"Wir sind jetzt gefordert": Martin Schulz bei seiner Rede auf dem Parteitag in Berlin.

(Foto: AFP)
  • Mit großer Mehrheit stimmt der SPD-Bundesparteitag für Gespräche mit CDU und CSU.
  • Ein Antrag der Jusos, der für einen Ausschluss der großen Koalition warb, findet keine Mehrheit.
  • Parteichef Schulz wird mit 81,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Die Delegierten auf dem SPD-Bundesparteitag haben sich für ergebnisoffene Gespräche mit der Union ausgesprochen. Nach stundenlanger Debatte stimmte eine große Mehrheit der 600 Delegierten für den entsprechenden Antrag der Parteispitze. Sie bestätigten außerdem Parteichef Martin Schulz mit 81,9 Prozent der Stimmen im Amt. Bei seiner ersten Wahl im März hatte er 100 Prozent der Stimmen erhalten.

Bereits nächste Woche will Schulz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer sprechen. Ergebnisoffen bedeutet, dass die Gespräche zu einer großen Koalition, einer Minderheitsregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) oder zu Neuwahlen führen können. Ein Antrag der Jusos, der für einen Ausschluss der großen Koalition warb, fand auf dem Parteitag in Berlin keine Mehrheit.

Schulz appelliert an die Partei

In einer 75 Minuten langen Rede hatte Schulz für Gespräche mit der Union geworben. "Wir sind jetzt gefordert", sagte er. "Wir müssen nicht um jeden Preis regieren, aber wir dürfen auch nicht um jeden Preis nicht regieren wollen." Er appellierte an die Verantwortung der Partei, jetzt und gegenüber der nächsten Generation. "Lasst uns zuerst sehen, welche Inhalte wir durchsetzen können, und lasst uns dann entscheiden, wie wir das tun", sagte Schulz.

Bei der anschließenden Aussprache wandte sich unter anderem Juso-Chef Kevin Kühnert gegen eine erneute große Koalition und erhielt dafür viel Applaus. "Die Erneuerung der SPD wird außerhalb einer großen Koalition sein oder sie wird nicht sein", sagte Kühnert. Es war nicht die einzige skeptische Stimme auf dem Parteitag, wobei die Parteispitze geschlossen für Gespräche warb.

Nach ihrem schlechtesten Ergebnis bei einer Bundestagswahl hatte sich die SPD im September eigentlich dazu entschlossen, in die Opposition zu gehen. Dann scheiterten nach fünf Wochen die Jamaika-Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grünen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die SPD dazu auf, ihre staatspolitische Verantwortung wahrzunehmen und mit der Union zu reden. Dafür ist nun der Weg frei.

Die Häutung des Martin Schulz

Er ist kein rhetorischer Künstler und kein Meister der Attacke. Aber der SPD-Chef zeigt auf dem Parteitag wie noch nie, was ihn im Innersten antreibt. Daraus wird ein großer Auftritt - egal, wie der Parteitag endet. mehr...

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