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Vom Versager zum König der Welt

Die Dreharbeiten zu einem Film von James Cameron muss man sich vorstellen wie ein generalstabsmäßig geplantes Großunternehmen. Heerscharen von Technikern bedienen die kompliziertesten und neuesten Apparaturen. Schweres Material kommt zum Einsatz: Fluggeräte, U-Boote, es geht rauf und runter, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Meistens gelten seine Werke als die teuersten aller Zeiten, bis Cameron einen neuen Cameron dreht. Dieser Regisseur stellt sich permanent selbst in den Schatten, nur, um noch strahlender als jemals zuvor wieder daraus hervorzutreten. Der „König der Welt“, zu dem er sich selbst in aller Unbescheidenheit gekrönt hat, muss sich mit jedem neuen Film selbst übertreffen.

„Aliens“, „Terminator“, „Titanic“, „Avatar“ – sein bisheriges Oeuvre liest sich wie eine Liste der spektakulärsten Kinoerfolge. Sigourney Weaver, Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger, Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, Sam Worthington und Zoe Saldana, nicht minder klangvoll die Namen seiner Stars. Cameron ist in jeder Hinsicht einer Filmemacher der Superlative, gleich vier Nachfolger hat er für „Avatar“ geplant.

Und doch sind seine Arbeiten trotz allen Aufwands, den er technisch, logistisch und dramaturgisch betreibt, niemals seelenlos. Umsatzrekorde, Gigantomanie am Set und Pionierleistungen etwa im Bereich des 3-D-Verfahrens sorgten bislang nicht dafür, den visionären Charakter seiner Filme zu zerstören. Im Gegenteil, die kolossale Kraftanstrengung steht immer im Dienst der Geschichte, die er erzählt.

In seinen Filmen geht es um alles oder nichts – um die Zukunft der Menschheit wie in „Terminator“, der 1984 zahlreiche Aspekte der Künstlichen Intelligenz vorwegnahm, die uns heute vor praktische wie auch vor moralische Fragen stellen. Oder um die Zukunft einer streng hierarchisch gegliederten Gesellschaft, die sich auf der „Titanic“ zwischen Luxuskabine und Gemeinschaftsunterkunft für die Proletarier fein säuberlich trennt.

In gewisser Weise hat sich Cameron selbst vom untersten Deck bis in die vornehme Gesellschaft von Hollywood vorgearbeitet. 1954 in Kapuskasing in der kanadischen Provinz Ontario geboren, war seine Schulzeit geprägt von Niederlagen und Rückschlägen; auch das anschließende Physikstudium gab er auf, weil er in Mathematik nicht mitkam. Sein Geld verdiente er erst einmal als Lastwagenfahrer.

Allerdings war er schon als Schüler und später auch als gescheiterter Student vom Film infiziert. Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ und später „Star Wars“ hatten es ihm besonders angetan. Einen Film wie den von George Lucas, sagte er, hätte er selbst gern gedreht.

Noch aber verbrachte er halbe Drehtage für seinen ersten Kurzfilm „Xenogenesis“ (1978) damit, die Kamera ans laufen zu bekommen, die er zuvor aus Neugier auseinander montiert hatte. In den Roger Corman Studios bastelte er Miniaturmodelle, für John Carpenter's „Escape from New York“ (1981) steuerte er einige Spezialeffekte bei. Dafür war er auch im folgenden Jahr für den Reißer „Piranha 2“ vorgesehen, doch als der Regisseur Miller Drake das Handtuch warf, übernahm Cameron. Seine erste Regie.

Damit begann eine Karriere, wie sie vermutlich nur in Hollywood möglich ist. Schon 1984 war der „Terminator“ geboren, nach einer Idee, die Cameron angeblich im Fiebertraum aufgrund einer Nahrungsmittelvergiftung gekommen war. Wirkungsmächtiger hat sich vermutlich nie wieder ein verdorbenes Mittagessen auf die Filmgeschichte ausgewirkt.

Apropos Ernährung. Der Veganer Cameron setzt sich für die Umwelt ein, warnt schon seit Jahren vor den Folgen des Klimawandels und realisiert seinen „Avatar“ am „grünsten Set Hollywoods“, wie er verkündet. Auch auf Pandora geht es bekanntlich um die Konsequenzen einer imperialistisch eingesetzten Schwerindustrie auf die natürlichen Ressourcen und alle, die sich dem ökologischem Raubbau widersetzen.

Über stolze zehn Jahre hinweg führte er mit dem ersten „Avatar“ die Top Ten der umsatzstärksten Filme aller Zeiten an. Im vergangenen Monat hat das Endspiel der „Avengers“ den König der Welt entthront. Nicht für lange, der nächste „Avatar“ steht bereit. Heute wird sein Schöpfer 65 Jahre alt.

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