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Kritik zu „Hart aber fair": Markus Söders großer Fernseher und viel Wahlkampf

Köln -

„Offener Kampf bei der Union, Harmonie bei den Grünen“: Unter diesem Titel diskutierte Frank Plasberg am Montagabend bei „Hart aber fair“ mit seinen Gästen üben den richtigen Weg, die besten Kandidaten fürs Kanzleramt zu finden. Die Antwort war natürlich schon vorher klar. Machte die Union so weiter, sagt Plasberg gleich im Intro, steige die Chance auf eine grüne Bundeskanzlerin. 

Wer war dabei?

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Will auch erst im letzten Moment von der Baerbock-Kür erfahren haben. Und die Basisdemokratie? Wird auf dem kommenden Parteitag nachgereicht. Er verharrte in der Ruhe des Siegers und sprach Sätze aus dem Floskelbuch konservativer Parteien: Vernünftige Finanzpolitik sei keine Frage von Parteiflügeln. Die Wirtschaft, entgegnet er dem Unternehmervertreter, brauche keine Angst vor den Grünen zu haben. Man brauche allerdings auch Grenzwerte und Co2-Preise, weil sonst die Atmosphäre als kostenlose Ressource ausgebeutet werde.  

Wolfgang Bosbach, CDU Glaubt, dass das System die Grünen mehr verändert habe, als die Grünen das System verändert hätten. Was in diesem Fall nicht nach Häme, sondern nach Neid klingt. Ihm geht der Streit in seiner Partei sehr nahe. Das sei nicht gut, wenn das Publikum glaubt, die Partei beschäftige sich mehr sich selbst, als mit den Problemen unserer Zeit. Er fürchtet, dass die Grünen nach der Bundestagswahl viel eher mit SPD und Linken zusammengehen  werden, als mit der CDU.  

Kevin Kühnert, stellvertr. Parteivorsitzender SPD Hält den Streit der Schwesternparteien CDU und CSU für eine hochernste Angelegenheit. Auch wenn er sichtlich seine Freude daran hat. Wirft Bosbach an den Kopf, dass seine Partei noch kein Wahlprogramm habe. Und dass es ja auch anständige Koalitionen ohne Beteiligung der CDU/CSU geben könne.  

Martin Richenhagen, Manager, bis Ende 2020 Chef des Landmaschinenherstellers AGCO Steht als Ex-CEO eines der größten amerikanischen Unternehmen stellvertretend für die Angst der Wirtschaft vor den Grünen im Studio. Die Grünen hätten die Inhalte der Politik verändert, Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielten auch in Unternehmen eine wichtige Rolle. Aber das tatsächliche Programm der Grünen sei populistisch und bedeute noch mehr Staat. Dabei sei die starke Lenkung durch den Staat noch nicht einmal genuin grüne Politik. 

Helene Bubrowski, Korrespondentin in der FAZ-Parlamentsredaktion Denkt, dass nach der ersten Euphorie auch bei den Grünen noch ein paar Fragen aufkommen werden. Zwischen Kreuzberger Linken und Stuttgarter Realos, sagt sei, liegen Welten. Ihr fehlen die Richtungsstreitigkeiten, die zu einer Volkspartei nun mal dazugehörten. Das grüne Programm setze deutliche Links-Akzente - Stichwort: Vermögenssteuer - die einem bürgerlichen Publikum noch Bauchschmerzen bereiten werden. 

Anna Clauß Spiegel-Korrespondentin in München und Söder-Biografin Stößt erst spät dazu, als Chefdeuterin des Orakels aus München. Die Risikobereitschaft Söders habe sie überrascht. Er ginge jetzt aufs Ganze. Dann liefert sie eine Charakterskizze: Söder simuliere zwar Selbstironie, Humor sei jedoch nicht wirklich seine Stärke. Dafür könne er aber Kritik gut vertragen, habe einen Schildkrötenpanzer entwickelt. Er sei ein begnadeter Redner, nur wenn es um ein anschließendes Gespräch mit den Bürgern gehe, müsse er schnell weg, zum nächsten Termin. 

Seine Hobbies? Tennis, Cola Light, ein großer Fernseher. Das sagt freilich maximal wenig aus. Den Menschen Markus Söder würden auch Parteifreunde nicht kennen. Eventuell, so die Biografin, gebe es keinen Menschen hinter dem Politiker. 

Und worüber wurde diskutiert?

Man durfte live den etwas ermüdenden Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und SPD beiwohnen. Kühnert und Hofreiter warfen sich Prozentpunkte der Vermögenssteuer an den Kopf. Kühnert nahm den Wirtschaftsvertreter in die Zange. Bosbach sprang Richenhagen bei: Schon die Ermittlung der zu leistenden Vermögenssteuer würde einen Großteil des einzunehmenden Geldes auffressen. Der anschließende Steuerfachmänner-Schlagabtausch Kühnert-Bosbach kostete dem Ersten wahrscheinlich Einschaltquoten. 

Plasberg rettete, in dem er das bekannte Pressebild von Markus Söder, der einen Baum umarmt, einblendete und so wieder zur K-Frage der Union zurückfand. Tina Hasselt wurde vor dem Konrad-Adenauer-Haus zugeschaltet und konnte mit saftigen Zitaten aus der Runde aufwarten. Anscheinend wurde fleißig durchgestoßen, von beiden Seiten. 

Bosbach zerriss es beim Zuschauen förmlich. Und die CDU, fürchtete er, auch. Er hatte sich bereits im Vorfeld für Söder ausgesprochen. Das Meinungsbild werde doch morgen kein anderes sein. Er möchte mit dem Kandidaten antreten, der die besseren Chancen habe. 

Die FAZ-Korrespondentin warf ein, dass Armin Laschet nicht nur von der Kanzlerkandidatur, sondern auch vom Parteivorsitz zurücktreten sollte. Dann ging es um die Charakterfrage. Kühnert fragte, nicht ganz zu Unrecht, wofür Laschet und Söder denn eigentlich stünden? Ist Laschet nur ganz sympathisch, oder hat er auch Biss? Könnte Söder noch ein wenig an seiner Baumumarmungs-Performance arbeiten? Oder könne man den Franken - Plasberg blendete Zitate besorgter Politikwissenschaftler ein - als Populist von oben gar mit Trump zu vergleichen? Hofreiter machte sich mehr Sorgen um die Handlungsfähigkeit der Regierung in der Coronakrise, als um die Frage, wer denn nun Kandidat der CDU/CSU werde. 

Was bleibt?

Die Enttäuschung, dass die Union die K-Frage nicht noch während der Laufzeit der Sendung entschied, denn darauf hatte die Sendung ja ein bisschen spekuliert. Es blieb bei der Information über eine geheime Abstimmung, die irgendwann in der Nacht noch stattfinden solle. Über Annalena Baerbocks Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften diskutierte an diesem Abend übrigens niemand. 

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