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Trotz Protest aus Deutschland - Polen baut sein erstes AKW!

Trotz Protest aus Deutschland: Polen baut sein erstes AKW!

Deutschland schaltete seine letzten drei Kernkraftwerke am 15. April ab – unsere Nachbarn legen jetzt erst richtig los

Deutschland schaltete seine letzten drei Kernkraftwerke am 15. April ab – unsere Nachbarn legen jetzt erst richtig los

Foto: picture alliance/dpa

Von: Dirk Müller-Thederan

Deutschland steigt aus der Kernkraft aus – unsere Nachbarn steigen ein!

Der erste Spatenstich ist für 2026 geplant, der erste Block soll bereits in zehn Jahren an der Ostsee weitestgehend CO2-freien Strom erzeugen.

Polen treibt seinen Plan zum Bau eines Atomkraftwerks (AKW) voran: Das polnische Kernenergie-Unternehmen (PEJ) hat jetzt mit dem US-Konsortium Westinghouse-Bechtel ein Abkommen für den Entwurf des AKW unterzeichnet.

Es wäre das erste Kraftwerk im Land. Polen hat beschlossen, die Kernenergie zu einem Eckpfeiler seines Wegs zu einer kohlenstofffreien Energiequelle zu machen. Sie soll auch die Abhängigkeit von ausländischen Brennstoffen verringern. Das Budget des Projekts beträgt über 100 Milliarden PLN (22 Milliarden Euro).

Premierminister Mateusz Morawiecki bezeichnete den Deal zum Bau am Standort Lubiatowo-Kopalino (rund 80 km westlich von Gdansk/Danzig) als den Beginn eines neuen Kapitels für Polen.

„Die einzige saubere, stabile Energiequelle, die technologisch erprobt und hinsichtlich ihrer Sicherheit überprüft wurde, ist die Kernenergie, die heute ihren großen Tag erlebt“, sagte er bei der Zeremonie in Warschau, an der auch der US-Botschafter in Polen, Mark Brzezinski, teilnahm.

Aus für russisches Öl und Gas

Laut Morawiecki sichert es Polens Energieversorgung basierend auf grünen Energiequellen, gleichzeitig reduziere sich die Abhängigkeit des Landes von Öl- und Gasimporten. „Das ist ein Durchbruch und eine Revolution“, schrieb Morawiecki später auf Facebook. „Niemals wieder Öl und Gas aus Russland!“

Premierminister Mateusz Morawiecki will in Polen die Kernkraft hochfahren

Premierminister Mateusz Morawiecki will in Polen die Kernkraft hochfahren

Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP

73 Prozent Kohle-Verstromung

Bislang (und das noch viele Jahre) werden rund 73 Prozent des polnischen Stroms aus Kohle erzeugt, der höchste Anteil in der EU. Neben Atomkraft jedoch forciert Polen zudem Windanlagen in der Ostsee sowie Solar.

Kürzlich wurde auf dem Gelände eines ehemaligen Kohletagebaus rund 70 km nordwestlich von Łódź das zweitgrößte Solarkraftwerk Polens eröffnet, mit einer installierten Leistung von 200 Megawatt Peak (MWp). Laut Betreiber, EDP Renewables, werden so 208 000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr vermieden.

Laut Branchenverband SolarPower Europe hat Polen 2022 gegenüber dem Vorjahr seine Solar-Kapazität um 29 Prozent auf 4,9 Gigawatt gesteigert (zwölf Prozent der EU-Gesamtleistung), übertroffen nur von Deutschland (8,0 GW) und Spanien (7,5 GW).

In Deutschland versuchen die Grünen, den Bau zu stoppen

Widerstand kommt aus den drei an Polen grenzenden Bundesländern. Bereits im Juli 2021 hatte die „Grüne Jugend Brandenburg“ mit Transparenten in einem Boot auf der Oder lautstark gegen Polens ambitionierte AKW-Pläne protestiert.

Bei ihrem Besuch in Warschau im Februar 2022 hatte sich Bundesumweltministerin Steffi Lemke (55/Grüne) ablehnend geäußert, weil Atomkraft „weder gut noch sicher“ sei. „Wenn Reaktoren in Polen gebaut werden, werden wir geeignete rechtliche Instrumente auf europäischer Ebene anwenden“, warnte sie. Gemeint sein dürfte wohl das EU-Umweltrecht.

Ihr Problem: Im Juli 2022 stimmte das Europaparlament mit klarer Mehrheit dafür, Atomkraft (und Erdgas) in die „Taxonomie“ aufzunehmen. In der EU gelten somit seit 2023 Investitionen in diese Technologien als „grün“.

In Polen gibt es keinen großen Widerstand gegen den Plan, im Gegenteil: Die Zustimmung zur Kernenergie liegt laut Umfragen bei 80 Prozent doppelt so hoch wie noch 2022 und vor dem russischen Überfall auf die Ukraine.