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Und dann rief Uwe Sieling an

Im Tor zuhause: Hilmar Knolle ist als Torwarttrainer in der Landesliga aktiv.

Im Tor zuhause: Hilmar Knolle ist als Torwarttrainer in der Landesliga aktiv. (Thorin Mentrup)

Bruchhausen-Vilsen/Ottersberg. Hilmar Knolle will es genau wissen: „War Götzes Siegtor bei der WM 2014 ein Torwartfehler?“, fragt er direkt. André Schürrles Vorstoß über die linke Seite, sein Chipball auf eben jenen Mario Götze, der das Spielgerät mit der Brust mitnimmt und volley mit links vollstreckt – das hat sich im Gedächtnis der deutschen Fußballfans festgesetzt. Aber wie hat Argentiniens Torhüter Sergio Romero reagiert? Hätte er etwas besser machen können? Diese Frage hat sich wohl kaum jemand, der es mit der Nationalelf hält, in den rund vergangenen sechs Jahren gestellt. Hilmar Knolle dagegen schon. Denn der 52-Jährige hat die Torhüter immer im Blick – beim WM-Finale, aber auch in der Region. Knolle, der in Uenzen lebt, ist Torwarttrainer beim TSV Ottersberg in der Landesliga Lüneburg.

Zu Romeros Verhalten in jener 113. Spielminute des Endspiels hat er übrigens eine klare Meinung: „Er trifft eine falsche Entscheidung. Er macht die Bewegung von Götze mit.“ Deshalb ist die lange Ecke offen, in die der Deutsche trifft und das Siegtor erzielt. Besser hätte Romero seine Körperfläche vergrößert, findet Knolle. Dann hätte er den Gegentreffer womöglich verhindert.

Hilmar Knolles Arbeit als Torwarttrainer ist eine Arbeit im Detail. „Es kommt auf viele Kleinigkeiten an“, erzählt er. Er lege zum Beispiel viel Wert auf schnelle Füße. Flink müssen seine Torhüter sein. Deshalb lässt Knolle, der in der Fuhrparkleitung einer Spedition tätig ist, sie viel Bein- und Fußarbeit trainieren. Eine Grundlage, die unerlässlich geworden ist. „Die Bälle sind in den letzten Jahren viel schneller geworden. Als sie noch aus Leder waren, waren sie schwerer und langsamer.“ Dadurch haben sich auch die Anforderungen ans Torwartspiel verändert. Wer nicht schnell genug ist kann seiner Kernkompetenz, dem Verhindern von Toren, immer schwieriger gerecht werden. Wichtig sei auch mentale Stärke: „Die psychische Belastung ist hoch, weil fast jeder Fehler ein Gegentor bedeutet.“

Die Rolle des Torhüters hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin stark gewandelt. „Der Torwart ist mittlerweile der elfte Feldspieler, fast so eine Art Libero“, erläutert Knolle. Der moderne Schlussmann ist nicht mehr nur der Mann zwischen den Pfosten, sondern oft auch der Spieleröffner. „Er steht deutlich höher als früher und nimmt viel aktiver am Spielgeschehen teil“, weiß der Coach.

Mit Sieling nach Hoya

Er selbst sei nie ein überaus begnadeter Kicker gewesen, sagt Knolle. Seine Laufbahn als Aktiver spielte sich beim SV Bruchhausen-Vilsen, bei der TSG Osterholz-Gödestorf und beim FC Gessel-Leerßen auf Kreisebene ab. Mit 29 Jahren war dann Schluss. „Mein Knie war kaputt“, sagt der Fan des Zweitligisten Dynamo Dresden. Doch dem Fußball blieb er treu, unter anderem als Co-Trainer von Hartmut Schmidt in der zweiten Vilser Herrenmannschaft. „Und dann kam der Anruf von Uwe Sieling“, erinnert sich Knolle, wie seine Torwarttrainer-Laufbahn richtig Fahrt aufnahm. Sieling, selbst als Spieler und Trainer ein Vilser Lilahemd, betreute in der Saison 2011/12 gerade die SG Hoya in der Kreisliga Nienburg. Über den TSV Wietzen kam Knolle dann zum TSV Eystrup – und traf dort auf Torsten Klein, selbst ehemaliger Torhüter und heute Trainer des Bezirksligisten TSV Bassum. Dass sein Chefcoach bis zur Niedersachsenliga aktiv war, also wesentlich höher gespielt hat als er, war in der Zusammenarbeit nie ein Problem. „Das hat immer super funktioniert. Wir haben uns vertraut“, blickt Knolle zurück.

Er war längst Feuer und Flamme für seine Aufgabe, trainierte zusätzlich noch die Eystruper Frauen-Spielgemeinschaft mit Hoyerhagen und den FC Roland Bremen. „Auf einmal war ich sechs Tage in der Woche auf dem Platz. Das war dann irgendwann zu viel“, schraubte Knolle sein Engagement etwas herunter. Er hatte sich dennoch einen Namen gemacht, der über die Kreise Diepholz und Nienburg hinausging. Und als Ziad Leilo im Jahr 2015 anfragte, ob er sich vorstellen könne, beim FC Verden 04 einzusteigen, „da konnte ich nicht ablehnen“. Es war ein weiterer Schritt nach vorn, mit Verden schnupperte Knolle Landesliga-Luft. Das war als Spieler nicht vorstellbar. „Mein linkes Bein habe ich bis heute nur zum Stehen“, lacht er.

In Braunschweig gelernt

Als Torwarttrainer wird Knolles Wissen geschätzt. Er bildete sich stets weiter, hospitierte etwa im Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Braunschweig bei Sebastian Mudruc, der mittlerweile nicht nur als Trainer, sondern auch als Referent und Inhaber einer Firma, die kognitives Training anbietet, hohes Ansehen genießt. „Da habe ich jede Menge gelernt“, sagt der 52-Jährige, der unter anderem auch in Uphusen, Sulingen und Arsten vorbeischaute. In zwei Torwarttrainer-Gruppen bei Whatsapp hält er sich zudem auf dem Laufenden. „Wie da manche analysieren, das ist schon Wahnsinn. Da braucht man nur reinzuschauen und bekommt jede Menge Inspirationen.“

Knolle will seinen Torhütern das bestmögliche Training anbieten. Auch in Ottersberg, wo er in der zweiten Saison aktiv ist. Kurz nachdem er Chefcoach Jan Fitschen zugesagt hatte, übernahm in Verden der ehemalige Bundesliga-Profi Frank Neubarth. „Das war schon verrückt: Früher habe ich seine Spiele gesehen und dann fragt er mich auf einmal, wie ich unsere Torhüter einschätze“, grinst Knolle. Die Fußballwelt, das weiß er nur zu gut, ist eben doch klein. Den Verdenern begegnet er nun als Verantwortlicher auf Ottersberger Seite. Dann hat er wie jedes Wochenende vor allem die Torhüter im Blick. „Wir haben eine Luxussituation in Ottersberg. Felix Mindermann und Leon Seeger sind zwei überragend gute Keeper“, weiß Knolle, der das Arbeiten in einer kleineren Gruppe sehr schätzt. Das Schönste sei, die Fortschritte zu sehen, vor allem, wenn diese auch seinen Schützlingen selbst auffallen. Auf der anderen Seite vergisst Knolle aber auch nicht den Ersatzmann, der nicht spielt. Der hat es besonders schwer. Von ihm erwartet Knolle vor allem eins: „Dass er sich reinhaut, um zu zeigen, dass er spielen sollte.“ Überhaupt habe er mit vielen tollen Torhütern zusammengearbeitet. Da fällt ihm auch der Verdener Stefan Wöhlke ein. „Er ist unglaublich ehrgeizig, ist immer, immer, immer zur Stelle und zuverlässig.“ Einer der komplettesten Keeper in der Region ist für ihn Christian Ahlers-Ceglarek, zukünftiger Trainer des TB Uphusen.

Die Oberliga muss es für Knolle übrigens nicht sein. „Ich fühle mich wohl in der Landesliga“, sagt er. Und in Ottersberg sowieso. „Mit ‘Fitschi’ läuft es super“, ist er rundum zufrieden. Ginge es noch eine Liga höher, wüsste er auch nicht, ob die Zeit reiche. „Außerdem ist die Liga nicht so entscheidend. Einen Torwart kann man überall weiterbringen.“ Letztlich gilt Knolles Grundsatz ebenso für Romero wie auch für Seeger, Mindermann und Co.: „Der nächste Ball ist immer der schwierigste.“

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