Germany
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

„Natürlich gibt es viele Äußerungen, die man im Nachhinein bedauert“

Immer wieder fordert die Ukraine neue Waffen, um den russischen Angriffskrieg abzuwehren. Der Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, kommentierte das Zögern Deutschlands in der Vergangenheit teils sehr scharf. Kurz vor seinem Wechsel zurück in die Ukraine und seinem Antritt als Vize-Außenminister findet Melnyk allerdings versöhnliche Worte – und schwärmt unter anderem von der deutschen Rüstungsindustrie.

„Ich muss sagen, ich bin ein Kenner geworden der deutschen Rüstungsindustrie und Sie können stolz sein auf diese Industrie“, sagte Melnyk dem „Tagesspiegel“ anlässlich eines Festes zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin.

„Diese Industrie ist für die Deutschen genauso wichtig wie die Autoindustrie“, meinte Melnyk mit Blick auf die sich abzeichnende Aufrüstungsspirale durch Russlands Krieg. Das sei für viele schrecklich zu hören. „Aber wir haben diesen Krieg nicht gewollt, er wurde uns aufgezwungen“, sagte Melnyk und betonte: „Das ist die gute Botschaft, die Waffen, die Sie hier produzieren, die sind in mancher Hinsicht sogar besser als das, was die Amerikaner produzieren.“

Ohne Reue Deutschland verlassen

Er kenne inzwischen viele Menschen aus der Branche die all die Jahre gelitten hätten, „dass sie keine Chance gesehen haben, etwas zu produzieren“, sagte Melnyk. „Sie können mit diesen Waffen Menschenleben retten.“

Er habe sich zum Beispiel um die Beschaffung des Luftabwehrsystems Iris-T des Unternehmens Diehl mit gekümmert. „Das System wird hoffentlich nächste oder übernächste Woche geliefert“. Es soll rund 150 Millionen Euro kosten und die Ukraine will weitere davon anschaffen. „Dieses System wird eine Großstadt wie Kiew besser schützen können“, betonte Melnyk.

Er gehe ohne Reue aus Deutschland. „Natürlich gibt es viele Äußerungen, die man im Nachhinein bedauert. Wir sind ja alle Menschen“, sagte Melnyk. „Dieser Rückblick wird auch für mich irgendwann kommen, wo ich sagen werde: Wie konnte ich so laut und unhöflich sein seit dem Kriegsbeginn?“, so Melnyk. „Aber ich muss Ihnen trotzdem sagen, dass ich das nicht bereue. Ich bereue nicht, was ich hier in Deutschland getan habe.“

Ukraine glaube an ein „Wunder“

Er wolle sich ausdrücklich bedanken bei den Menschen in Deutschland, die sich trotz Inflation und Energiekrise immer noch in großer Mehrheit für die Unterstützung der Ukraine aussprechen. „Das ist für mich das beste Zeichen. Ohne diesen Druck von den Menschen glaube ich nicht, dass uns diese Regierung so stark unter die Arme gegriffen hätte“, sagte Melnyk.

Der Botschafter äußerte sich auch sehr persönlich zum Tag der Deutschen Einheit: „Diese Vereinigung vor 32 Jahren war ein Wunder.“ Dieser Tag sei deswegen für die Ukrainer so wichtig, „weil wir auch an Wunder glauben.“ Es sei für sie alle ein Anlass weiterzukämpfen, damit „der Tag der Wiedervereinigung mit den Gebieten, die besetzt sind, auch mit der Krim, schneller kommt, als manche denken.“

Tatsächlich konnte die Ukraine zuletzt in der von durch Russland besetzten Donezk-Region einige militärische Erfolge verzeichnen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte unter anderem am Sonntag die „vollständige“ Befreiung der strategisch wichtigen Stadt Lyman von russischer Militärpräsenz verkündet. Unterdessen unterstützten neun osteuropäische Nato-Mitgliedstaaten in einer gemeinsamen Erklärung die Aufnahme der Ukraine in das Militärbündnis.

Selenskyj dankte in einem in Onlinenetzwerken veröffentlichten Video dem ukrainischen Militär. Am Abend zuvor hatte er erklärt: „Im Laufe der Woche wurden weitere ukrainische Flaggen über dem Donbass gehisst. In der Woche darauf werden es noch mehr sein.“