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Verheerendes Unglück in Beirut: "Die Türen sind durch die Wohnung geflogen"

Eine große Detonation im Beiruter Hafen legt Teile der Stadt in Trümmer. Kristof Kleemann leitet das Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung vor Ort und erlebte, wie die Druckwelle alle Fenster seiner Wohnung herausriss. Ein Sprung hinter die Wand hat ihn gerettet, wie er im Interview mit ntv.de erzählt.

ntv.de: Wo und wie haben Sie die Explosion erlebt?

Kristof Kleemann: Kurz vor 18 Uhr bin ich nach Hause gekommen, bei der ersten Explosion kurz danach hat das ganze Haus gewackelt. Dann sah ich von meiner Wohnung aus die Rauchschwade unten am Hafen. Bei der zweiten Explosion, einige Minuten später, stieg dieser riesige Pilz auf, der aussah wie ein Atompilz. Als ich den Beginn der Druckwelle spürte, habe ich mich hinter eine Wand geworfen. Dann sind auch schon Türen durch die Wohnung geflogen, die Welle hat alle Fenster rausgerissen. Meine Wohnung ist komplett zerstört und unbewohnbar. Trotzdem hab ich Glück im Unglück gehabt.

Aber Beirut scheint im Herzen getroffen zu sein.

Gerade das Ausgehviertel, wo das kulturelle Leben pulsiert, liegt ganz in der Nähe des Hafens. Eine Kollegin, die dort wohnt, hat mir von abgerissenen Balkonen berichtet, die Altbauten sind stark beschädigt worden.

Die Luftaufnahmen aus Beirut zeigen die Lagerhallen am Hafen komplett zerstört, nur das riesige Silo ragt als Skelett noch aus den Trümmern. Sind auch Wohnhäuser zusammengestürzt?

Ja, auch rund um meine Wohnung ist ein Trümmerfeld. Sie liegt etwa einen Kilometer vom Hafen entfernt, und die Stadt zieht sich einen Hügel hoch. Dort hat die Druckwelle schlimmen Schaden angerichtet. Auch hier liegen Balkone auf der Straße, einige Häuser sind ganz eingestürzt, alles ist übersät mit Schutt und Glassplittern. Sämtliche Glasfronten der Häuser sind geborsten. Auch direkt am Hafen war ein Wohnviertel, wo viele Häuser in Trümmern liegen. Doch wir haben offenbar noch Glück gehabt: Ich habe heute mit Sicherheitsbehörden gesprochen, die mir erklärten, dass das große Silo im Hafen zwei Drittel der Wucht dieser Explosion auf das Meer geleitet hat. Wie Beirut heute aussähe, wenn es dieses Silo nicht gäbe, mag man sich gar nicht vorstellen.

Trotzdem gehen die Behörden davon aus, dass die Opferzahlen - derzeit 135 Tote - noch weiter steigen werden.

Das muss man leider. Das werden Menschen sein, die noch immer unter Trümmern liegen, und die man noch nicht gefunden hat. Die Beiruter sind ja noch immer dabei, Opfer zu suchen.

Auf den Bildern sind meistens normale Passanten zu sehen, selten professionelle Rettungskräfte.

Die Beiruter und die Libanesen sind es gewohnt, dass man sich auf staatliche Strukturen kaum verlassen kann. Es gibt einen großen Zusammenhalt hier. Gestern habe ich mitbekommen, wie man Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, Schlafplätze angeboten hat. Medikamente werden über Freunde organisiert. Die Leute müssen das Heft selbst in die Hand nehmen, das ist die einzige Chance.

Der Libanon war ohnehin schon von Krisen gebeutelt - Wirtschafts- und Finanzkrise und die Corona-Pandemie. Wie schaffen die Krankenhäuser nun den Ansturm?

Es gab hier Momente, in denen die Kliniken einfach ihre Türen zugemacht haben. Nur noch die absoluten Notfälle wurden eingelassen. Leichter Verletzte und auch Kranke, die normalerweise behandelt würden, wiesen die Krankenhäuser ab. Außerhalb Beiruts gibt es noch Kapazitäten, zum Teil werden die Menschen dorthin gebracht.

Welche Hilfe braucht Beirut nun am dringendsten?

Ich habe heute erfahren, dass im Hafen zehn bis zwölf große Container mit Medikamenten und medizinischem Gut lagerten, die auch zerstört sind. Durch die Krise gab es ohnehin schon große Engpässe bei Medikamenten. Da muss die internationale Gemeinschaft sehr schnell und umfangreich Hilfe leisten. Aber auch mit Nahrungsmitteln wird es mittelfristig eng. Gestern ist einer der größten Getreidespeicher zerborsten. Weil Devisen knapp sind, gibt es kaum noch Importe von Getreide. Auch in den vergangenen Monaten gab es schon Engpässe. Aber jetzt bedeutet das: Bald wird das Brot knapp werden und auch andere Grundnahrungsmittel.

Die Libanesen haben in den letzten Jahrzehnten sehr viel durchgemacht. Trotzdem strahlt Beirut große Lebensfreude aus. Wird der Libanon auch dieses Desaster überstehen?

Was mir die größte Sorge bereitet: Nahezu alle Menschen, mit denen ich spreche, die ihr Land immer geliebt haben und bei den Protesten im vergangenen Jahr im Kampf gegen Korruption auf der Straße waren, die sagen inzwischen: Ich will hier raus, so schnell wie möglich. Sie sehen im Land keine Zukunft mehr. Ihre Familie können sie besser aus dem Ausland unterstützen. Das ist eine Katastrophe für dieses Land, in dem es eine gut ausgebildete Mittelschicht gibt, gute Unis und Studenten mit tollen Abschlüssen. Aber wenn die alle das Land verlassen, dann sehe ich schwarz für die Zukunft.

Mit Kristof Kleemann sprach Frauke Niemeyer

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