Überwachungskameras sollen Straftäter abschrecken. Doch in Brandenburg ziehen sie Kriminelle offenbar magisch an.

In den videoüberwachten Bereichen stieg die Zahl der Straftaten 2018 an. In den angrenzenden Bereichen und den gesamten Städten ging die Kriminalität dagegen zurück. Das zeigt der neue Datenerhebungs-Bericht des Innenministers.

Beispiel Potsdam: Am videoüberwachten Hauptbahnhof schlugen Straftäter 367 mal zu – Rekord! 2017 wurden dort nur 227 Taten gezählt. Körperverletzungen unter den Augen der Kameras nahmen um 55 Prozent zu, Fahrraddiebstähle um 93 Prozent!

Als Grund nennt die Polizei die Entwicklung Potsdams zur Fahrradstadt, deshalb würden mehr Räder geklaut. Doch die stehen auch im nicht überwachten Bereich rund um den Bahnhof. Dort ging die Zahl der Straftaten jedoch von 1693 auf 1417 zurück. Ohne Kameras.

Der Hauptbahnhof in Potsdam ist auch ein Einkaufszentrum (Foto: Michael Sauerbier)
Der Hauptbahnhof in Potsdam (Foto: Michael Sauerbier)

Das gleiche Bild in Frankfurt (Oder): Im überwachten Bereich nahe der Grenzbrücke gab es 40 Straftaten, 2017 nur 28. Auch hier gingen die Delikte außerhalb des Kamerawinkels zurück, in ganz Frankfurt um 12 Prozent.

Die Polizei erklärt das mit Schlägereien unter jungen Zuwanderern, die sich 2018 im Kamerabereich trafen. Nun habe sich die Lage beruhigt. Zahlen gibt es nicht.

Vor der Cottbuser Stadthalle wurden die Kameras 2018 erstmals eingesetzt. Dort gab es 414 Straftaten. Im Vorjahr waren es nur 172!

„Da die Kameras Straftäter nicht abschrecken,“ sagt Polizeisprecher Torsten Herbst, „setzen wir seit 2019 auf verstärkte Streifen.“ An der Video-Überwachung hält die Polizei trotzdem fest. Sprecher Herbst: „Weil man mit den Aufzeichnungen später Täter überführen kann.“

Autobahn-Kameras knipsen weiter

Die automatische Kennzeichen-Erfassung und -Speicherung an Brandenburgs Autobahnen geht weiter. Obwohl sie laut Datenschutzbehörde in Teilen rechtswidrig ist.

Der Landtag lehnte am Mittwoch einen Antrag der Linken auf Sofort-Stopp der Speicherung ab. Innenminister Michael Stübgen (60/CDU): „Ein Ermittlungsabbruch würde nur die Verbrecher freuen!“

Aber: Viele der 40 Millionen gespeicherten Daten werden gelöscht. Stübgen: „Ich teile die Kritik an der großen Datenwolke, will die Datenschutz-Bedenken ausräumen.“