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So will Hamburg das Kraftwerk Wedel entschärfen

Das Heizkraftwerk Wedel soll in den kommenden Jahren deutlich weniger Treibhausgase ausstoßen. Der städtische Betreiber Wärme Hamburg will den jährlichen Ausstoß des Kraftwerks an Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahr 2025 um etwa 30 Prozent senken, von derzeit rund 1,1 Millionen Tonnen auf dann etwa 800.000 Tonnen.

Möglich werden soll das durch optimierte Betriebsabläufe in Wedel, einer teilweisen Verlagerung der Stromproduktion in das modernere Kraftwerk Tiefstack und durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Das sagten Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Michael Beckereit, technischer Geschäftsführer von Wärme Hamburg, am Montag.

Quelle: Infografik WELT

„Mit der Kohlereduktion setzen wir ein Zeichen. Wir zeigen, dass wir es ernst meinen mit dem Klimaschutz und der Wärmewende“, sagte Kerstan. Beckereit ergänzte: „Unter dem Strich ist die Maßnahme in Wedel mit CO2-Einsparkosten von circa zehn Euro pro Tonne pro Jahr eine vergleichsweise günstige Möglichkeit, Klimaziele zu erreichen, wenn wir dies als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen.“

„Unser kommunales Unternehmen verzichtet auf Einnahmen“, sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), „und leistet einen Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Wärmewende“

„Unser kommunales Unternehmen verzichtet auf Einnahmen“, sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), „und leistet einen Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Wärmewende“

Quelle: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Die Zukunft der Fernwärmeversorgung in Hamburg ist seit mehr als 15 Jahren heftig umstritten. Im vergangenen Jahrzehnt war das Großkraftwerk Moorburg am südlichen Hafenrand geplant und gebaut worden, um das Kraftwerk Wedel an der Landesgrenze von Hamburg und Schleswig-Holstein bei der Wärmeversorgung des Hamburger Westens zu ersetzen. Doch die Umweltorganisation BUND und Bürgerinitiativen verhinderten auf gerichtlichem Weg, dass Moorburg Fernwärme auskoppeln kann. Auch die Grünen in Hamburg hatten das Steinkohlekraftwerk Moorburg stets vehement bekämpft. Der Betreiber Vattenfall will das Kraftwerk, das erst 2015 in Betrieb gegangen war, im kommenden Jahr vom Netz nehmen. Darüber muss bis Ende dieses Jahres im Rahmen einer Stilllegungsauktion die Bundesnetzagentur entscheiden.

Die vielfältigen Querelen um Moorburg und um die Hamburger Energiepolitik führten dazu, dass das völlig veraltete Kraftwerke Wedel noch immer – voraussichtlich bis 2025 – für die Fernwärmeversorgung des Hamburger Westens in Betrieb ist. Neue Perspektiven ergaben sich, nachdem die Stadt Hamburg 2019 das Fernwärmenetz von Vattenfall übernommen hatte. Vorangegangen waren, nach dem Volksentscheid des Jahres 2013, bereits die Übernahme des Strom- und des Gasnetzes durch städtische Gesellschaften.

Nach einer Betriebsanalyse des Kraftwerks Wedel will Wärme Hamburg nun einen Teil der Strom- und Wärmeversorgung vom Kraftwerk Wedel auf das gasbeheizte Kraftwerk Tiefstack verlagern, das deutlich weniger Kohlendioxid ausstößt. Insgesamt soll die Stromerzeugung aus den beiden Heizkraftwerken allerdings auch so weit sinken, dass Hamburg dadurch Stromumsätze in Höhe von 1,5 Millionen Euro verloren gehen. „Unser kommunales Unternehmen verzichtet auf Einnahmen“, sagte Kerstan, „und leistet einen Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Wärmewende, der sowohl Hamburg als auch Schleswig-Holstein bei der Erreichung der Klimaziele hilft.“

Beckereit sagte dazu: „Die Einsparung von Kohle erfolgt durch ein detailliert von der Wärme Hamburg ausgearbeitetes Steuerungsprogramm, das unter Berücksichtigung von angestrebter CO2-Reduktion, Betriebs- und Belastungszustand der Anlage sowie der aktuellen Marktdaten die Fahrweise vorgibt. Die Reduktion durch die geänderte Fahrweise steht unter dem Genehmigungsvorbehalt des Bundeskartellamts.“

Die technologisch wichtigste Neuerung wird der Bau und die Nutzung eines neuen, strombetriebenen Wassererhitzers zur Erzeugung von Fernwärme sein, einer sogenannten Power-to-heat-Anlage. Mit zweimal 40 Megawatt Leistung wäre diese Anlage die größte ihrer Art in Deutschland. Gebaut und – für zunächst fünf Jahre – betrieben wird sie von Wärme Hamburg, der Netzbetreiber 50Hertz trägt die Investitionen von rund 30 Millionen Euro.

Diese Anlage ist, vereinfacht gesagt, ein großer Tauchsieder, der Wasser mithilfe von Strom erhitzt. Dafür soll vor allem Windstrom aus Schleswig-Holstein genutzt werden. Ein wesentlicher Teil dieses Stroms kann heutzutage an besonders windreichen Tagen nicht genutzt werden, weil sonst die Netze überlastet würden. Mit der Power-to-heat-Anlage schafft Wärme Hamburg eine wichtige neue Schnittstelle zu den Windparks im Norden und eine Speichermöglichkeit für Windstrom in Form von Fernwärme.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte am Montag zur geplanten Optimierung des Heizkraftwerks Wedel: „Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt für einen klimaneutralen Norden. Die Maßnahme darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kohlekraftwerk Wedel insgesamt so zügig wie möglich vom Netz gehen muss. Hier wünsche ich mir eine ambitionierte Planung und ein weiterhin entschlossenes Vorantreiben der Wärmewende in Hamburg.“

Komplett ersetzt werden soll das Kraftwerk Wedel von 2025 durch ein neues Netzwerk von dezentraler Wärmeerzeugung und -speicherung. Teil dieses sogenannten Energieparks Hafen sind eine Reihe von Wärmequellen, neben dem Heizkraftwerk Tiefstack unter anderem auch Industriebetriebe wie Aurubis, eine Müllverbrennungsanlage, Wärmepumpen und neue, kleinere Biogaskraftwerke innerhalb und außerhalb des Hafens. Im Hafen soll auch ein sogenannter Aquiferspeicher gebaut werden, um industrielle Abwärme von der Sommersaison bis zur Heizperiode zu speichern. „Die Reduzierung der Kohlemenge in Wedel ist ein erster wichtiger Schritt hin zum Kohleausstieg in der Wärme bis spätestens 2030“, sagte Kerstan.

Um den Hamburger Westen an dieses Energiesystem anzuschließen, muss eine neue Fernwärmeleitung durch die Elbe nach Othmarschen und Groß Flottbek gebaut werden. Das Planfeststellungsverfahren dafür läuft bereits. Ähnlich wie einst bei der sogenannten Moorburgtrasse, ist auch hier Widerstand von Anwohnern zu erwarten. Wärme Hamburg will gerichtliche Klagen gegen das Projekt mit intensiven Dialogen in den Stadtteilen verhindern, unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass die Wanderbaustelle für die Pipeline jeweils nur für sechs Wochen an einem Ort steht.

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