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Neue Erkenntnisse im Hotel-Streit um Gil Ofarim: Zeugen belasten Musiker schwer - Anwalt reagiert

Der Musiker Gil Ofarim wirft einem Hotelangestellten vor, ihn antisemitisch beleidigt zu haben. Ein Ermittlungsbericht bringt nun neue Erkenntnisse. Ofarims Anwalt antwortet.

Update vom 28. Oktober, 10 Uhr: Ermittlungen einer privaten Kanzlei rücken die Antisemitismus-Debatte um Gil Ofarim in ein neues Licht (siehe Erstmeldung). Nun wehrt sich der Musiker erneut, über ein Schreiben seines Anwalt, das RTL vorliege und über das der Sender berichtet. Ofarim stelle darin den „sogenannten Untersuchungsbericht des Hotels“ infrage. Von Beginn an sei mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft verabredet gewesen, dass er keiner Untersuchung zuarbeiten werde, die vom Hotel in Auftrag gegeben wurde. „Ein vom Hotel bezahlter Untersuchungsbericht wird genauso wie zuvor an die Medien gespielte unvollständige Videosequenzen kein Beitrag zur Wahrheitsfindung sein“, zitiert RTL Anwalt Markus Hennig.

Hotel-Streit um Gil Ofarim: Neue Erkenntnisse - Zeugen belasten Musiker nun schwer

Erstmeldung vom 27. Oktober: Leipzig – Mehr als drei Wochen liegt der Vorfall nur zurück, über den die Gesellschaft in Deutschland seither diskutiert. Am 5. Oktober hatte der Musiker Gil Ofarim ein Video auf Instagram hochgeladen, in dem er unter dem Titel „Antisemitismus in Deutschland“ von einem Vorfall im Leipziger Westin Hotel berichtete. Dabei sei ihm von einem Mitarbeiter des Hotels gesagt worden, er könne erst dann einchecken, wenn er seine Davidstern-Kette ablegen würde. Zuvor soll ein unbekannter Dritter in der Lobby den Sänger ebenfalls dazu aufgefordert haben, seine Kette abzunehmen.

GIl Ofarim: Was geschah in der Hotellobby - erster Ermittlungsbericht erstellt

Der 39-Jährige erhielt viele unterstützende Reaktionen auf sein Video-Statement, hochrangige Politiker in Deutschland positionierten sich klar gegen Antisemitismus und über die sozialen Netzwerke wurde zum Boykott des Leipziger Hotels aufgerufen. Der Hotelmanager, dem Ofarim Antisemitismus vorwirft, wehrt sich jedoch gegen die Anschuldigungen, wodurch das, was am 5. Oktober in Leipzig vorgefallen ist, mittlerweile ein Fall für die Staatsanwaltschaft Leipzig ist.

Der Zeit berichtete am Mittwoch über erste Ermittlungsergebnisse im Zusammenhang mit diesem Vorfall. Diese stammen jedoch nicht von der Staatsanwaltschaft, sondern von der privaten Kanzlei Pauka & Link, die im Auftrag der Hotelbetreiber parallel ihre eigenen Ermittlungen angestellt hatte. Der Wochenzeitung liegen nach eigenen Angaben die Inhalte des 118 Seiten langen Berichts der Ermittler zu den Vorgängen in der Hotellobby vor.

Ermittlungsbericht: Zeugen widersprechen Ofarims Schilderungen

Für den Bericht habe die Kanzlei demnach die Aufnahmen der Überwachungskamera analysiert, selber Zeugen befragt und Zugriff auf Befragungsprotokolle der Staatsanwaltschaft von Augenzeugen gehabt, die nur mit den Ermittlungsbehörden sprechen wollten. In dem Bericht über den Vorfall soll demnach vermerkt sein, dass keiner der befragten Zeugen aus der Hotellobby eine antisemitische Beleidigung gegenüber Ofarim gehört haben soll.

Zweifel soll es demnach auch an Ofarims Schilderung geben, wonach er wegen der Davidstern-Kette, die er um den Hals getragen haben soll, angegangen wurde. Keiner der befragten Zeugen soll sich an eine Aussage über eine Kette erinnern können. Ein Zeuge soll zumindest angegeben haben, die Kette womöglich gesehen zu haben. Bereits im Vorfeld des Berichts gab es mit Blick auf die veröffentlichen Kamera-Aufnahmen Vorwürfe gegen Ofarim, dass dieser die betreffende Kette nicht offen getragen habe.

Ofarim: Gutachten ergibt - Kameraaufnahmen wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht manipuliert

Der 39-Jährige gab daraufhin diesbezüglich an, dass er sich nicht erinnere, ob er die Kette tatsächlich offen in der Hotel-Lobby getragen habe. Für den Musiker sei es jedoch auch denkbar gewesen, dass er von jemandem erkannt wurde, der wisse, dass er die Kette regelmäßig trage. „Ich hatte meinen Stern an. Ich habe meinen Stern immer dabei. Ich habe ihn eine Stunde zuvor in einer Fernsehshow angehabt und ich wüsste keinen Grund, warum ich ihn ausziehen sollte“, sagte Ofarim im Interview mit sternTV.

Der Bericht der Kanzlei soll nach Angaben der Zeit auch ein Gutachten eines Sachverständigen enthalten, aus dem hervorgehe, dass die Aufnahmen der Überwachungskamera „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht manipuliert“ wurden. Nach eigenen Angaben wollten die Rechtsanwälte bei ihren Ermittlungen auch Ofarim befragen. Der 39-Jährige soll diese Anfrage jedoch abgelehnt haben.

Causa Gil Ofarim: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Hotel-Vorfall dauern an

Der Musiker hatte sich zuletzt am 12. Oktober zu dem Vorfall und den damit verbundenen Vorwürfen gegen ihn auf Instagram gemeldet. „Ich habe heute meine Zeugenaussage gemacht und Strafanzeige gegen den Mitarbeiter des Westin Hotels gestellt“, erklärte der 39-Jährige dabei. „In den letzten Tagen habe ich in zahlreichen Interviews alles gesagt, was ich zu dem Thema sagen kann. Mehr kann ich zurzeit nicht sagen oder tun“, so Ofarim weiter.

Eine Reaktion auf den Ermittlungsbericht durch den 39-Jährigen blieb bisher ebenfalls aus. Für weitere Erkenntnisse gilt es nun, die Ergebnisse der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Leipzig abzuwarten. Die Hotelbetreiber erklärten bereits am vergangenen Mittwoch, die Beurlaubung des Mitarbeiters, dem Ofarim die antisemitischen Aussagen vorwirft, aufheben zu wollen. Grund dafür seien das Fehlen von „objektiven Anhaltspunkten“ die arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den Angestellten rechtfertigen würden. (fd)

Rubriklistenbild: © Tobias Hase/dpa/Archivbild