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Standortvorteil Großstadt: deutliche Stadt-Land-Unterschiede bei Fachkräfteengpässen im Mittelstand

KfW

Frankfurt am Main (ots)

   - Fachkräfteengpässe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) 
     in den Großstädten weniger ausgeprägt als in den Landkreisen
   - Mehr Pendler und zugezogene Beschäftigte in den Städten
   - Städtische KMU suchen Fachkräfte öfter überregional
   - Finanzielle Anreize und flexible Arbeitsbedingungen als 
     Lockmittel 

Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mangelt es durch den Arbeitsmarktboom der vergangenen Jahre an Bewerbern. Zwei Drittel der KMU, die in den nächsten drei Jahren Fachkräfte einstellen wollen, befürchten Probleme. Bei den Fachkräfteengpässen gibt es deutliche Stadt-Land-Unterschiede: Während 54 % der KMU mit Sitz in kreisfreien Großstädten (mind. 100.000 Einwohner) mit Schwierigkeiten rechnen, erwarten 70 % KMU mit Sitz in Landkreisen Rekrutierungsprobleme. Dies zeigt eine Analyse von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 2018.

KMU in Großstädten sind offenbar im Wettbewerb um knappe Fachkräfte erfolgreicher. Ein Grund ist der geografische Standortvorteil: Städte sind für viele Arbeitnehmer attraktiver. Eine Zusatzbefragung im repräsentativen KfW-Mittelstandspanel zeigt, dass großstädtische Unternehmen häufiger Arbeitnehmer aus anderen Regionen anziehen. Den Arbeitgebern kommt dabei auch die vorhandene Verkehrsinfrastruktur zugute: 44 % der KMU mit Sitz in kreisfreien Großstädten haben Pendler in der Belegschaft (mit mindestens 30-minütigem Arbeitsweg). Das trifft nur auf 26 % der KMU in den Landkreisen zu. Auch berufsbedingte Umzüge gehen öfter in Richtung Stadt. Dort haben 19 % der KMU Angestellte, die extra für den Job zugezogen sind. Auf dem Land sind es nur 10 %.

Die größere Anziehungskraft auf überregionale Fachkräfte ist aber nicht nur ein städtischer Standortvorteil, sondern offenbar auch auf größere Anstrengungen zurückzuführen. Insgesamt sucht ca. ein Viertel der KMU aktiv Fachkräfte aus anderen Regionen. Dieser Anteil ist in den kreisfreien Großstädten mit 37 % deutlich größer als in den Landkreisen (20 %). Der Stadt-Land-Unterschied in den Rekrutierungsbemühungen ist umso größer, je weiter die gesuchten Fachkräfte entfernt sind: Städtische KMU suchen 50 % häufiger in Nachbarstädten/-Kreisen, doppelt so häufig deutschlandweit und mehr als dreimal so häufig international.

Im überregionalen Wettbewerb um Fachkräfte setzen 44 % der einstellenden KMU auf flexible Arbeitsbedingungen, z. B. bei Arbeitszeiten oder mit Heimarbeit und mobilen Arbeitsgeräten. Insgesamt 54 % bieten finanzielle Zusatzleistungen: Jeweils gut ein Fünftel erstattet (zumindest anteilig) Wohn- oder Fahrtkosten, ein Drittel übernimmt Umzugskosten. Hilfestellung bei der Suche nach einer Wohnung, Kinderbetreuung oder einer Arbeitsstelle für Familienangehörige leistet ein Viertel der KMU. Diese Vermittlungsdienste bieten städtische KMU häufiger an - schließlich ist das Wohnungs- und Betreuungsangebot dort meist knapper.

"Die Kehrseite des langjährigen Arbeitsmarktbooms sind Fachkräfteengpässe im Mittelstand. In den Großstädten sind die Probleme allerdings kleiner als auf dem Land. Denn städtische Arbeitsmärkte sind buchstäblich attraktiver, die Fachkräfte kommen täglich mit dem Auto und der S-Bahn - oder gleich mit dem Umzugslaster. Den Unternehmen in den Großstädten fallen Pendler und Zugezogene aber nicht einfach als Standortvorteil in den Schoß. Sie bemühen sich auch häufiger aktiv um Fachkräfte aus anderen Regionen und Ländern - unter anderem durch Hilfe bei der Suche nach knappen Wohnungen und Kitaplätzen", sagt Dr. Arne Leifels, Ökonom bei KfW Research.

Direktlink zur Publikation von KfW Research: http://ots.de/M7nkSS

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