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Transfer-Wahnsinn: Barcelonas unmoralisches Angebot für Neymar

100 Millionen Euro und zusätzlich zwei Klassespieler bietet der FC Barcelona für die Rückkehr von Neymar. Paris St. Germain beteuert, noch kein akzeptables Angebot zu haben. Das Profi-Fußball-Geschäft läuft immer mehr aus dem Ruder.

Vor einer Woche hat der FC Barcelona Antoine Griezmann verpflichtet. 120 Millionen Euro ließ sich der Klub den Wechsel des französischen Weltmeisters kosten. Damit war der Hunger (soll man sagen: die Gier?) des spanischen Meisters aber noch nicht gestillt. Er will offenbar unbedingt den Brasilianer Neymar von Paris St. Germain zurückholen. 2017 verließ Neymar Barcelona. Mit einer Ablösesumme von 222 Millionen Euro wurde er der teuerste Spieler der Welt.

Der Wechsel war möglich, weil die Scheichs aus Katar, denen der Klub Paris St. Germain gehört, die Gesetze der Europäischen Fußball-Union (Uefa) austricksten. Weil die Klubs nur fünf Millionen Euro mehr ausgeben dürfen, als sie in den zurückliegenden drei Jahren eingenommen haben, stellten die Scheichs Neymar als Botschafter ihrer WM-Bewerbung ein und überwiesen ihm für diesen virtuellen Dienst ein Honorar von 222 Millionen Euro. Damit bezahlte der Spieler seinen Wechsel selbst, und die Uefa nickte das ab.

Der FC Barcelona hegt zwar äußerst freundschaftliche Beziehungen zum Staat Katar, der Schriftzug der „Quatar Foundation“ zierte sogar mal das Trikot, aber er gehört nicht zum Staatskonzern wie PSG. Und weil die aktuelle Transferbilanz ein Minus von 130 Millionen Euro ausweist, muss der spanische Meister seinerseits buchhalterischen Erfindungsgeist aufbringen, wenn er Neymar nach Katalonien holen will.

Das hat er getan. Sein Angebot an Paris St. Germain nach Informationen von „Sky“ und „L’Equipe“: 100 Millionen in bar und zwei Spieler obendrauf. Paris könne unter Philippe Coutinho, Ivan Rakitic, Nelson Semedo und Malcom auswählen, heißt es. Ousmane Dembélé, dessen Name ebenfalls auf der Liste gestanden haben soll, wurde dem Vernehmen nach gestrichen. Ihn hofft Barca im Sommerschlussverkauf für eine dreistellige Millionen-Summe bei Bayern München unterbringen zu können.

Natürlich ist das Angebot, das Barcelona den Parisern unterbreitet, im höchsten Maße unmoralisch. Im verzweifelten Versuch, der PSG-Forderung nach passgenauer Erstattung des Einkaufspreises von 222 Millionen Euro zu entsprechen, der an sich ja schon mit moralischen Maßstäben nicht zu messen ist, werden Spieler (Menschen) zum Spekulationsgut degradiert. Und vermutlich lässt sich anschließend der Wert von Rakitic und Coutinho in der Bilanz zu derartigen Mondpreisen verrechnen, dass Barcelonas Transfer-Etat selbst ohne Dembélés Wechsel ausgeglichen erscheint. Dass die Uefa wiederum nickt, ist zu erwarten. Auch das passt zur hochentwickelten Geschäftsmoral im Fußball.

Neymars Verhalten entspricht ebenfalls dem hohen ethischen Niveau des Transfergeschäfts, das sein ehemaliger und bald wohl neuer Klub anbahnt. Er bummelte sich am Trainingsauftakt in Paris vorbei und bezeugt durch öffentlichkeitswirksame Kontaktaufnahme zu mehreren Spielern Barcelonas seine Wechselwilligkeit. Sein Landsmann Leonardo, Sportdirektor bei PSG, reagiert auf die Bewerbungsfreude des Superstars mit schwer unterdrücktem Widerwillen. Neymar könne gehen, sagte Leonardo, „aber nur wenn ein akzeptables Angebot“ vorliege. Noch hat er Barcelonas Offerte der 100 Millionen plus zwei Klassespieler nicht bestätigt.

Aufs Transferkarussell soll inzwischen auch Juventus Turin aufgestiegen sein. Der italienische Meister hat allerdings zurzeit ebenfalls eine negative Transferbilanz. Er steht mit 42 Millionen Euro im Minus. Und er hat noch keinen überzeugenden Bilanztrick vorgelegt.

Deshalb wird es wohl auf Neymars Rückkehr zu Barca hinauslaufen. Und es werden viele zu Recht den Wahnsinn beklagen, der im Profisport zur Methode wird.

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