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Reportage aus dem Süden der Ukraine: Kein Wasser für die Krim

Bilder und Lärm wie aus einem Action-Film: Eine Armada geht vor der Küste der Krim in Stellung, aus dem Maul eines Landungsschiffs rollen Panzerwagen auf den Strand. Schiffe beschießen Ziele an Land. Raketenwerfer, die an die „Stalin-Orgeln“ des Zweiten Weltkriegs erinnern, feuern Salven ins Schwarze Meer. Hubschrauber und Jets sind im Einsatz. So zeigte das Moskauer Staatsfernsehen Ende April den Höhepunkt der großen russischen Manöver rund um die Ukraine.

Gerhard Gnauck

Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

Die wochenlange Truppenkonzentration, begleitet von Äußerungen führender russischer Politiker über den angeblich bevorstehenden „Anfang vom Ende der Ukraine“, hatten dort und weltweit Besorgnis ausgelöst. Plante Moskau eine neue militärische Aktion gegen das Nachbarland? Oder wollte es „nur“ damit drohen?

Auf der Landbrücke, die vom ukrainischen Festland zur Krim führt, sieht man die von Russland 2014 annektierte Halbinsel aus der Ferne. Hier, östlich der Stadt Kalantschak, weidet Kostja seine Kühe. Der etwa 40 Jahre alte hagere Mann hat von dem Manöverlärm am anderen Ende der Halbinsel im April nicht viel mitbekommen. Die Steppenlandschaft ist in saftiges Grün getaucht, Gras und Getreide sprießen.

Für die Ukraine das Ende der Welt

Kostja steht mitten auf der Wiese, ein Stück weiter melkt eine Frau eine Kuh. Hier, nur einige hundert Meter von „Russland“ entfernt, deutet nichts auf irgendwelche Gefahren hin. Für Kostja war das größte Problem der letzten Monate, als eine seiner Kühe in die falsche Richtung lief: „Sie hat sich in einem Stolperdraht verheddert, dann ist eine Signalrakete aufgestiegen.“ Der ukrainische Grenzschutz kam angefahren und trieb die Kuh zurück.

Nahe der Trennlinie, mit der Russland die Krim gegenüber der Festland-Ukraine abgegrenzt hat, leben die Menschen heute wie am Ende der Welt. Nach Süden zur Arbeit zu fahren, etwa in das Titanwerk, dessen rauchende Schlote jenseits der Lagunen des Sywasch-Sees zu sehen sind, das geht nicht mehr. Einer der Anwohner arbeitet jetzt als Gabelstaplerfahrer in Polen. Die kleine Bahnstation Wadim ist 2014 zur Endstation geworden. Die Gleise, über die Fernzüge jeden Sommer Hunderttausende Touristen auf die Krim brachten, vor allem aus Russland, sind stillgelegt.

Bild: F.A.Z.

Damit auch ja kein Lokführer einen Fehler macht, ist das Leuchtsignal Richtung Krim auf Rot geschaltet. Auf einem Gleis rostet ein Zug Güter- und Tankwaggons vor sich hin; keiner der Anwohner vermag zu sagen, wie lange die Waggons hier schon stehen. Mit Stille, Verfall und Abgeschiedenheit erinnert die Gegend an das Zonenrandgebiet entlang der einstigen DDR-Grenze. Nur hin und wieder lässt das laute Knallen einer Platzpatrone den Besucher zusammenzucken: Zwischen den Häusern spielt ein Junge Cowboy.

Etwas weiter sind nahe der Straße Richtung Krim zwei neue Objekte zu besichtigen. Zum einen der nach 2014 eingerichtete Kontrollpunkt an der Straße nach „Russland“. Etwa 80 Meter tief gestaffelt stehen die ukrainischen Schlagbäume und Kontrollhäuschen, einige hundert Meter weiter beginnt dann der russische Kontrollpunkt.

Wie läuft die Arbeit heute? Ein ukrainischer Offizier telefoniert kurz und sagt dann, er dürfe nichts sagen. Aber „aus Solidarität“ ist er am Ende doch bereit, ein paar Fragen zu beantworten. „Wir haben null Kontakt zur anderen Seite“, so beschreibt er die Beziehung zwischen ukrainischen und russischen Uniformierten. Hat sich im April, als die Welt in Sorge war, hier am Übergang Kalantschak etwas geändert? Er lacht und zeigt auf sein iPhone. „Nur hier. Nur in den Medien hat sich was geändert.“ Ansonsten der übliche Betrieb.

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