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Um Baerbocks Eintrag bei Wikipedia tobt ein „Edit War“

Wer ist Annalena Baerbock? Diese Frage ist spätestens seit der Kandidatur der Grünen-Politikerin hochaktuell. Für viele führt der erste Weg auf der Suche nach Antworten zu Wikipedia, doch dort tobt seit Wochen ein „Edit War“ – ein Redigierkrieg – um den Artikel über die Kandidatin. Der Streit eskalierte dermaßen, dass mittlerweile nur noch Administratoren der Plattform den Beitrag bearbeiten dürfen.

„Edit Wars“ sind auf Wikipedia nicht ungewöhnlich. Prinzipiell kann und soll jeder Internetnutzer an der Enzyklopädie mitschreiben. Dieses Schwarmwissen unterscheidet Wikipedia vom Brockhaus. In der Praxis aber verkeilen sich Nutzer – oft anonym – in einem Diskussionsforum hinter dem Artikel, in dem über Änderungen gestritten wird. Das passiert vor allem bei großen, komplexen Themen wie dem Nahost-Konflikt, Brexit, Klimawandel oder der Homöopathie. Nun hat ein „Edit War“ auch Baerbock erwischt.

Seit Anfang Mai verzeichnete der Wikipedia-Eintrag von Baerbock 305 Änderungen. Zum Vergleich: Bei Armin Laschet (CDU) sind es 58, bei Olaf Scholz (SPD) 45 Änderungen. In dem Forum zum Baerbock-Eintrag wird gestritten, ob die Nachmeldung ihrer Nebeneinkünfte, die Fehler in ihrem Lebenslauf oder Aussagen über „Kobold“ in Batterien erwähnenswert sind oder nicht. Wikipedia macht diese Diskussion transparent, wie auch jede Änderung eines Artikels. Die Rückschau in die vergangenen Wochen zeigt eine zähe, ermüdende Debatte.

Am 19. Mai ergänzte ein Nutzer die Information, dass Baerbock Nebeneinkünfte nachgemeldet hatte. Wenig später löschte ein anderer Autor den Hinweis wieder. „Wikipedia ist kein Newsticker“, hieß es zur Begründung. In der Diskussion wurde angemerkt, dass Nebeneinkünfte auch in den Artikeln anderer Politiker erwähnt werden, darunter Friedrich Merz (CDU), Christian Lindner (FDP), Peter Gauweiler (CSU), Peer Steinbrück (SPD) und andere.

Doch einige Nutzer sprechen sich dafür aus, die weitere Entwicklung zu beobachten und den Fakt zunächst unerwähnt zu lassen. „Es geht breit durch die Presse, nur hier wartet man, bis keiner mehr davon redet. Sie ist wohl in der richtigen Partei, um in Wikipedia geschont zu werden“, schreibt ein Mitautor irritiert im Diskussionsforum. Seit dem 22. Mai werden die Nebeneinkünfte wieder im Beitrag erwähnt.

„Darstellung im bestmöglichen Licht“

Dann aber streiten die Nutzer darum, ob die Nebeneinkünfte in einem eigenen Abschnitt zu Kontroversen und Kritik genannt werden sollten. Diese Kapitel gibt es bei vielen Politikern, darunter Alice Weidel (AfD) oder auch Robert Habeck (Grüne). Er habe den Eindruck, es ginge um eine „Darstellung im bestmöglichen Licht“, schreibt ein Nutzer. „Bitte mal an einige Autoren aus dem Wahlkampfmodus zu kommen“, entgegnet ein anderer. Einen Absatz zu Kritik oder Kontroversen gibt es bisher nicht.

Auch den Fehler, von „Kobold“ statt „Kobalt“ in Batterien zu sprechen, halten Autoren aus dem Artikel heraus. Ebenso Baerbocks Aussage, dass Strom im Netz gespeichert werden könne. Die Diskussion dazu läuft bereits seit 2019. „Es ist eine Farce, dass es angeblich an einer Kanzlerkandidatin Baerbock keine Kritik von Relevanz geben soll und jede Ergänzung des Artikels in direkter und kompletter Revertierung, gefolgt von endlosen Diskussionen, mündet“, schreibt ein Nutzer.

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Die Fehler in Baerbocks Lebenslauf standen ebenfalls lange nicht in ihrem Wikipedia-Eintrag. Am 10. Mai veröffentlichte der Plagiatsjäger Stefan Weber einen Beitrag über Ungereimtheiten in ihren Studienabschlüssen. Nach weiteren Recherchen, darunter auch von WELT, folgten mehrere Korrekturen im Lebenslauf der Kanzlerkandidatin.

So verließ Baerbock die Universität Hamburg mit einem Vordiplom statt eines Abschlusses. Zudem arbeitete sie nicht wie angegeben seit 2005 als Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter, sondern erst seit Ende 2006. Außerdem führte sie mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk und dem German Marshall Fund Organisationen als Mitgliedschaften auf, in denen sie nicht Mitglied, sondern Unterstützerin und Alumni ist.

Diese Kontroverse findet sich seit dem 9. Juni in Baerbocks Wikipedia-Artikel. Nun heißt es: „Im Zuge ihrer Kanzlerkandidatur und diesbezüglicher journalistischer Recherchen sah sich Baerbock zu mehreren Korrekturen der Online-Präsentation ihres Lebenslaufs veranlasst. In Verbindung mit nachgemeldeten Nebeneinkünften als Bundestagsabgeordnete geriet sie bei zahlreichen Medien in die Kritik.“

Dabei wird es vorerst bleiben, denn der „Edit War“ geht in eine Waffenruhe: Bis Sonntag dürfen nur noch die 180 Administratoren der deutschsprachigen Wikipedia Änderungen an Baerbocks Seite vornehmen.

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