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Toni Kroos: Der coolste Künstler

Zu allererst wurde Robin Koch nach der Kanzlerin gefragt. Am Donnerstagabend hatte es eine Schalte zwischen Berlin und Herzogenaurach gegeben, was Koch tags darauf davon zu berichten wusste, ging aber kaum über ein paar höfliche Worte hinaus. Etwas später wurde Koch dann nach Toni Kroos gefragt. Ob es wirklich so schwer sei, ihm den Ball abzunehmen. Da wurde der Abwehrspieler von Leeds United, der bei seinem ersten Turnier mit der Fußball-Nationalelf dabei ist, sehr konkret. Ja, das sei nicht nur so, wenn man Kroos von oben sehe.

„Toni ist für mich der Spieler, der am schwersten vom Ball zu trennen ist“, sagte Koch, und man konnte das in seinen Worten regelrecht spüren. „Er behält immer die Ruhe. Du kannst ihn auch anspielen, wenn er drei Gegner um sich hat, er bringt immer noch den richtigen Pass. In der Form habe ich im Vereinsleben oder sonst nie einen Spieler gesehen, der in diesem Bereich so gut ist.“

Hüter des Balls

Wenn es um die Spielweise von Kroos geht, wird die Beschreibung manchmal auf dessen Passkunst verengt, jene Seitenwechsel zum Beispiel, die über 40, 50 Meter fliegen und zentimetergenau vor dem Fuß des Mitspielers landen, oder die Kurzpässe, jene Impulse die mit metronomischer Präzision den Takt bestimmen können, spanische Schule, von einem Deutschen, der das Fußballspielen in Greifswald gelernt hat, zur Exzellenz gebracht.

Aber das wäre alles eben nur die halbe Wahrheit. Es geht im Spiel von Kroos nicht darum, was er mit dem Ball macht, sondern darum, unter welchen Umständen er das tut. Dass jeder Ball bei ihm gut aufgehoben ist. Es ist eine Qualität, die Gold wert sein kann für eine Mannschaft. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel war auch so ein Hüter des Balles, und vielleicht war das für den WM-Sieg 2014 genauso wichtig wie der Kampfgeist, der ihm im Finale blutige Spuren eintrug: ein großer Bruder, auf den man sich verlassen kann, wenn Gefahr im Verzug ist.

Am Dienstag bekommen die Deutschen es zum Auftakt der EM mit den gefährlichsten Jungs zu tun (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, im ZDF und bei MagentaTV), die es im Weltfußball gibt. Der 31 Jahre alte Kroos sprach über das Duell mit den Franzosen am Freitag im Quartier in Herzogenaurach in einer Art und Weise, die man von ihm kennt, unter seinen 102 Länderspielen müsste man schon nach ziemlich frühen suchen, um – vielleicht – so etwas wie Aufregung bei ihm zu entdecken.

Er berichtete, wie seine Kollegen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkt in den Tunnel tauchten, manche schon zwei Tage vorher, manche ein, zwei Stunden vor dem Spiel, manche in dem Moment, wenn es losgeht. Wie das bei ihm sei, sagte er, „kann sich der eine oder andere ja denken“. Man könnte auch sagen: Es gibt keinen Gegner, den Kroos fürchtet, auch nicht die Franzosen, selbst wenn die der „Topfavorit“ seien. „Ich werde nie ein Turnier beginnen mit dem Gedanken, dass eine knappe Niederlage auch okay wäre. Wenn das hier irgendwann so ist, dann komme ich nicht mehr.“

„Mein Gefühl ist ganz gut“

Was Kroos aber durchaus fürchtet, ist, wenn die eigene Rolle falsch eingeschätzt wird. So wie vor der WM 2018, als er schon im März das Gefühl hatte, die Mannschaft werde „besser gemacht als sie ist“. Im Trainingslager vor der missratenen Russland-Exkursion sollte er in einem Fragebogen darauf antworten, wer der größte Gegner bei dem Turnier sein werde. Er sagte: Vielleicht sind wir das selbst.

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