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Germany

SPD-Chef Martin Dulig (45) - „Zum 1. Mal geht’s so richtig um was“

Leipzig – In einem Gewerbegebiet in Markkleeberg hat Unternehmer Georg Brückner (50) einen Teil seiner Belegschaft als Begrüßungskomitee zusammengetrommelt. Auch eine Mitarbeiterin des Wirtschaftsministeriums, ein TV-Team und die Lokalzeitung sind da. Sie warten auf Martin Dulig (45).

Doch der sächsische Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister kommt zu spät. „Das Interview bei Radio PSR hat länger gedauert“, raunt die junge Frau aus dem Ministerium. Als Duligs im Dienstwagen dann erscheint, ist das trotzdem kein Problem. Der SPD-Spitzenkandidat ist hier offenbar kein Unbekannter. Unternehmer Brückner schätzt ihn: „Der macht einen guten Job!“

„Kreativtour“ nennt Dulig seine Rundreise. Mehrere Tage klappert er Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft ab – offiziell in seiner Funktion als Wirtschaftsminister. Dass das Wahlkampf pur ist, weiß natürlich jeder, sagt es aber nicht.

Brückners Handwerksbetrieb passt da gut ins Bild. Vom kleinen Tisch bis hin zur kompletten Ladeneinrichtung tischlern die 18 Mitarbeiter der „Innenausbau & Design GmbH“ so ziemlich alles von Hand. Dulig lässt sich die moderne Werkstatt zeigen, darf mit dem Schwingschleifer an einer Tischplatte aus Mammutbaumholz herumwerkeln. Schöne Bilder fürs TV.

Dulig auf dem Volksplatz in Borna
Dulig auf dem Volksplatz in BornaFoto: Anne Weinrich


Um Bilder geht’s auch im Anschluss. Dulig und sein Tross fahren zu Michael Fischer-Art nach Borna. Seit reichlich einem Jahr lebt und arbeitet der für seine knallbunten Werke berühmte Maler dort in einer alten Brikettfabrik. Fischer-Art begrüßt Dulig als „meinen Lieblingsminister“.

Das Ministerium hat ein kaltes Buffet mit Schnittchen, Obst und Hähnchenschenkeln im Atelier aufbauen lassen. Mehrere Kulturfunktionäre aus der Region sind dazugekommen, improvisieren eine Art Podiumsdiskussion und fachsimpeln über die Vernetzung der Kreativwirtschaft. Dulig widmet sich zunächst dem Buffet, versichert am Ende aber, dass die Belange der Kreativen bei ihm ganz oben stehen.

Martin Dulig legt bei einem Unternehmensbesuch selbst Hand an
Martin Dulig legt bei einem Unternehmensbesuch selbst Hand anFoto: Anne Weinrich


Dann noch ein Abstecher zum Volksplatz Borna – einer von einem Verein sanierten und betriebenen Freilichtbühne aus den 1930er Jahren. Dulig zeigt sich beeindruckt, lobt den Einsatz des Vereins, dann geht’s über Land. Ein Termin in Wurzen soll den Tag beschließen. Die Stadt an der Mulde wird von einem SPD-Mann regiert. Der zeigt ihm ein altes Fabrikgelände, wo sich nun – städtisch gefördert – kleine Firmen ansiedeln sollen.

Auf der Fahrt dorthin wird Duligs Anspannung spürbar. Es sei kein Geheimnis, dass der Bundestrend eine Bürde ist, sagt er. „Dabei geht es bei dieser Wahl zum ersten Mal seit 25 Jahren so richtig um was. Klar ist da die Anspannung groß“. Auf der Zielgerade wolle man noch mal personalisieren, auf ihn selbst und auch auf Petra Köpping. Denn die sächsische Integrationsministerin kommt gut an bei den Leuten. Ihre Bewerbung als SPD-Vorsitzende ließ aufhorchen, gehört offenbar zum Wahlkampfkonzept.



Als Spitzenkandidat verrichtet Dulig, der studierte Sozialpädagoge, seit Monaten öffentlichkeitswirksam alle möglichen Jobs. Putzt Toiletten, trägt Koffer, schuftet im Stahlwerk. Ein Politiker guckt sich an, wie Arbeiten geht, lästern einige. Die Bilder sind auch hier hübsch, die Zahlen freilich nicht: Umfragen sehen Dulig zuletzt bei nur noch 8 Prozent.

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