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Stuttgarter Unternehmen will 7000 Palästinenser ausbilden

Es ist schon ein paar Jahre her, als der Unternehmer Frank Müller für ein Sabbatjahr ins Heilige Land ging. Als Freiwilliger arbeitete er in der Ost-Jerusalemer Dependance des YMCA, einem Verein christlicher Menschen. Er organisierte dort die IT und kam mit palästinensischen Informatikstudenten in Kontakt. Heute führt Müller den Stuttgarter Software-Dienstleister Axsos mit einem Umsatz von siebeneinhalb Millionen Euro im Jahr, ist mit einer Palästinenserin verheiratet und unterhält längst eine Dependance in Ramallah. Dort sind rund fünfzig seiner insgesamt 120 Mitarbeiter beschäftigt.

Jochen Stahnke

Jochen Stahnke

Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

Müller ist kein Entwicklungshelfer, er geht unternehmerisch vor. Der Chef der Axsos-IT-Entwicklungsabteilung etwa ist ein Palästinenser, und Ramallah macht mittlerweile rund zwei Millionen Euro des Gesamtumsatzes aus. Die meisten Kunden von Axsos, das Datenbanken und IT-Infrastruktur für Unternehmen und Verbände anbietet und sich um Schutz von Netzwerken kümmert, sitzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Vor drei Jahren besuchte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) das Unternehmen in Ramallah. Und mittlerweile ist auch der palästinensische Ministerpräsident Muhammad Shtajjeh auf das Stuttgarter Unternehmen aufmerksam geworden, mit dem jetzt eine gemeinsame IT-Ausbildung konzipiert wurde: An diesem Donnerstag gab Shtajjeh den Beginn eines von Axsos geführten Ausbildungsprogramms zum Softwareentwickler bekannt. „Wir wollen, dass Technologie neue Möglichkeiten für unsere Jugend eröffnet“, sagte Shtaje bei der Vorstellung des Projekts vor Journalisten. „Wir wollen mehr im IT-Bereich arbeiten, um international aufzuholen.“

400 Bewerber auf eine Stelle

Ab August sollen zunächst sechzig Palästinenser innerhalb von vier Monaten zu Softwareentwicklern fortgebildet werden. Das Ziel ist die Ausbildung von insgesamt siebentausend Palästinensern in den kommenden drei Jahren.

Frank Müller betont, dass die Teilnehmer des Lehrgangs sich an den Kosten mit rund fünfhundert bis tausend Euro selbst beteiligen müssen, auch um die Motivation und den Durchhaltewillen der Teilnehmer an der Ausbildung zu erhöhen. Müller spricht von Tausenden arbeitslosen palästinensischen Ingenieuren, auch ihnen steht das Programm offen. Den größten Teil der Kosten verspricht die palästinensische Regierung zu tragen.

Das Logo der IT-Firma Axsos vor dem Sitz des Unternehmens in Stuttgart-Möhringen

Auch Shtajjeh hat erkannt, dass er die palästinensischen Gebiete wegen der hohen Infrastruktur- und Lebenshaltungskosten niemals als Niedriglohnland an den Weltmarkt bringen könnte. Höhere Qualität ist Ramallahs erklärtes Ziel, um Konkurrenzfähigkeit herzustellen. Bei der Vorstellung des Projekts sprach Shtajjeh davon, den Sektor der Software-Dienstleistungen ausbauen zu wollen. Mit der israelischen Spitzentechnologie kann Ramallah allerdings nicht ansatzweise mithalten, gleichwohl arbeiten palästinensische Softwareentwickler auch für Unternehmen in Israel. Demnächst plant auch Axsos einen israelischen Ableger in Jerusalem. 

Müller sagt, in Deutschland sei der Markt an guten Softwareentwicklern abgegrast. „Viele Firmen lagern Geschäftsbereiche aus, das klappt nicht immer“, meint Müller, „in Osteuropa ist die Unternehmenskultur beispielsweise ruppiger“. In Ramallah hebt er Gastfreundschaft und die Ausbildungs- und Qualitätsstandards hervor, denn die Kostenseite sei gar nicht so viel günstiger als in Deutschland. Und es gibt Arbeitskräfte: Axsos-Landesdirektor Jamil Isajjed sagt, auf eine Stellenanzeige seines Unternehmens bewerben sich manchmal vierhundert Palästinenser. 

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