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Germany

Steuerpflicht: „Zufällig-Amerikaner“ verlieren ihr Konto

Wer einen amerikanischen Hintegrund hat, ist oft auch dort steuerpflichtig – obwohl er Deutscher ist. Bild: Reuters

Europäer, die in Amerika geboren wurden oder einen amerikanischen Elternteil haben, sind oft auch dort steuerpflichtig – und wissen es meistens nicht. Das wird jetzt zum Problem.

Viele ahnen gar nicht, dass sie in den Vereinigten Staaten steuerpflichtig sind: Menschen, die immer in Deutschland gelebt haben, deren einer Elternteil aber Amerikaner ist; vielleicht ein in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg stationierter Soldat. Oder Leute, die während eines kurzen Aufenthalts der Eltern in den Vereinigten Staaten geboren wurden. Solche Menschen werden „Zufällig-Amerikaner“ genannt. Sie haben oft nicht einmal einen amerikanischen Pass. Seit Jahren aber haben sie Ärger mit ihrer Bank in Europa. Dieser Stress nimmt nun noch einmal deutlich zu, beobachtet Daan Durlacher, der in den Niederlanden die Organisation American Overseas gegründet hat, die in Europa lebenden Amerikanern in Steuerfragen hilft. Bei ihm melden sich täglich auch Leute aus Deutschland, denen ihre Bank den vollständigen Rauswurf innerhalb weniger Wochen angedroht hat.

Bisher ging es um vor allem um Wertpapierkunden. 2010 haben die Vereinigten Staaten das Gesetz Fatca (Foreign Account Tax Compliance Act) erlassen. Es verpflichtet alle in Amerika Steuerpflichtigen, ihre Auslandsbankverbindung den amerikanischen Steuerbehörden zu melden. Vielen in Europa lebenden Menschen ist aber gar nicht bewusst, dass sie Amerikaner sind und deshalb unabhängig von ihrem Wohnort zusätzlich auch in den Vereinigten Staaten steuerpflichtig sind. Um diese (nicht selten unbewusste) Steuerhinterziehung zu bekämpfen, haben die Vereinigten Staaten später mit europäischen Staaten Abkommen geschlossen. Demnach müssen deutsche Banken und Sparkassen seit Juli 2014 jeden Kunden mit Steuerpflicht in Amerika melden.

Verlust des Bankkontos droht

Konto- und Depotsalden, Zinsen, Dividenden und weitere Erträge gehen von den Banken an das Bundeszentralamt für Steuern, das diese Daten gebündelt an die amerikanische Finanzverwaltung weiterleitet. Nur so verhalten sich deutsche Banken und Sparkassen gesetzeskonform. Jedoch ist es auch für die Finanzinstitute schwer zu erkennen, ob ein Kunde einen Amerika-Bezug hat, der ihn steuerpflichtig macht. Wer im Pass einen Geburtsort in den Vereinigen Staaten stehen hat oder über eine Postanschrift in den Vereinigten Staaten verfügt, wird inzwischen von vielen Banken und Sparkassen als Neukunde abgelehnt – der bürokratische Fatca-Aufwand ist ihnen schlicht zu groß ist. Schwerer tun sich Banken mit ihren Bestandskunden. Doch einmal im Jahr prüfen Bankaufseher, ob die Regeln eingehalten werden („Compliance-Prüfung“).

Die Commerzbank hat so reagiert: Seit diesem Jahr darf bei ihr kein in Amerika Steuerpflichtiger mehr ein Wertpapierdepot als Selbstentscheider führen. Vielmehr trifft die Bank nun zu höheren Kosten die Wertpapierauswahl und entscheidet über Käufe und Verkäufe – nicht mehr die Kunden. Damit soll sichergestellt werden, dass nur Fonds und Zertifikate gekauft werden, die in Amerika zugelassen sind. Das erscheint der Commerzbank die einzige Möglichkeit zu sein, die aufwendigen Regeln sicher und effizient zu erfüllen.

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Die Vereinigten Staaten aber ziehen nach Angaben von Durlacher die Regeln zum 1. Januar 2020 noch einmal an. Vielen Kunden mit Amerika-Bezug droht deshalb sogar der Verlust des Bankkontos und damit der Ausschluss vom Zahlungsverkehr. Denn in der nächsten Compliance-Prüfung müssten die deutschen Banken von allen ihren Kunden mit Amerika-Bezug eine sogenannte Social Security Number vorweisen, sagt Durlacher. Diese Sozialversicherungsnummer dient in den Vereinigten Staaten auch zur Steueridentifikation. Die Social Security Number bekommt man aber nicht einfach so. Durlacher schätzt, dass 60 Prozent der Amerikaner in Europa diese Nummer nicht haben. Dazu zählten eher weniger die von Unternehmen nach Europa geschickten Manager und ihre Familien, sondern eben Leute, die nie in den Vereinigten Staaten gelebt, geschweige denn gearbeitet haben und nicht ahnen, dass sie dort steuerpflichtig sind. Diese Menschen fühlten sich auch von den Briefen ihrer Bank nicht angesprochen, beobachtet er.

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