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Germany

Poesie für einen Berserker

Zu Beginn fühlte man sich fast in die Sphäre von Schönbergs „Verklärter Nacht“ versetzt. Keine Frage, die reduzierende Bearbeitung des Orchesterparts von Liszts A-Dur-Klavierkonzert für teils noch solistisch ausgedünnte Streicher (durch den Schweizer Komponisten Gilles Colliard) hat einen ganz eigenen suggestiven Reiz. Und das Orchestra della Svizzera Italiana unter Markus Poschner ließ den im Kölner philharmonischen Meisterkonzert auf durchaus gewinnende Weise lebendig werden.

Auf der anderen Seite geht eben viel an Intensität, Kolorit, differenzierender Klangfarblichkeit verloren, wenn statt des Horns nun auf einmal eine Bratsche zu hören ist. Kurzum: Mögen solche Bearbeitungen in der Musikgeschichte auch gang und gäbe sein – wenn man schon ein ausgewachsenes Sinfonieorchester zur Hand hat, erschließt sich der Sinn solchen Beginnens nicht vollends.

Und die Frage, ob der virtuos-ausladende Klavierpart den massiveren Widerpart strukturell vielleicht doch benötigt, ist damit noch gar nicht gestellt. Dass sie sich im Konzert selbst nicht direkt aufdrängte, lag auch an der überragenden Leistung der Solistin: Die georgisch-französische Pianistin Khatia Buniatishvili fügte sich exzellent in das kammermusikalische Umfeld ein – mit delikatester Tongebung, manierenfreiem Rubato, bezwingender Leichtigkeit, chopinhafter Grazie und substanzreichstem Pianissimo. Das Image des Tastenberserkers Liszt konnte man hier – wiewohl Buniatishvili manuell absolut souverän agiert – auf weite Strecken vergessen.

Dabei ist das Werk trotz seiner technischen Anforderungen nicht durchweg dankbar – selten genug etwa wartet der Solopart einmal mit einer schönen, sich aussingenden Melodie auf. Wenn das aber der Fall war, wurde die Philharmonie von einem unnachahmlichen poetischen Zauber erfüllt – genauso wie in der Zugabe, Debussys fragil, am Rand des Verstummens zelebriertem „Clair de lune“.

Das Orchester unter Poschners konzentriert-energiegeladener Leitung – der Dirigent ist Kölner Musikfreunden als Gastdirigent an der hiesigen Oper in der Krisenzeit des Laufenberg/Meyer-Übergangs noch in guter Erinnerung – steuerte zwei Rossini-Ouvertüren („L’italiana in Algeri“ und „Il barbiere di Siviglia“ als Zugabe) sowie Schuberts vierte Sinfonie bei. Vieles geriet da sehr schön, bühnennah, fesselnd durch einen herzhaft-kernigen Sound in allen Gruppen. Bei Rossini ließen sich die solistischen Bläser mit Lust und Laune hören. Und die Sinfonie – die den zwar vom Komponisten selbst stammenden, aber dennoch so unpassenden wie etwas spießbürgerlichen Beinamen „Die Tragische“ trägt – entflammte hier ein einer Weise, die man mit Schubert gemeinhin nicht assoziiert.

Nicht alles indes ist mit Druck und Drama gleich gut bedient. Schuberts Wiener Klangcharme, er blieb gelegentlich auf der Strecke.

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