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Nachhaltige Wegwerfgesellschaft

Wo viele feiern, fällt viel Müll an: Eine überfüllte Tonne auf dem Festivalgelände.

Wo viele feiern, fällt viel Müll an: Eine überfüllte Tonne auf dem Festivalgelände. (Pascal Faltermann)

Komplett zerstört liegt der Pavillon über den leeren, zerdrückten Bierdosen. Die staubbedeckte Plane flattert leicht im Wind. An einem Fahnenmast ist ein riesiger Teddybär aufgespießt, der defekte Plastikeimer liegt auf rot-weißem Absperrband. Es ist der zweite Tag beim Deichbrand-Festival am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz und auf dem Hauptcampingplatz türmt sich bereits der Müll. Über die Nachhaltigkeit von Großveranstaltungen wird nicht erst seit Fridays for Future viel diskutiert. Auch die Deichbrand-Veranstalter unternehmen viel, um ein möglichst grünes oder immer nachhaltigeres Festival zu organisieren. Aber reicht das aus? Kommen sie gegen die Wegwerfgesellschaft überhaupt an?

Auf dem 171 Hektar großen Veranstaltungsgelände inklusive der Park- und Campingflächen entstehen laut dem Veranstalter jährlich etwa 460 Tonnen Müll. 50 000 bis 60 000 Besucher feiern, trinken, essen und übernachten auf dem Gelände – klar, dass da Müll entsteht. „Alle Gäste erhalten bei der Anreise einen Müllsack, geben sie diese zum Ende oder auch während der Veranstaltung ab, erhalten sie einen Bonus ausgezahlt. Hierzu stehen auf dem Gelände fünf Müllannahmen bereit“, erklärt Lena Zielinski, Pressesprecherin des Deichbrand. Ein Konzept, dass auch viele andere Festivals wie beispielsweise das Hurricane in Scheeßel so handhaben.

Verbotenes Plastikkonfetti

Trotzdem liegen kaputte Zelte, Dosen, Plastikflaschen oder gar Isomatten und Schlafsäcke nach dem Festival auf großen Müllbergen. Eine Campingcrew, die vom Veranstalter, der ESK Events & Promotion GmbH, beauftragt wurde, sei laufend auf den Campingplätzen unterwegs und verteile dabei unter anderem auch weitere Müllsäcke an Gäste. Auf der Liste der verbotenen Gegenstände findet sich neben Glasflaschen unter anderem auch Plastikkonfetti. Der ein oder andere Festivalbesucher wirft dann trotzdem damit. Auf dem Chaos-Campingplatz ist zudem zu beobachten, dass mit Schaum, Glitzer oder Sprays herumgesprüht wird – nicht gerade umweltfreundlich.

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Etwas anders geht es seit Jahren im Green-Camp zu, welches mittlerweile durch die Wohnmobil-Fläche Green ergänzt wurde. Die dortigen Bewohner gehen eine gewisse Selbstverpflichtung hinsichtlich Abfallvermeidung ein. „Tatsächlich sind diese Flächen nach der Veranstaltung deutlich sauberer als vergleichbare reguläre Campingflächen“, sagt Deichbrand-Sprecherin Zielinski.

Kein Geschirr und Besteck aus Einwegplastik

Ein weiteres Verbot gilt für die Gastronomen. Ihnen ist es vertraglich untersagt, Geschirr und Besteck aus Einwegplastik auszugeben. Es bestehe laut Zielinski die Möglichkeit, über den Generalgastronom Alternativen aus Holz, Papier, organischem Material oder ähnlichem zu beziehen. Die Einhaltung dieses Verbots werde vor Ort umlaufend kontrolliert. In der Crew- und Künstler-Versorgung setzen die Deichbrand-Macher „größtenteils auf Mehrweg“. Das Geschirr und Besteck bestehe aus Porzellan und Metall und werde nach der Verwendung gespült. Getränke werden vornehmlich in Glasflaschen, größere Gebinde in Mehrweg-PET ausgegeben. Und erstmals gibt es in diesem Jahr Wasserspender, um den Einsatz von Getränkeflaschen zu reduzieren.

Als Wasserverschwendung mag der ein oder andere auch das 50 Meter lange, 20 Meter breite und 1,20 Meter tiefen Becken – den XXL-Pool auf dem Gelände – sehen. Hunderte bis Tausende werden bis Sonntag in dem Schwimmbecken geschwommen sein. Mit 1,2 Millionen Litern aufbereitetem Leitungswasser soll das Becken insgesamt gefüllt sein. Laut dem Hersteller laufe das Wasser immer wieder durch eine Chlor- und Filteranlage. Die Wasserqualität werde natürlich überprüft. Nach dem Festival soll das Chlor wieder aus dem Wasser gefiltert und über das Abwassersystem der Kläranlage entsorgt werden.

Auch wenn vieles davon nur ein Tropfen auf den heißen Stein (Müllberg) sein mag, um damit die Öko-Bilanz etwas besser ausfallen zu lassen. Es gibt auch die Festivalbesucher, die ihren Taschenaschenbecher dabei haben, die mit großen Taschen Müll einsammeln oder einfach nicht alles auf den Boden werfen.

Möglichkeiten, sein eigenes Festivalerlebnis möglichst nachhaltig zu gestalten, gibt es ebenfalls. Nicht aufgezehrte und noch verpackte Lebensmittel können bei der Abreise gespendet werden. Die gesammelten Lebensmittel werden dann an die Tafel in Cuxhaven weitergegeben.

Liegengebliebenes für Bedürftige

Ebenfalls bereits bei anderen Festivals erfolgreich ist die Idee des Vereins „Hanseatic Help“. Dessen Mitglieder sammeln auf dem Veranstaltungsgelände liegengebliebene Zelte, Schlafsäcke oder Isomatten ein und stellen sie Bedürftigen und Obdachlosen zur Verfügung. So seien im vergangenen Jahr gute zwei Seecontainer voll Material eingesammelt und dadurch weiter verwendet worden.

Über die Jahre habe das Umweltbewusstsein des Publikums zugenommen, sagte Festivalsprecherin Lena Zielinski. Zu beobachten sei dies vor allem bei den komfortableren Zeltangeboten oder dem Green Camp. „Wenn dieser Spirit auch auf die klassischen Campingflächen abfärbt, dann ist nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Festivalorganisation und am Ende somit dem Ticketpreis sehr geholfen“, sagte sie.

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