Weil er seine Stieftochter in einer Vielzahl von Fällen missbraucht hat, ist Jens H. (45) aus Berlin-Marzahn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den geständigen Mann am Donnerstag des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 68 Fällen sowie des Verschaffens von Kinderpornografie schuldig.

Das Mädchen sei bei den Übergriffen in der Wohnung des Angeklagten zwölf Jahre alt gewesen und habe damals teilweise bei ihm gewohnt, hieß es im Urteil. Einige Taten habe der Mann gefilmt.

Zu Prozessbeginn sagte die heute 22-Jährige aus: „Er berührte mich, wo man nicht berührt werden möchte.“ Und weiter: „Immer, wenn wir allein waren. Ich war erst zwölf! Als er auszog, musste ich zu ihm ziehen. Mutter wollte das so, sie meinte, ich würde mich bei ihr nicht benehmen. Er wollte immer mehr von mir. Fasste mich an, zog mich aus. Machte mit mir, was er wollte. Nach dem ersten Mal kaufte er mir zum Trost die Twilight-Bücher… Danach passierte es eigentlich jeden Tag. Ich hatte Angst, schwanger zu werden. Ich probierte, es Mutter zu erzählen. Es war ihr egal …Da war niemand, mit dem ich reden konnte. Er hat auch Filme davon gemacht.“

Viele der Fälle verjährt

Die Anklage war zunächst von 498 Übergriffen in der Zeit von Juli 2010 bis Mai 2012 ausgegangen. Mehrere Fälle wurden bereits zu Beginn der Verhandlung eingestellt – unter anderem wegen Verjährung. Zudem sei im Prozess unklar geblieben, wie oft sich das Mädchen bei dem Angeklagten aufgehalten habe, sagte die Vorsitzende Richterin. Das Gericht habe sich bei der festgestellten Anzahl der Fälle auf die Angaben der heute 22-Jährigen sowie des Stiefvaters gestützt.

Lesen Sie auch

► Marzahner (45) missbraucht Stieftochter 498 Mal, aber die Justiz versagt

Der nicht vorbestrafte H. hatte erklärt, er sei von einer „Liebesbeziehung“ ausgegangen und bedauere sein Verhalten zutiefst. Er habe damals getrennt von der Mutter des Mädchens gelebt. Bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe er sich im August 2012 in eine Therapie begeben und den Kontakt zu seiner Stieftochter abgebrochen.

In dem Verfahren habe es rechtsstaatswidrige Verzögerungen gegeben, hieß es weiter im Urteil. Zur Kompensation gelten demnach acht Monate der nun verhängten Strafe als vollstreckt. Obwohl die Vorwürfe 2012 bekannt wurden und der nicht inhaftierte Mann gestanden hatte, wurde den Angaben zufolge erst Anfang 2017 Anklage erhoben. Wegen vorrangiger Haftsachen seien danach bis zur Hauptverhandlung wiederum Jahre vergangen.

Die Staatsanwältin hatte auf sechs Jahre Gefängnis plädiert. Die Verteidigerin stellte keinen konkreten Antrag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.