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Omikron-Ausbreitung: Lauterbach-Statistik lässt Böses erahnen - doch US-Berater Fauci macht Hoffnung

Von: Richard Strobl, Franziska Schwarz

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Bild-Montage: Links ein 3-D-Modell des neuartigen Coronavirus, rechts Karl Lauterbach
Die neue Corona-Mutante Omikron treibt Karl Lauterbach (SPD) um. © Yay Images/Political-Moments/Imago

„Wir impfen jetzt gegen die Zeit“, ist sich der SPD-Gesundheitsexperte in einem Tweet sicher. Der News-Ticker zur neuen Corona-Variante Omikron.

Update vom 5. Dezember, 20.30 Uhr: Der US-amerikanischer Immunologe Anthony Fauci gab am Sonntag gegenüber dem Fernsehsender CNN erste Erkenntnisse zur neuen Omikron-Variante bekannt. Die derzeitige Einschätzung deute darauf hin, dass Omikron keine besonders schwere Covid-19-Erkrankung hervorrufe, so der Berater des US-Präsidenten Joe Biden.

Zwar scheine die Variante einen „Übertragungsvorteil“ zu haben, doch die bisher beobachteten Krankheitsverläufe seien nicht schwer. „Bis jetzt sind die Signale etwas ermutigend“, so Fauci. Es sei aber noch zu früh, um eine abschließende Einschätzung abzugeben, warnte der Experte.

Die Omikron-Variante des Coronavirus war erst am 4. November in Südafrika entdeckt worden – was jedoch nicht heißt, dass sie auch dort entstand.

Update vom 5. Dezember, 18.30 Uhr: Die Zahl der bestätigten Omikron-Fälle erhöhte sich am Sonntag in Großbritannien auf 246. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend. Innerhalb von 24 Stunden wurden 86 neue Fälle gemeldet. Die britische Regierung hatte bereits vergangene Woche die Einreiseregeln wegen der Omikron-Variante angepasst, schärfte sie aber am Samstagabend nochmals nach. Ab Dienstag müssen auch Geimpfte bereits vor der Einreise ins Vereinigte Königreich einen negativen Corona-Test vorlegen – nicht wie zuvor erst zwei Tage danach*.

Nach Angaben der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde (ECDC) vom Sonntag gibt es inzwischen in 17 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums bestätigte Omikron-Infektionen. In Deutschland sind es demnach insgesamt 15 nachgewiesene Omikron-Fälle, in Portugal 34, in Norwegen 19 und in den Niederlanden 18.

Update vom 5. Dezember, 18.18 Uhr: Die Zahl der Infektionen mit der Omikron-Variante des Coronavirus in England hat sich mehr als verdoppelt. Im größten britischen Landesteil seien 75 weitere Fälle mit der Variante B.1.1.529 festgestellt worden, teilte die Gesundheitsbehörde Health Security Agency (UKHSA) am Freitagabend mit. Damit seien in England nun 104 Omikron-Fälle bekannt. Dazu kommen 29 Infektionen in Schottland - gut doppelt so viele wie bisher. In Wales ist ein Fall bekannt, in Nordirland wurde die Variante bisher nicht nachgewiesen.

Es gebe nun Fälle ohne Verbindung zu Auslandsreisen, sagte UKHSA-Chefin Jenny Harries. Dies deute auf lokale Übertragungen hin. Harries rief die Bevölkerung auf, Hygienemaßnahmen einzuhalten, sich im Falle einer Infektion unverzüglich zu isolieren und sich sobald wie möglich eine Impfung oder Auffrischungsdosis spritzen zu lassen.

Update vom 5. Dezember, 17.38 Uhr: „Wir impfen jetzt gegen die Zeit“, mit diesen Worten warnt Karl Lauterbach vor der weiteren Verbreitung der Omikron-Variante. Via Twitter verbreitete der SPD-Politiker die Einschätzung eines britischen Statistikers. Demnach könnte sich der Anteil der Omikron-Variante im Vereinigten Königreich „alle drei Tage“ verdoppeln - trotz der enorm hohen Impfquote dort. „Eine solche Verbreitung, ohne Beispiel, stoppt man nicht leicht“, so Lauterbach.

Update vom 5. Dezember, 17.21 Uhr: Die Omikron-Variante breitet sich in Skandinavien weiter aus. In Dänemark ist die Zahl der bestätigten Fälle auf 183 gesprungen. Daneben wird eine Weihnachtsfeier im norwegischen Oslo zunehmend zum Superspreader-Event*. Schon 120 positive Tests gibt es nach der Feier in einem Restaurant. Bei mehr als der Hälfte davon soll es sich um die Omikron-Variante handeln.

Update vom 5. Dezember, 15.39 Uhr: Frühformen der Omikron-Variante dürfte es wohl schon sehr viel länger gegeben haben, als bislang angenommen*. Nach Angaben des deutschen Mit-Entdeckers der Mutante habe sich Omikron wohl schon „vor der Entstehung von Alpha und Delta als eigener Virustyp entwickelt“, so Wolfgang Preiser.

Omikron habe sich dann vermutlich über viele Monate weiterentwickelt, ohne aufgefallen zu sein.  „Die Frage ist: Wieso blieb Omikron so lange verborgen und legt erst jetzt los? Fehlten noch ein, zwei Mutationen, um sich schnell verbreiten zu können?“ Die bislang ältesten bekannten Nachweise der Variante stammen aus der ersten Novemberhälfte.

In Deutschland waren laut Robert Koch-Institut bis Mittwoch vier Fälle der Omikron-Variante durch Genomsequenzierung bestätigt - allesamt Reiserückkehrer aus Südafrika. Bei acht weiteren Fällen in Deutschland bestehe ein Verdacht auf die Variante. Experten gehen jedoch von einem bereits darüber hinausgehenden Vorkommen aus. 

Update vom 5. Dezember, 15.04 Uhr: Trotz seiner Sorge wegen der Omikron-Variante (siehe Erstmeldung) twitterte Karl Lauterbach (SPD) an diesem Wochenende auch gute Nachrichten zum Thema. „Zwei Dinge zur Zuversicht am 2. Advent“, schrieb der Epidemiologe am Sonntag. „Mit Schnelltests ist Omikron erkennbar. Mit einer Boosterimpfung ist ein schwerer Verlauf fast sicher vermeidbar. Daher sind wir auf dem richtigen Weg. Selbst, falls Omikron kommt.“

Update vom 5. Dezember, 14.58 Uhr: In Dänemark ist die Zahl der bestätigten Infektionen mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron sprunghaft auf mehr als 180 Fälle angestiegen. Mittlerweile seien 183 Infektionen mit der zuerst in Südafrika festgestellten Variante nachgewiesen worden, teilten die dänischen Gesundheitsbehörden am Sonntag mit. Das EU-Land hatte wegen der womöglich besonders ansteckenden Virusvariante kürzlich seine Corona-Schutzmaßnahmen ausgeweitet.

Erstmeldung vom 5. Dezember: Berlin - Neben Virologen und Epidemiologen beschäftigen sich auch Modellierer mit der aktuellen Pandemie*. Einer von ihnen ist Trevor Bedford, tätig am Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrum in Seattle. Auf seiner Liste natürlich auch die neue Corona-Mutation Omikron* – und er selbst auf der Twitter-Liste von Karl Lauterbach.

Über Omikron gibt es bislang wenig gesichertes Wissen, und auch der SPD*-Gesundheitsexperte hatte vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Am Samstag nun bedachte er Bedford mit einem Retweet. Der Biologe Bedford hält es für denkbar, dass Omikron die Immunisierung gegen bisherige Varianten* - je nach Szenario - zu einem nicht geringen Anteil umgehen könnte. Man spricht dabei auch von einer „Escape-Variante“ oder Immunflucht-Variante.

Lauterbach kommentierte Bedfords Grafik jetzt mit Hinblick auf die Impfquote von weniger als 70 Prozent in Deutschland: „So könnte es gehen mit Omikron. Wenn 30 Prozent der Bevölkerung nicht oder unzureichend geimpft wären, wenn Omikron kommt, gäbe es einen drastischen Anstieg der Fälle jenseits dessen, was wir bisher sahen. Daher impfen wir jetzt gegen die Zeit.“

Mit der Basisreproduktionszahl R0, die Bedford in seinem Tweet erwähnt, ist die Zahl der Menschen gemeint, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Der Wissenschaftler betonte aber jüngst im Gespräch mit dem US-Nachrichtenportal Vox, dass ein großer Faktor auch die Übertragbarkeit von Omikron ist. Angenommen, sie stellt sich als hoch heraus, dann wäre das vor allem für Ungeimpfte ein Problem.

„Es ist jedoch auch möglich, dass Omikron eine geringe Infektiösität hat, aber eine hohe Immunflucht.“ Das wäre dann auch ein Risiko für Geimpfte. „Dann wären auf Omikron abstimmte Booster-Impfungen* nötig.“

Große Hersteller wie Biontech* wollen ihre Corona-Impfstoffe daher modifizieren. „Der Anteil der Reinfizierten bei Omikron ist mehr als doppelt so hoch als bei der Delta-Variante und steigt“, twitterte Lauterbach außerdem am Wochenende.

Und: „Es ist gut, dass die Impfstoffe angepasst werden. Aber kurzfristig muss die massive Delta-Welle gebrochen werden. Die Impfstoffe dafür haben wir schon.“

Karl Lauterbach sitzt im November 2021 mit Mundnasenschutz in der Hand auf seinem Platz im Bundestag und hört der Debatte zu.
Kommuniziert viel über Twitter: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach © Political-Moments/Imago

Die britische Gesundheitsbehörde teilte nun am Freitag (3. Dezember) mit, dass bislang mehr als die Hälfte der dort registrierten Omikron-Ansteckungen Geimpfte betrafen: Von den 22 bislang bestätigten Infizierten hätten zwölf mindestens zwei Corona-Impfungen erhalten.

Allerdings lässt sich aus diesen Zahlen nicht darauf schließen, dass Geimpfte ein ähnlich hohes Risiko haben, sich mit Omikron zu infizieren wie Ungeimpfte. Je mehr Menschen in der Bevölkerung geimpft sind, desto mehr Geimpfte sind anteilsmäßig auch unter den Infizierten - selbst wenn der Anteil der infizierten Geimpften sehr gering ist.

Close-up aus dem Jahr 2019: Das neuartige Coronavirus unter dem Mikroskop
Mikroskop-Ansicht des Corona-Erregers, der mit Omikron jetzt eine neue Variante hat. © Yay Images/Imago

Auch unter den Infizierten der derzeit noch dominierenden Delta-Variante ist der Anteil der Geimpften an den Infektionen in Großbritannien oder Deutschland mittlerweile immer höher gestiegen - weil die Mehrheit der Menschen in diesen Ländern geimpft ist. In beiden Ländern haben knapp 70 Prozent der Menschen mindestens zwei Impfdosen erhalten. (frs mit Material von dpa und AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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