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Kölner Bach-Verein: Was der neue Chorleiter Christoph Siebert für Pläne hat

Herr Siebert, der gebürtige Kölner kehrt mit der Übernahme des Chorleiter-Postens beim Bach-Verein zurück in seine Geburtsstadt. Löst das was bei Ihnen aus?

Auf jeden Fall. Ich bin zwar schon als Einjähriger ins Ruhrgebiet, nach Moers, gezogen, aber meine Eltern kommen auch aus Köln, mein Vater liegt auf Melaten begraben, die Verwandtschaft ist kölsch. In den ersten Proben mit dem Bach-Verein fühlte ich mich gleich zuhause – alles sehr entspannt, freundlich und humorvoll.

Wollten Sie zurück nach Köln?

Als jedenfalls die Ausschreibung kam, dachte ich: tolle Sache. Zumal Köln eben auch eine riesige Musikszene und viele Chöre hat. In Hessen, wo ich lebe, wird nicht so viel gesungen wie hier.

Einen richtig schönen Einstand hier hat Ihnen nun Corona verhagelt.

Sicher, aber es könnte alles noch schlimmer sein. Was der Chor und ich schon alles erlebt haben in diesen paar Wochen! Proben im Parkhaus zum Beispiel – haben Sie schon mal im Parkhaus gesungen oder im RheinEnergieSTADION?

Was proben Sie denn – die Möglichkeiten sind limitiert?

Nun ja, wir proben für unser Vorweihnachtskonzert Ende November in der Trinitatiskirche: Brahms, Reger, Byrd, Palestrina – alles A cappella-Sätze. Große orchesterbegleitete Projekte gehen zur Zeit ja nicht. H-Moll-Messe im kommenden Mai in der Philharmonie – das könnte schwierig werden. Und wir werden, wie es aussieht, das Adventsprogramm auf zwei Gruppen verteilen. Die Trinitatiskirche mit den beiden gegenüberliegenden Emporen bietet sich dafür ideal an.

Corona ist ja doch gerade für die Chorszene eine echte Katastrophe ...

Ja, das muss man so sagen. Wenn sich nicht bald etwas tut, kommt ein Knockout. Viele meiner freiberuflichen Kollegen, die kein zweites Standbein haben, sind kurz vor dem Absturz. Ich selbst bin ja in der glücklichen Lage, an einer Hochschule zu unterrichten und eine nebenamtliche Kirchenmusikerstelle in Schwalbach zu haben.

Kannten Sie den Bach-Verein Köln vor Ihrer Bewerbung?

Nicht gut. Aber der Vorgänger meines Vorgängers Thomas Neuhoff, Winfried Toll, ist ein geschätzter Kollege und Freund. Der hat mein Interesse schon damals geweckt, vor 18 Jahren.

Warum tun Sie sich das an, Sie sind ja eh nicht gerade unterbeschäftigt?

Ich war mit den Chören, die ich so hatte, immer auch ein bisschen limitiert: Das sind Kammerchöre, mit denen man große Werke nicht machen kann. Also: Ich wollte mal ein Ensemble leiten, mit dem alles möglich ist, auch eben das chorsinfonische Repertoire sowie doppel- und dreichörige Stücke.

Sie haben oft Philippe Herreweghes Collegium Vocale Gent einstudiert und auch geleitet. Wieso geht jemand von einem solchen Profichor zurück zu einem – wenn auch sehr guten – Laienchor?

Das ist etwas ganz anderes: Profichöre tun ihren Dienst, während bei Amateuren, die das in ihrer Freizeit machen, echte Begeisterung herrscht. Im Übrigen würde ich den Bach-Chor durchaus als semiprofessionell bezeichnen. Gerade vor dem Hintergrund meiner Arbeit mit Profichören interessiert mich, was für ein Niveau-Shift da noch möglich ist.

#arti

Was, denken Sie, kommt bei Ihnen und Ihrem neuen Chor zusammen, dass es gut passt?

Neuhoff hat sehr gute Arbeit geleistet – gerade auch in historischer Aufführungspraxis –, ich kann da nahtlos anknüpfen. Da ist viel Beweglichkeit, und die Probenintensität ist sehr hoch.

Sie sagten „historische Aufführungspraxis“, kommen ja auch selbst sehr stark von der Alten Musik her. Nun hat Neuhoff die Agenda stark über Bach und Barock hinaus erweitert, ich nenne nur mal die Namen Britten und Elgar...

Das stimmt, aber ich möchte mich nicht auf die Alte Musik festlegen lassen. Dieser Fokus hing halt damit zusammen, dass meine Ensembles bislang eher klein waren. Aber ich liebe die Romantik, Britten ist einer meiner großen Helden. Schwer tue ich mich mit konstruiert-intellektueller moderner Musik, wo keine Seelenstränge vibrieren.

Wie beschreiben Sie Ihre Chorklang-Ästhetik?

Der Klang muss leidenschaftlich und emotional temperiert sein. Guter Rhythmus, gute Intonation, Textartikulation, Homogenität – das versteht sich von selbst. Aber all das ist zu wenig, wenn die Leidenschaftlichkeit fehlt. Dabei kann die stilistische Bandbreite werkbezogen so groß sein, wie es irgend geht.

Sie zählen Herreweghe und John Eliot Gardiner zu Ihren Vorbildern. Warum?

Gardiner habe ich noch als Student in einem Dirigierkurs kennengelernt. Das war faszinierend, seine Balance zwischen Intellektualität und Intuition-Emotion. Er hat eine fabelhafte Imagination. Herreweghe ist vom Musikertyp her das genaue Gegenteil – viel introvertierter. Aber es ist schon unglaublich, wie er in sich den Klang entwickelt, vormacht und modelliert. Er ist eigentlich ein Anti-Dirigent, bezeichnet sich ja auch gerne selbst als „Animator“. Und er legt Wert auf „schöne“ Stimmen, Gardiner eher auf „charismatische“. Ich versuche aber keine Synthese aus beiden, sondern mache mein eigenes Ding.

Was haben Sie mit dem Chor, jetzt mal Corona rausgerechnet, vor?

Ich würde gerne mal wegkommen von diesen Weihnachtsoratoriumsaufführungen, die jeder Chor ja im Prinzip machen muss, um die Kasse zu füllen. Bach hat so tolle Weihnachtskantaten geschrieben, die aber nie aufgeführt werden. Dann möchte ich Renaissance-Musik probieren, mehrchörige Sachen. Mein Traum: das 40-stimmige „Spem in alium“ von Tallis in der Gereonskirche oder Schütz’ „Psalmen Davids“, die aber kombiniert mit Moderne. Ich schätze den schottischen Chorkomponisten James McMillan, der das hat, was ich brauche: diese ungebrochene Klangsinnlichkeit. Ich möchte mit dem Chor unbedingt A-cappella-Repertoire machen – das wäre dann ja auch ein echter programmatischer Switch.

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