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Rückblick: Erstes Festival 1985 auf Burg Ludwigstein

OPEN FLAIR

Rückblick: Erstes Festival 1985 auf Burg Ludwigstein

Verrückte Zeiten: Unter dem Titel „Die Provinz schlägt zurück“ firmierte das erste Open Flair 1985 auf Burg Ludwigstein. Als „sehr alternativ“ beschreibt ein Besucher der ersten Stunde die Premiere.

Vom 5. bis 9. August wäre Eschwege durch das Open Flair eigentlich im Ausnahmezustand gewesen. Corona macht alles anders. Wir erinnern an das Festival, das 2021 wieder wie gewohnt stattfinden soll.

Eschwege – Das erste Open Flair stand unter keinem guten Stern. Nach wochenlanger Hitze war am Wochenende vom 6. bis zum 8. September der Sommer auf einen Schlag beendet. Dauerregen, Temperaturen um 3 Grad Celsius in der Nacht und keinerlei Erfahrungen mit der Ausrichtung eines Festivals. Trotz des suboptimalen Starts war die Stimmung ausgelassen und verhinderte die bis heute dauernde Erfolgsgeschichte des Festivals nicht.

1300 Besucher kamen, als das Open Flair 1985 zum ersten Mal veranstaltet wurde. Von Beginn an dabei war Alexander Feiertag (55). Der Cheforganisator war 1985 Vorsitzender des Jugendzentrums Schlossmühle. Mit den Jugendlichen hatte er öfter kleinere Konzerte veranstaltet, bis sie sich sagten: „Wir wollen einmal im Jahr etwas Größeres machen.“ Die Bands der Erstauflage sagen nur Insidern noch etwas. Das heutige Publikum wird sie nicht kennen – die meisten waren damals nicht mal geboren. Flatsch, Embryo oder Louisiana Red gehörten zu ersten Künstlern. Als regionale Band war die Rotte Korah dabei. Manfred Mann’s Earth Band war der Topact. Kleinkunst wurde bei der Premiere nur untergeordnet angeboten, der Schwerpunkt lag auf der Musik. 180 ehrenamtliche Helfer packten bei der Premiere mit an. „Wir haben uns immer auch als politisches Festival verstanden“, urteilt Feiertag.

Ralph Nowag – heute Krimi-Autor – als Sänger der Eschweger Band Rotte Korah.

Auch Dr. Karl Kollmann, inzwischen pensionierter Stadtarchivar von Eschwege, war beim ersten Open Flair auf Burg Ludwigstein dabei – und hat seither kein Festival versäumt. An das erste Flair kann sich der Bischhäuser am besten erinnern – „weil es anders war als die anderen“. Es sei schon „sehr alternativ“ gewesen, vergleicht Kollmann es eher mit dem Hippie-Musikfestival auf Burg Herzberg.

Ein Feuerspucker bedeutete 1985 so etwas wie Kleinkunst.

Das erste Festival fällt auch noch unter die Kategorie „Erfahrungen sammeln“. Wegen des schlechten Wetters hat ein Großteil der Auftritte im Meißner-Saal stattgefunden. Der hatte nur einen Ausgang. „Für den Umbau der Bühne haben wir die Besucher per Megafon rausgeschickt“, erinnert sich Feiertag heute. Im Jahr danach wechselten die Veranstalter auf das Werdchen nach Eschwege – wegen der besseren Infrastruktur. Der Wechsel in die Kreisstadt war aber auch der Initiative des damaligen Archivleiters auf der Burg, Dr. Winfried Mogge, zu verdanken. Der habe, weiß Kollmann als damaliger Archivmitarbeiter, das Spektakel überhaupt nicht gewollt.

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