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Mustang Makeover: Vom Wildpferd zum Reitpferd in 100 Tagen

22 wilde Pferde kommen aus den USA nach Deutschland und werden trainiert. Nach 100 Tagen zeigen Mustang und Trainer beim Mustang Makeover in Aachen, was sie können.

22 Trainer und 22 wilde Pferde: Nach 100 Tagen Training zeigen die Teams beim Mustang Makeover in Aachen, was sie können.
Auf der Equitana in Neuss gab sich Toffifee schon ganz gelassen und zeigte die erste Zirkuslektion, die Rabea Schmale ihr beigebracht hat: das Kompliment.

Auf der Equitana in Neuss gab sich Toffifee schon ganz gelassen und zeigte die erste Zirkuslektion, die Rabea Schmale ihr beigebracht hat: das Kompliment.

Friederike Scheytt

Auf der Equitana in Neuss gab sich Toffifee schon ganz gelassen und zeigte die erste Zirkuslektion, die Rabea Schmale ihr beigebracht hat: das Kompliment.

Aachen. Glitzerspray lässt das Fell in der Sonne funkeln, die Mähne fällt in seidigen Wellen über den Pferdehals, am Kopf einen eleganten Zaum – wie ein Wildpferd sieht Toffifee wahrlich nicht aus. Ist sie aber: Sie ist ein echter American Mustang aus den USA, in einer frei lebenden Herde aufgewachsen, ohne Menschen.

Doch die romantische Vorstellung vom Leben der Mustangs in der Wildbahn trügt. Überpopulation und die Einschränkung des natürlichen Lebensraumes führen dazu, dass das Nahrungsangebot für die Wildpferde immer knapper wird. Etwa 73 000 Tiere leben in Freiheit, die Weideflächen reichen aber nur für etwa 27 000.

22 Trainer und 22 wilde Pferde: Nach 100 Tagen Training zeigen die Teams beim Mustang Makeover in Aachen, was sie können.
Foto: Maggie Rothange

Die Wild-West-Romantik trügt: Es gibt zu viele Mustangs für die Weideflächen in den USA. Deshalb werden viele von ihnen in der Wildbahn eingefangen, in Auffangstationen gebracht und weitervermittelt.

Den Schutz und Erhalt der Mustangs hat sich in den 70er Jahren die US-Behörde Bureau of Land Management zur Aufgabe gemacht. Regelmäßig lässt die Behörde Pferde einfangen und in Auffangstationen bringen, damit die Herden nicht zu groß werden. 46.000 Mustangs warten in diesen Stationen darauf, an Pferdeliebhaber vermittelt zu werden.

Auch Toffifee kommt aus einer solchen Auffangstation. Gemeinsam mit den anderen Mustangs wurde sie Ende April nach Deutschland geflogen. Am Frankfurter Flughafen nahmen die Trainer die Tiere in Empfang. Wer welches Pferd trainiert, entschied das Los. Für Toffifee ging es nach Minden in die Showreitschule von Rabea Schmale. „Ich habe mir vorgenommen, ganz gelassen daran zu gehen“, sagt die Trainerin. Etwas anders kam es dann aber doch. „Mit Toffifee ist es nicht wie mit einem normalen Berittpferd – eher wie mit einem Welpen.“

Die Stute wurde in den USA zwar auf das Verladen vorbereitet, trug bei ihrer Ankunft ein Halfter und ließ sich führen. Berührungen kannte sie jedoch noch nicht, auch eine Box und die mechanische Selbsttränke waren fremd. „Darüber habe ich sie aber gekriegt: Sie hat nicht gewusst, wie die Tränke funktioniert“, erzählt Rabea Schmale. Sie zeigte es der Stute und machte dabei die ersten Berührungen möglich. Schnell fand Toffifee auch Gefallen daran, sich von ihrer Trainerin das Fell kratzen zu lassen – immerhin juckten die Reste des Winterpelzes.

Vom 3. bis 5. August findet das Finale des Mustang Makeover in der Aachener Soers auf dem CHIO-Gelände statt. Bei verschiedenen Aufgaben zeigen die Trainer, was sie in den 100 Tagen mit ihrem Mustang erreichen konnten. Bewertet wird dabei die Harmonie zwischen Mensch und Pferd, nicht die höchste Leistung. Anschließend werden die Mustangs versteigert. Karten für die Veranstaltung gibt es online: mustangmakeover.de

Auf der Reitsportmesse Equitana in Neuss konnten die beiden jetzt zeigen, wie weit sie schon sind. Die Stute ließ sich ruhig durch den Showring zeigen, ließ sich von Fremden streicheln, zuckte bei Applaus kaum mit dem Ohr und zeigte mit dem Kompliment sogar ein erstes Kunststück. Im Vordergrund steht aber, dass das einstige Wildpferd sicher zu handhaben ist, Tierarzt und Hufschmied kennt, auf das Leben als Reitpferd vorbereitet ist. „Ich bilde das Pferd ja nicht für mich aus, sondern möchte, dass der neue Besitzer gut mit ihr zurechtkommt.“

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