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Mögliche Ursache gefunden: Auf dem Mars bebt es unerwartet oft und stark

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Blick auf die Mars-Oberfläche von Südosten nach Nordwesten.

(Foto: ESA/DLR/FU Berlin/dpa)

Auf dem Mars werden immer wieder Erschütterungen gemessen, obwohl es anders als auf der Erde dort gar keine Plattentektonik gibt. Nun finden Forscher die mögliche Erklärung dafür. Allerdings widerspricht sie den bisherigen Modellen von dem Planeten.

Unter der Elysium-Ebene auf dem Mars befindet sich eine im Durchmesser etwa 4000 Kilometer große Zone mit heißem, aus dem tiefen Mantel des Planeten aufsteigenden Gestein. Das zeigt eine Studie zweier US-amerikanischer Forscher, die alle verfügbaren Daten über die Elysium-Ebene miteinander kombiniert. Der sogenannte Plume liefere eine Erklärung für die von der NASA-Sonde "InSight" nachgewiesene seismische Aktivität in der Region, erläutern die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Astronomy".

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Blick auf die Mars-Region Cerberus Fossae.

(Foto: ESA/DLR/FU Berlin/dpa)

"Mars war hauptsächlich in den ersten 1,5 Milliarden Jahren seiner Geschichte vulkanisch und tektonisch aktiv", erläutern Adrien Broquet und Jeffrey Andrews-Hanna von der University of Arizona. "Doch insbesondere in der Elysium Planitia gab es auch in jüngster Zeit Vulkanismus und seismische Aktivität." So registrierte der seit 2018 in der Elysium-Ebene stationierte Lander "InSight" viele seismische Erschütterungen, die vom geologisch jungen Grabensystem Cerberus Fossae ausgehen. Dort gab es offenbar auch vor nur 53.000 Jahren noch vulkanische Aktivität.

Da es auf dem Mars - im Gegensatz zur Erde - keine Plattentektonik gibt, sei "Vulkanismus und tektonische Aktivität auf einem abgekühlten Mars jedoch unerwartet", so die beiden Planetenforscher. Auf der Suche nach einer Erklärung konstruierten Broquet und Andrews-Hanna auf Basis der Oberflächenbeschaffenheit, des Höhenprofils und der von Raumsonden im Orbit um den Roten Planeten gemessenen Schwerkraft-Anomalien ein detailliertes Modell der Region.

Die beste Übereinstimmung mit allen vorliegenden Daten erhielten die Forscher unter der Annahme, dass sich unter der Elysium Planitia ein gewaltiger Mantel-Plume befindet. Darunter verstehen Geologen eine Zone, in der heißes Gestein aus dem tiefen Mantel eines Planeten nach oben strömt. Trifft das aufsteigende Gestein auf die feste, äußere Hülle des Planeten - Lithosphäre genannt - breitet es sich aus und der Plume erhält eine pilzförmige Form. Solche Mantel-Plumes sind auch von der Erde bekannt und Ursache des "Hotspot-Vulkanismus", der nicht an die Grenzen kontinentaler Platten gebunden ist.

Natürliche Erklärung für Mars-Vulkanismus

Der Kopf des Plumes unter der Elysium-Ebene hat einen Durchmesser von etwa 4000 Kilometern, so die Forscher, und ist zwischen 96 und 285 Grad wärmer als das Gestein in der Umgebung. Das Zentrum liege exakt unter dem Grabensystem Cerberus Fossae und liefere damit eine natürliche Erklärung für den jüngsten Vulkanismus in der Region sowie für die von "InSight" registrierten Marsbeben, so die Forscher.

Allerdings wirft die Entdeckung eines solchen Plumes Fragen zur geologischen Entwicklung unseres Nachbarplaneten auf. Denn die derzeitigen globalen Modelle des Mars sagen lediglich die langsame Durchmischung des Mantelgesteins durch Konvektion voraus, aber nicht die Bildung von Plumes. "Die von uns gefundenen Hinweise auf einen aktiven, großen Mantel-Plume stellen daher eine Herausforderung für unser Verständnis der thermischen Entwicklung und der inneren Dynamik des Mars dar", so Broquet und Andrews-Hanna.