgewinn. Statt dem besagten „Big City Club“ herrscht bei der Hertha nun allerdings ein Big City Chaos. 

Kurios: Die Hertha investierte in 76 Tagen Jürgen Klinsmann 76 Millionen Euro für neue Spieler - bei keinem Klub weltweit saßen die Millionen in der Winterpause lockerer als bei der Alten Dame. Wirklich ausgezahlt haben sich die Investitionen bisher nicht, Hertha ist 14. und befindet sich nach der desaströsen weiter im Abstiegskampf. Es sind aktuell unruhige Zeiten in Berlin-Charlottenburg. 

Dass nun auch noch ein Tagebuch von Jürgen Klinsmann enthüllt wurde, sorgt dabei nicht gerade für Beruhigung - zumal Klinsmann schonungslos und mit kritischer Wortwahl mit den Klubverantwortlichen abrechnet.

Jürgen Klinsmann: Abrechnung mit Hertha BSC: Verein „ohne Persepktive“

Auf insgesamt 22 Seiten ließ der Weltmeister von 1990 seine Zeit in Berlin dokumentieren. Das Dokument, das der Bild vorliegt (Artikel hinter Bezahlschranke), trägt den harmlosen Titel „Zusammenfassung: Zehn Wochen Hertha BSC“, hat es allerdings durchaus in sich. 

Trennung von Coach Ante Covic, etwa: „Man spürt, dass der Verein komplett am Boden ist. Hektisch und nervös. Ohne Perspektive, was das Traineramt und die Zukunft anbelangt.“ 

Als kurzfristige Lösung sprang Klinsmann selbst ein, arbeitete aber bereits an der Installierung von Ralf Rangnick. Dieser solle zwar grundsätzlich großes Interesse am Projekt Hertha BSC gehabt haben, würde „in einer Konstellation mit Michael Preetz (Manager, Anm. d. Red.) als seinen Vorgesetzten jedoch niemals kommen.“

Jürgen Klinsmann rechnet knallhart mit Hertha ab - Tagebuch geleakt

Ende November ist dann ein vernichtendes Urteil über die „sportliche Bestandsaufnahme“ zu lesen. Die Mannschaft sei in „einem katastrophalen körperlichen wie mentalen Zustand“, der Kader „völlig falsch zusammengestellt“, die medizinische Abteilung „zerstritten, inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen“ und die Planung auf die Vorbereitung „eine Katastrophe.“

Im weiteren Verlauf kritisiert Klinsmann mangelnde Unterstützung vonseiten des Vereins, etwa in der Debatte um seine vermeintlich abgelaufene Trainerlizenz, und prangert ein von den Bossen auf das Team projiziertes „überaus schlechtes Klima“ an. Darüber hinaus sei die öffentliche Kommunikation der Hertha schlicht darauf aus, „absichtlich den damals noch tadellosen Ruf (Klinsmanns, Anm.) schädigen“ zu wollen. Später ist zu lesen, bei Hertha gäbe es „eine Lügenkultur, die auch das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört hat.“ 

Nachdem sich Klinsmann offenbar bereits Ende des Jahres 2019 mit Rücktrittsgedanken beschäftigte („Wenn wir hier nicht weiterkommen, kann ich auch nach Los Angeles fliegen anstatt nach Berlin.“), soll er dies Ende Januar gegenüber Investor Lars Windhorst einmal mehr deutlich gemacht haben. 

Windhorst überredet seinen Freund Klinsmann zum Weitermachen, doch in den folgenden Tagen verfestigt sich beim 108-fachen Nationalspieler der Gedanke, das Handtuch zu werfen. Letztlich trat Klinsmann am 11. Februar zurück. 

Hertha BSC: Klinsmann-Abrechnung sorgt für Ärger: „Widerlich und unverschämt“

Ob für die Öffentlichkeit gedacht oder nicht, fest steht, dass es eine derartige Abrechnung eines Trainers im deutschen Fußball noch nicht gegeben hat. Dabei ist allerdings auffällig, dass Klinsmann kein einziges Mal über mögliche einige Fehler berichtet, weswegen seine Selbstreflexion zumindest zu hinterfragen ist. Klar ist am Ende von 22 Seiten auch: Dieses Protokoll wird bei der Hertha weiter für Unruhe sorgen

Das Management von Ex-Bundestrainer Klinsmann bestätigte dem SID die Echtheit des Protokolls, rätselt allerdings darüber, wie es an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Klinsmann habe keine Absicht, eine Abrechnung mit Hertha zu betreiben.

Michael Preetz, der von von Klinsmann besonders ins Visier genommen wurde, bezeichnete die Vorwürfe auf der Pressekonferenz am Donnerstag als „widerlich und unverschämt“. Zudem sei das Protokoll „perfide“ und werde „auf das Schärfste zurückgewiesen. Das sind alles Menschen, die 24 Stunden pro Tag für diesen Verein im Einsatz sind.“

Darüber hinaus behält sich Preetz nach dem Rundumschlag von Klinsmann rechtliche Schritte gegen den 55-Jährigen vor. Man darf gespannt sein, wie das an der Spree noch weitergeht.

as

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