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Ohne Halloween und 11.11.: Kölner kaufen keine Kostüme – Händler beklagen hohe Verluste

Eine Einhorn-Prinzessin wacht am Eingang. Demnächst bekommt sie Verstärkung von einer Hexe. Die Verkäuferin richtet die Schaufensterpuppe mit Blick auf Halloween am 31. Oktober her: schwarzes Samt-Kleid und schwarze Strumpfhosen mit Spinnennetzmustern. Bei der „Karnevalswierts“-Filiale in der Gürzenichstraße habe man dieses Jahr auf eine aufwendige Halloween-Dekoration verzichtet. „Aber wenigstens eine Schaufensterpuppe muss sein, habe ich dann gesagt“, erzählt die Mitarbeiterin. An einem Vormittag befinden sich gerade einmal zwei Kunden im Geschäft.

Die Leute seien verhalten, doch sie hätten auch schon einen guten Feriensamstag gehabt. Kein Vergleich zu den Vorjahren: „Da stehen wir eigentlich zu viert an der Kasse, und nach den Sommerferien geht es schon richtig los“. Derzeit setze sie ihre Hoffnung auf jene, die an Halloween und am 11.11. etwas im Kleinen organisieren – innerhalb der Familie oder für die Kinder in der Kita. Nähere Auskunft über das Geschäft gibt Ralph Wierts, Inhaber des niederländischen Anbieters, während der Pandemie nicht. Die Gründe für die Verschwiegenheit liegen auf der Hand: Der Ausfall der traditionellen Sessionseröffnung am Heumarkt, die Bemühungen der Stadt, den Straßenkarneval zu unterbinden, kein feuchtfröhlicher, dicht an dicht verbrachter Elfter im Elften – das trifft nicht nur die Gastronomen und Hoteliers der Stadt hart, sondern auch die Kostümbranche.

Kölner kaufen 1,6 Kostüme pro Jahr

Dass Karneval ein millionenschwerer Wirtschaftszweig in Köln ist, dürfte spätestens seit einer Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group und der Rheinischen Fachhochschule klar sein. Die Untersuchung, die im Auftrag des Festkomitees Kölner Karneval in der Session 2017/2018 durchgeführt wurde, ergab, dass 600 Millionen Euro durch den Karneval erwirtschaftet werden. 6500 Arbeitsplätze hängen daran. Und die Jecken kauften allein in dem Jahr 1,6 Millionen Kostüme.

„Die will gerade keiner. Nicht mal die, die im Angebot sind“, sagt Bernd Sondergeld vom Kostüm- und Dekoladen „Jot Jelunge“ in der Lindenstraße.

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Bernd Sondergeld von Jot Jelunge hat für den 11.11 eine Kappe mit dem Motto „Ich bin jeck un blieve zohus“ designt. 

Klar, die Kostüme könnten ein Jahr liegen bleiben. Das Problem seien aber die entstehenden Kosten trotz ausbleibender Einnahmen. Doch Sondergeld, seit 25 Jahren im Geschäft, will sich nicht nur auf die Schwierigkeiten fokussieren. „Das ist nicht lösungsorientiert. Wir schauen auf die Möglichkeiten: Wir bieten weiter unsere Kreativ-Workshops zu Upcycling an und haben für den 11.11. eine Kappe mit dem Motto „Isch ben jeck und bliev zohus“ gestaltet“.

Kostümdesignerin Belinda Krone vom Geschäft „Jeck Jewand“ in Sülz ist überzeugt, dass die „Kölner sich ihren Karneval nicht verbieten lassen werden.

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Belinda Krone näht viele Masken mit Kölsch-Motiven.

„Viele Kunden erzählen mir, dass sie im kleinen Kreis feiern oder dass sie unterwegs zur Arbeit ihr Kostüm tragen, einfach um zu zeigen: Wir sind da“, so Krone. Vor Corona konnten sie nach einigen Jahren Anlauf mittlerweile gut von ihrem Geschäft leben. Ihre Vermieterin sei ihr zum Glück in der Krise mit der Miete entgegengekommen. Nach dem Lockdown hätte sie zunächst noch viel genäht – ihre Spezialität sind Mäntel, die sie „aufpimpt“ – und die Lücken im Bestand aufgefüllt. „Doch im Sommer habe ich die Produktion gestoppt, da hatte ich schon keine Hoffnung mehr.“ Durchkommen sei keine Glaubenssache. Jetzt will sie weiter Mund-Nase-Bedeckungen nähen – auch welche mit kölschen Motiven.

„Wir haben genau null Aufträge für den 11.11.“, sagt Modedesignerin Maria Lucas. Gerade haben sie und ihr Partner André Schwope die neueste Kollektion ausgepackt – 100 in Handarbeit gefertigte Kostüme für Männer und Frauen, inspiriert von den senegalesischen Signaren aus dem 17. Jahrhundert. „Damals war Senegal ein Umschlagplatz für globalen Handel. Die Frauen heirateten Europäer und waren selbstbestimmt, lebten in Pracht“, erzählt Lucas und gerät dabei ins Schwärmen. Für die leuchtenden Stoffe ist sie extra in die afrikanischen Viertel nach Paris gefahren – viele Monate später finden die aufwendigen Arbeiten nun keine Abnehmer.  „Heute Maiglöckchen, morgen Biene, das gibt es bei uns nicht“, sagt Lucas. Ramsch ist genau das Gegenteil von dem, was die Modedesignerin erschafft. „Wir entwickeln Charaktere. Die Kunden tragen es dann eine Session lang.“ Normalerweise wäre jetzt in ihrem Geschäft in der Scheidtweilerstraße der Bär los. Dass sie trotzdem täglich herkämen, nennt Schwope „eine Beschäftigungstherapie“.

Kölner Modedesignerin kleidet Stadt-Prominenz ein

Lucas bedient im Kostümmarkt das Hochpreis-Segment. Wer sich von Kopf bis Fuß von der Kölsch-Spanierin einkleiden lässt, muss 400 bis 600 Euro auf den Tisch legen. FC-Vorstand, Kölner Bands, Karnevalsgesellschaften – die Stadt-Prominenz geht normalerweise ein und aus. „Aber alles, was wir machen – Karneval, Hochzeiten, Galas – ist derzeit verboten.“ Die Zeit hätten sie dafür genutzt, um den Online-Auftritt aufzufrischen oder die Schnitte der Garden-Uniformen neu zu entwickeln.

Lucas und Schwope bangen dabei nicht nur um sich selbst, sondern auch um die zahlreichen Webereien in Frankreich, Italien und Spanien. Die traditionsreichen Kleinbetriebe arbeiten ihnen zu und liefern etwa Borten. Coronabedingt gebe es da mehrmonatige Lieferengpässe. Manche der Manufakturen stünden vor dem Aus. „Dieses Spezialwissen, das da über Jahrzehnte weitergetragen wird, ist dann weg“, so Schwope.

Nach 40-jähriger Erfahrung in dem Beruf weiß Lucas: Wer sich kostümiert, der nimmt eine andere Haltung ein. „Gerade Männer kann man gut aus ihrem Alltags-Käfig holen. Häufig müssen sie graue Anzüge tragen. An Karneval dürfen sie endlich mal leuchten und glitzern, in die Rolle eines reichen Großgrundbesitzers schlüpfen, ihre Sehnsüchte ausleben – das geht nur im Kostüm.“

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