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Musiktheater aus dem KZ: Der Komponist, den die Nazis zweimal umbrachten

Musiktheater aus dem KZ : Der Komponist, den die Nazis zweimal umbrachten

Premiere in Düsseldorf: Viktor Ullmanns beeindruckende Kurzoper „Der Kaiser von Atlantis“ entstand im Konzentrationslager Theresienstadt.

Er hatte noch so viel Hoffnung. Zwar hatten sie ihn 1942 verschleppt und in die Vorhölle gebracht, doch Viktor Ullmann trug die Liebe zur Musik in sich, die ihn vorerst am Leben erhielt. Im KZ Theresienstadt schuf der Schüler von Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky sich und dem Lager sogar akzeptable, beinahe menschenwürdige Bedingungen.

Die Nazis drückten ein Auge zu, das machten sie gerne, denn Theresienstadt war ihr Propaganda-Gelände: Seht her, wie human wir mit Gefangenen umgehen! Ullmanns Werkkatalog wuchs rasch an, es gab einige Aufführungen. Doch dann erging der Befehl zur Deportation nach Auschwitz, in die wirkliche Hölle. Kaum angekommen, wurde er 1944 in der Gaskammer ermordet. Sogar zweimal, denn viele seiner Werke verschwanden spurlos.

Viktor Ullmann, 1898 in Teschen (Österreich-Ungarn) geboren, war eines dieser wunderbaren Talente aus dem jüdischen Kulturkreis, die damals das Musikleben inspirierten. Seine Art zu komponieren war ausdrucksvoll im Gestus und hochgespannt in den Melodien, er liebte den expressiven Ton, er ließ das klein besetzte Orchester vibrieren und sah sich doch nie als Pathetiker. Die Harmonik reizte er bis in die Polytonalität aus, trotzdem herrschte der Geist einer eingängigen Klang­sprache. So, denkt man beim Hören, klingt die perfekte Mixtur aus Bach, Mahler und Weill.

In Theresienstadt entstand auch „Der Kaiser von Atlantis“, eine Kammeroper nach Art einer Parabel über den Zweikampf von Macht und Natur, von Kaiser und Tod, von Krieg und Liebe. Am Ende dankt der Kaiser namens Overall ab – der in seinen Allmachtsfantasien prophetisch auf Hitlers Idee des „totalen Kriegs“ anspielt – und gibt sich dem Tod hin, den er auch mit den wirrsten Befehlen nicht aufhalten konnte. Die Nazis bekamen natürlich mit, welcher Hintersinn die Oper durchpulste, auch wenn der Spielort ins sagenhafte Atlantis verlegt war. Doch sie ließen Ullmann gewähren, denn sie wussten, dass es zur Uraufführung nicht kommen würde.

Die Düsseldorfer Rheinoper gibt diese einzigartige Kurzoper, die zugleich ein beklemmendes zeitgeschichtliches Dokument ist, nun als erste Premiere der neuen Saison. Das Opernhaus ist wegen der Corona-Pandemie sehr übersichtlich besucht, aber von Anfang an herrscht eine Art stilles Einvernehmen zwischen den Künstlern und dem Publikum. Die Bühne von Emine Güner ist karg gehalten, für das Wesentliche sind nicht viele Requisiten vonnöten; Ullmann hat so komponiert, dass man jedes Wort versteht und sich sein inneres Szenario errichtet – auch von der Zeit und den Bedingungen, unter denen Ullmann zu komponieren gezwungen war.

Die zentrale Bildidee ist faszinierend: Hier sind alle Gefangene, Verstrickte, an Fäden Zappelnde oder in Netzen Baumelnde. Alle sind eingesponnen in ihr Ich, ihre Utopien, in ihre Verblendung. Auch der Kaiser wird der Stricke nicht Herr, obwohl er sich als Strippenzieher sieht. Wenn er, da der Tod zwischenzeitlich abdankt, die Unsterblichkeit ausruft, merkt man seine Umnachtung. So ziehen sich die Fäden, diese haarfeinen Requisiten, zu einer großen Parabel zusammen. Wie so oft erhöht die Zurückhaltung der Mittel die Eindringlichkeit der Darstellung.

Wie spielt man einen Kaiser, von dem jeder weiß und zumindest ahnt, dass Hitler gemeint ist? Emmett O‘Hanlon gibt einen eindringlichen, zum Glück undämonischen Kaiser. Fein das restliche Ensemble, vor allem David Fischer als Harlekin mit Belcanto-Schmelz, Sergej Khomov als intensiver Soldat und Anke Krabbe als Mädchen mit leuchtendem Sopran. Den Düsseldorfer Symphonikern unter Axel Kober gelingt das Kunststück, die Unbedingtheit der Musik in scharfen Konturen nachzuzeichnen und zugleich die solistische Delikatesse der orchestralen Klangfarben wirken zu lassen.

Die Partitur hatte Ullmann übrigens auf die Rückseite von Deportationslisten geschrieben. Irgendwann stand sein eigener drauf.

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