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Schlag gegen Familienclan: Großer Abschöpf-Angriff

Es war eine von langer Hand geplante konzertierte Aktion gegen kriminelle Mitglieder eines schon seit vielen Jahren berüchtigten Familienclans: Beinahe 70 Objekte vorwiegend in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Rheinland-Pfalz und Österreich durchsuchten die Beamten von Polizei und Steuerfahndung am Mittwochmorgen. Vier Männer im Alter zwischen 42 und 54 Jahren nahm die Polizei in Dortmund, Bergisch Gladbach, Monheim und Leverkusen fest. Sie werden verdächtigt, Banken und Sozialleistungsträger im großen Stil betrogen zu haben. Mit perfiden Maschen wie dem Enkeltrick sollen die deutschen Staatsangehörigen, die allesamt der seit den sechziger Jahren in Leverkusen ansässigen Roma-Familie G. angehören, gutgläubige Senioren um viel Geld gebracht haben – die Staatsanwaltschaft Köln schätzt im aktuellen Ermittlungsverfahren den Schaden allein in diesen Fällen auf etwa eine Million Euro.

Als Hauptverdächtiger gilt den Ermittlern ein 42 Jahre alter Mann, der mit dem Geld aus den Straftaten über Strohleute Immobilien gekauft haben soll. Der Mann hatte, wie viele andere Mitglieder des Clans, stets versichert, kein Vermögen zu besitzen und deshalb staatliche Transferleistungen bezogen. Mit Hilfe von Unterstützern erwarben die Clan-Mitglieder zudem mehrere Luxuskarossen. Auf diese Weise sei das durch die Straftaten erworbene Vermögen in den legalen Wirtschaftskreislauf eingebracht worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei in Köln mit. Allein am Hauptsitz der Familie, einem luxuriös ausgestatteten Mehrfamilienhaus in Leverkusen, stießen die Beamten auf drei Porsche-Sportwagen und einen Rolls Royce, die wie drei weitere Luxuskarossen und mehrere Immobilien, Schmuck und Bargeld beschlagnahmt wurden.

Um das System umfassend aufzuklären, durchsuchten die Ermittler auch Büros von Steuerberatern und eines Rechtsanwalts. Sie gelten als Unterstützer des Clans; gegen sie wird wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. „Ich freue mich, dass die Kölner Polizei in diesem Fall so konsequent gehandelt hat“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) dieser Zeitung. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Beamten unsere neue Null-Toleranz-Strategie inzwischen auch dann anwenden, wenn sie befürchten müssen, dass ein Einsatz anschließend zu politischen Diskussionen führen könnte.“

Die Fahnder haben die kriminellen Mitglieder der Leverkusener Großfamilie schon lange im Fokus. Vor drei Jahren mussten sich mehrere Clan-Mitglieder vor dem Landgericht Köln verantworten, weil sie Senioren mit Schockanrufen abgezockt hatten. Ein Banden-Mitglied gab sich am Telefon als Arzt aus, der den Senioren stets eine ähnliche, vermeintlich schreckliche Nachricht überbrachte: Ein naher Verwandter sei verunglückt. Höchste Eile sei geboten, weshalb Vorleistung in fünfstelliger Höhe nötig sei. Mehrere Mitglieder der Großfamilie wurden in den vergangenen Jahren verurteilt. Sonderlich beeindruckt zeigte sich der Clan allerdings bisher noch nach keiner staatlichen Maßnahme.

Das könnte sich nun ändern. Denn einen so herben Schlag wie am Mittwoch haben Polizei und Staatsanwaltschaft dem Clan bisher noch nicht zugefügt; womöglich besteht nun sogar die Chance, die kriminellen Strukturen auszutrocknen und damit das „Geschäftsmodell“ des Clans zu zerstören. Denn erstmals greifen die Ermittler nun auf einen erheblichen Teil des Clan-Vermögens zu: Allein die Luxuskarossen, die am Mittwoch beschlagnahmt wurden, sind 800000 Euro wert, die beschlagnahmten Immobilien sogar mehrere Millionen Euro. Möglich ist der große Abschöpf-Angriff durch ein im Juli in Kraft getretenes neues Bundesgesetz, mit dem die Strafverfolgungsbehörden ermächtigt wurden, häufiger als bisher Gewinne aus Verbrechen einzuziehen. Sie haben nun unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, ein Vermögen auch dann einzuziehen, wenn sie nicht sicher wissen, aus welcher konkreten Straftat es stammt.

Gleichwohl werden die Behörden auch im Umgang mit dem Clan der Familie G. noch viel Ausdauer brauchen. Zum einen ist die Familie weitverzweigt. Die exakten Verwandtschaftsverhältnisse sind für die Ermittler kaum zu durchschauen; allein schon die Abgrenzung zwischen kriminellen und nichtkriminellen Familienteilen ist schwer. Immer wieder entwickeln Mitglieder des Clans zudem neue kriminelle Ideen. Vor einem Jahr nahm die Polizei mehrere junge „Nachwuchs“-Kriminelle fest, die in Köln systematisch Taxi-Fahrer in eine Falle lockten, um sie in aller Ruhe ausrauben zu können.

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