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Täter denken sich stets neue Tricks aus

Tipps gegeben: Ralph Dziemba (links) und Herbert Deters.

Tipps gegeben: Ralph Dziemba (links) und Herbert Deters. (Jörn Hildebrandt)

„Im Jahr 2018 gab es in Bremen 1439 Einbrüche in Gebäude, zwei Jahre zuvor waren es noch etwa doppelt so viele gewesen. Im Bereich des Polizeikommissariats Süd kam es 2018 zu 399 Einbrüchen“, teilt Ralph Dziemba, Leiter des Polizeireviers Neustadt und Referatsleiter beim Kontaktdienst Süd, mit. Zusammen mit seinem Kollegen Herbert Deters referierte er jetzt im Quartierszentrum Huckelriede über Präventionsmaßnahmen – zum einen gegen Einbruch, zum anderen gegen Trickbetrug. In beiden Fällen sind vornehmlich Senioren die Zielgruppe.

„Die Zahl der Einbrüche ist wohl deshalb zurückgegangen, weil inzwischen viele Leute besser gewappnet sind“, sagt Dziemba. Dazu trage vor allem ein verbesserter technischer Schutz vor Einbrüchen bei, seien es Tür- oder Fensterverriegelungen oder die Möglichkeit, das Haus per Smartphone überwachen zu lassen. Trickbetrüger erscheinen als falsche Handwerker sowie angebliche Nachbarn, Enkel und Polizeibeamte. „Kriminelle Handlungen vor allem an älteren Menschen haben stark zugenommen, wobei sich die Täter immer neue Tricks einfallen lassen“, sagt Ralph Dziemba. „Neuerdings geben sich einige Täter auch als Pflegekräfte aus und stehlen während der Anwesenheit in der Wohnung Geld oder Wertgegenstände.“ Viele Täter bringen Senioren um ihr gesamtes Vermögen, wie im Fall einer Seniorin aus Grolland, der 950 000 Euro abhandenkamen. „Die Betrüger nutzen oft die Hilflosigkeit und Freundlichkeit der Senioren und auch deren soziale Situation aus“, stellt Kontaktpolizist Herbert Deters fest. Hinzu komme, dass immer mehr Menschen große Mengen Bargeld zu Hause horten.

Weil viele Senioren allein leben und nur eingeschränkt mobil sind, sei es besonders schwer, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Deshalb bezieht die Polizei mehr und mehr Netzwerker ein, die alleinstehende alte Menschen aufsuchen. Wir versuchen auch, die Angehörigen zu erreichen“, sagt Ralph Dziemba. Zwei Teilnehmer am Präventionsabend der Polizei berichten, dass in ihrer Wohnung eingebrochen wurde. „Wegen des Eindringens in die Privatsphäre hat man hinterher oft ein sehr ungutes Gefühl“, sagt Dziemba, „denn oft werden Erinnerungsstücke mitgenommen, die sich durch Geld nicht ersetzen lassen.“

DNA-Markierung empfehlenswert

Gegen einen Einbruch helfen zunächst Verhaltensmaßnahmen: „So oft wie möglich die Haustür abschließen, und keine Schlüssel draußen verstecken“, rät Herbert Deters. „Gekippte Fenster sind offene Fenster. Und wenn man in den Urlaub fährt, signalisieren ständig geschlossene Rollläden Abwesenheit.“ Häufig würden gewiefte Einbrecher die Straßen abgehen und auskundschaften, in welchen Wohnungen niemand zu Hause ist. „Die meisten Einbrüche geschehen nicht nachts, sondern tagsüber“, stellt Ralph Dziemba fest, „zum Beispiel, wenn die Leute zur Arbeit oder beim Einkaufen sind.“

Ein sehr gutes Mittel, um potenzielle Täter abzuschrecken, sei die DNA-Markierung. Mit einer Flüssigkeit lassen sich wertvolle Gegenstände wie Laptops oder Gemälde kennzeichnen. Durch einen eindeutigen Code in mikroskopisch kleinen Metallplättchen in der Flüssigkeit lasse sich der Eigentümer der Wertsachen später eindeutig zuordnen. Die Hinweisschilder auf eine DNA-Markierung lassen sich am Fenster anbringen.

Mittlerweile gibt es zahlreiche kostengünstige Möglichkeiten zum Schutz vor Einbrüchen: von Zusatzschlössern für Fenster und Türen bis hin zu Meldeanlagen und Videoüberwachung. Smart-Home-Lösungen eignen sich besonders zur Simulation von Anwesenheit, indem das System zum Beispiel durch Rollladen- und Lichtsteuerung ein bewohntes Haus vortäuscht. Am besten sei es jedoch, Fremde gar nicht erst in die Wohnung zu lassen. Handwerker sollten erst ihren Firmenausweis und Amtspersonen ihren Dienstausweis vorzeigen. „Glaube nichts und prüfe alles“ sei die Devise, um Tricktäter zu erkennen und sich vor ihren Straftaten zu schützen.

Weitere Informationen

Tipps zur Einbruchsprävention gibt es im Internet unter www.polizei.bremen.de. Dort findet sich auch ein Einbruchradar, das jede Woche aktualisiert wird. Kostenlose Beratungen bietet das Präventionszentrum der Polizei Bremen, Am Wall 195, an. Das Büro ist unter Telefon 36 21 90 03 erreichbar.