Germany
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Verzweifelter Club-Betreiber fordert Politik auf: Macht endlich etwas gegen Corona

Nennt die Corona-Politik der Ampel Wahnsinn: Markus Knierim vom Theaterstübchen in der Jordanstraße.

In einem Brief an die künftige Ampel-Koalition fordert Theaterstübchen-Betreiber Markus Knierim die Politik auf, endlich etwas gegen Corona zu unternehmen. Er will einen sofortigen Lockdown.

Kassel – Nachdem Markus Knierim den FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend bei Anne Will gesehen hatte, wusste er, dass er etwas tun musste. Der Politiker hatte im ARD-Talk gesagt, dass er von einem neuen Lockdown nichts halte – trotz der sich dramatisch zuspitzenden Corona-Lage.

Also veröffentlichte der Theaterstübchen-Chef am Montag einen Offenen Brief, der an Lindner und die anderen Köpfe der künftigen Ampel-Koalition gerichtet war. Darin fordert Knierim „einen umgehenden Lockdown der Kulturveranstaltungen in den Clubs“. Die aktuelle Corona-Politik der Noch- und der künftigen Regierung nennt er „Wahnsinn“. Knierim kann nicht verstehen, dass Verantwortliche aus seiner Sicht zu Recht dazu aufrufen, Kontakte zu vermeiden, gleichzeitig aber Veranstaltungen wie in seinem Keller-Club erlaubt bleiben.

Ein Betreiber, der die sofortige Schließung seines Ladens fordert, ist ungewöhnlich, aber Knierim ist am Ende seiner Kräfte, wie er sagt. Die Politiker hätten offensichtlich keine Ahnung, wie es den Veranstaltern gehe: „Wir haben keine Möglichkeit, Veranstaltungen selbst abzusagen, weil wir dann vollumfänglich in der Regressverantwortung stehen.“ Im Fall eines Lockdowns könne er indes wieder auf finanzielle Hilfen hoffen.

Seit Beginn der Pandemie hat der 59-Jährige viel Geld investiert – unter anderem 200 000 Euro in eine neue Lüftungsanlage. Von Oktober bis Ende Dezember waren 100 Konzerte im Theaterstübchen terminiert, das in diesem Jahr zum besten Live-Club gekürt wurde. Doch mittlerweile werden laut Knierim immer mehr Karten zurückgegeben: „Der Vorverkauf für die nächsten Monate liegt quasi bei null.“ So waren am Montag beim Auftritt von Sabine Wackernagel und Marti Lüker zwar 108 Karten verkauft, aber letztlich kamen nur 68 Gäste. Vor der Pandemie war der Laden bei dem Kasseler Duo jedoch mit 180 Besuchern rappelvoll.

Weil sich die Lage nicht entspannt, hat Knierim das für nächsten Dienstag geplante Konzert von B.B. & The Blues Shaks auf Dezember 2022 verlegt. Auch andere Termine fallen aus. Die restlichen Abende finden mit der 2G-plus-Regel statt.

Auch die Kleine Bühne 70 hat ihr Weihnachtsstück „Des Kaisers neue Kleider“ abgesagt, das am Samstag Premiere im Cassalla-Theater feiern sollte. 24 Aufführungen vor allem für Kitas und Schulen waren angesetzt. Vorstandsmitglied Ralph Langlotz sagt: „Wir warten nicht auf die Politik, sondern handeln selbst in Eigenverantwortung.“

Für seinen Offenen Brief erhielt Knierim bei Facebook viel Lob. Eine Reaktion aus Berlin hat er noch nicht bekommen. (Matthias Lohr)